Die Schriften Roda Rodas werden zur Zeit kaum noch verlegt. Mein Interesse für diesen Autor speist sich zum einen daraus, dass er ein Zeitgenosse (der von mir geliebten) Belle Epoque war, in der er, und später, als diese Epoche schon versunken war: über die er schrieb. Zum anderen gehört Roda Roda zu einer ganzen Reihe, später berühmter, Autoren, die zeitweilig auch im "Simplicissimus" veröffentlichten.
Roda Rodas Humor ist dabei einerseits von einer treffsicheren Bösartigkeit und andererseits voll menschlichen Verständnisses für die von ihm karikierten Figuren. Dieser scheinbare Widerspruch klärt sich dadurch auf, dass der Autor zwar mit feinstem humoristischen Gespür jede Schrulligkeit, Verstiegenheit, Gespreiztheit, Egozentriertheit ausfindig zu machen und auszuleuchten weiß, dadurch aber die so Entkleideten wieder auf ein menschliches Maß zurückführt, und so als fehlbare aber umso mehr liebenswerte Menschen erkennbar macht. D.h. Roda Roda erkennt die Deformationen seiner Zeit und ihres Geistes, die seltsamen Sachzwänge seiner Heimat, der an allen Ecken und Enden zerfleddernden K.u.K.-Monarchie, will und kann aber keine Schuld und keinen Schuldigen ausmachen - außer dem unaufhaltsamen Fortschreiten der Zeiten, der er seinen bösen Kommentar bloß hinterherzuwerfen weiß.
An seinem Humor ist nichts alt und nichts veraltet; ich jedenfalls habe oft schmunzeln und gelegentlich sogar auflachen müssen, obwohl das Jahrhundert, über das der Autor schreibt, längst nicht mehr das unsere ist.