Endlich ist es soweit: Die langersehnten, deutschen Romane zu der Science-Fiction Serien „Andromeda" sind im Handel.
Band 1 „Gefangen im Schwarzen Loch" von Frank Rehfeld erzählt die Ereignisse, die sich im 90-minütigem Pilotfilm (bestehend aus den zwei Folgen „Die Lange Nacht" und „Fiat Lux") ereignen: Captain Dylan Hunt, Commander des Flaggschiffes der Ehrengarde, die Andromeda Ascendant, lebt in einer Zeit des Friedens. Das sogenannte Commonwealth garantiert Frieden und Wohlhaben in der Galaxis. Doch plötzlich wird der Völkerbund von den Nietzscheanern angegriffen und Dylan Hunt gerät in einen Hinterhalt und wird in einem Schwarzen Loch für über 300 Jahre in der Zeit eingefroren. Die Andromeda wird befreit und Dylan befindet sich in einer neuen Welt wieder: Es herrscht Anarchie und Chaos, alle Ideale des Commonwealth sind verloren gegangen. Dylan Hunt muss sich gegen Plünderer durchsetzten und will schließlich mit einer neuen Crew das alte System wiederherstellen.
Als Andromeda-Fan fällt beim Lesen dieses Buches erst einmal auf, dass anfangs alles genau beschrieben ist und sogar noch etliche Dialoge und Gedankengänge, die es in den Folgen nicht gab, hinzugefügt wurden. Sie ergänzen die Handlung und machen somit für Leser, die die Folge noch nicht gesehen haben, alles wesentlich verständlicher. Für die Fans hingegen kann dies jedoch eher als störend und unangebracht empfunden werden, da ein Großteil der zusätzlichen Dialoge und Gedankengänge, wenn man die Folge schon kennt, für manche Personen untypisch sind und nicht deren Verhaltensmuster entsprechen. Der Nietzscheaner (das Wort wird in dem Buch abwechselnd falsch und richtig geschrieben) Gaheris Rhade ist im Buch planlos und beschließt seine Handlungen immer erst kurzfristig, im Film ist jedoch sehr deutlich seine Entschlossenheit zu erkennen, z.B. als er Lt. Refractions of Dawn auf der Brücke mit einem gezielten Schuss tötet. Laut Frank Rehfeld saß der Leutenant nur zufällig auf dem Pilotensessel und Rhade hoffte Hunt auf diesem Platz zu erwischen. Oder Tyr, der tapfere Söldner, beklagt sich über seine schmerzenden Augen. Dies ist nur eins von vielen Beispielen, die einen Fan etwas missmutig stimmen können.
Das Buch weicht nicht nur in dieser Hinsicht von der Serie ab. Einige Sachverhalte werden falsch oder anders dargestellt. Beka Valentine hat ihr Schiff, die Eureka Maru von ihrem verstorbenen Vater erhalten, im Buch muss sie merkwürdigerweise noch Schulden für das Schiff abbezahlen. Und wieso benutzt Tyr altertümliche Maschinengewehre und Granaten gegen Hunt? Dies ist unangepasst und eine weitere unnötige Abweichung von der Serie.
Einige Szenen wurden hinzugefügt, andere aber auch weggelassen. Die Extra-Szenen sind hier aber positiv zu werten, sie dienen als wertvolle Ergänzungen, schade das aber auch Highlights wie Harpers Eindringen in Andromedas Cyberwelt fehlen.
Was einem besonders positiv an dem Buch auffällt, sind die genauen Beschreibungen der Technik, der Völker und der Planeten. Bis ins Detail wird der Slipstream erklärt, die Situation auf der Erde in dieser Zeit und die einzelnen Rassen, z.B. über die soziale Struktur, Fortpflanzung und Physis. Frank Rehfeld hat sehr gute Recherchen in dieser Hinsicht angestellt.
Gegen Ende des Buches wurde entweder einiges gestrichen, oder der Autor hatte es ein wenig zu eilig, denn die Ausführlichkeit und Treue zum Detail lässt hier immer mehr nach.
Ob es sich nun lohnt, das Buch zu kaufen, ist schwer festzulegen. Neueinsteiger werden sicherlich begeistert sein, da ihnen ein leichter Einstieg in die Serie ermöglicht wird. Die Fans werden in ihrer Meinung gespalten sein, manche werden sich freuen, da das Buch den altbekannten Pilotfilm teilweise anders beschreibt und somit neu wirkt. Andere hingegen werden sich aufregen, dass vieles zum Negativen geändert wurde. Wenn man sich daran aber nicht aufhält ist das Buch sicherlich wegen der Spannung, Action und einer großartigen Erzählungsweise des Autors ein großer Lesespaß.