Klar, dass Rod Stewarts erster Auftritt in der Royal Albert Hall (13.10.2004) nicht ungefilmt bleiben konnte. Ich hatte seine Karriere seit seiner '93er "unplugged...and seated"-CD nicht mehr so verfolgt und war erst durch die Songauswahl und den Gastauftritt von seinem alten Kumpel Ron Wood auf die DVD neugierig geworden.
Es ist sicher kein Zufall, dass von den 19 Songs allein 11 aus den Jahren 1969-1977 stammen. Besonders freue ich mich über den Nachfolgehit von Maggie May, You wear it well, und gelungen finde ich auch das Medley aus Some Guys have all the Luck und Addicted to Love, das Rod seinem verstorbenen Freund Robert Palmer widmet. Höhepunkt für mich war, wie erwartet, Ron Woods Gastauftritt bei Stay with me (wie er da gerade noch rechtzeitig vorm Solo seinen Bottleneck aus der Hosentasche fingert!) und bei dem Maggie May-/Gasoline Alley-Medley (bei dem er sich mitten im Lied bei Rod erkundigt, ob sein Solo jetzt schon kommt). Das Duett mit Amy Belle bei I don't want to talk about it ist sehr anrührend, gelungen auch Chrissie Hyndes Gastauftritt bei As Time goes by.
Die 5 Lieder aus Rod Stewarts aktuellen "American Songbook"-CDs (Titel 10-14) sind nicht so mein Fall, scheinen ihm aber - nach langen Jahren lustloser CD-Veröffentlichungen - eine echte Herzensangelegenheit zu sein, sind gut gebracht, und der Erfolg von (damals) 10 Millionen verkauften CDs gab ihm ja auch recht. (Und wer hätte je gedacht, Rod Stewart noch mal im Frack zu erwischen?)
Die erste Hälfte der DVD bringt 10 Hits, in der zweiten folgen besagte 5 "American Songbook"-Songs. Die Pause hierzu muss eine Weile gedauert haben, denn ab hier wird Rods Band vom BBC Concert Orchestra (und in der unvermeidlichen Zugabe Sailing zusätzlich vom London Community Gospel Choir) begleitet, und sämtliche Musiker erscheinen in der der Musik angemessenen Garderobe. Die letzten drei Hits präsentiert Rods Band dann wieder erneut umgezogen.
Ton und Bild sind sehr gut (die Unterbrechung zwischen den beiden Konzerthälften ist recht unsensibel ausgefallen); man muss angesichts der Bühnenbeleuchtung allerdings auf Bonbonfarben stehen oder ab und zu zur Sonnenbrille greifen. Rod ist zwar gealtert, aber locker und scherzt und agiert voller Humor mit dem Publikum, das so viele Gesangsparts übernimmt, dass er es wiederholt bitten muss, nicht ohne ihn anzufangen!
Wie bei Rod Stewart nicht weiter überraschend, hat er auf der Bühne eine ganze Riege an holder Weiblichkeit aufgefahren: neben den Jungs der Band spielt eine sehr aparte J'Anna Jacoby Violine (und bei Maggie May/Gasoline Alley Mandoline), eine sexy Katja Rieckermann spielt Saxophon, drei hübsche Backgroundsängerinnen unterstützen ihn, und in Rhythm of my Heart stakst Ehegattin Penny Lancaster, sich an einem Dudelsack festhaltend, dekorativ und mini-schotten-berockt über die Bühne. Die Kameraführung sucht auffallend oft die Pendants zur Bühne im Publikum.
Der Konzertteil ist mit 83 Minuten nicht gerade üppig, ebenso mit 11 Minuten der Bonusteil, der die Atmosphäre am Konzerttag einfängt (Proben, kurze Bemerkungen der Musiker, Manager etc.).
Die DVD bietet zwar nicht allzu viel Tiefgang, aber gute Unterhaltung. Man kann ihr höchstens vorwerfen, dass den Songs hier und da doch ein wenig die Ecken und Kanten fehlen, das Ungeschliffene (z.B. Stay with me) - dabei kann die Band rocken, wenn sie will (Hot Legs, Addicted to Love). Aber auch das sollte bei Rod Stewart mittlerweile nicht mehr überraschen.