"Was macht schon eine Ewigkeit der Verdammnis, wenn man eine Sekunde lang unendliches Vergnügen gekostet hat." - Dieses Zitat von Charles Baudelaire könnte das Motto der "Rocky Horror Picture Show" sein. Der Kultfilm ist bereits 30 Jahre alt. Passend zum Jubiläum hat Mick Rock, der Set-Fotograph des Films, die Bilder, die er bei den Dreharbeiten 1974 geschossen hat, in dem opulenten Bildband "Rocky Horror" veröffentlicht. Einige dieser Fotos sind bekannt, die meisten jedoch noch nie veröffentlicht worden! Mick Rock kommentiert viele dieser Fotos und erinnert sich dabei an die einzigartigen Dreharbeiten. Zum Film selbst schreibt er: "Sex ist natürlich das zentrale Thema dieses Films."
Ein Vorwort von Richard O'Brien, dem Autor des Musicals und des Films, würdigt die Fotos. Und Mick Rock selbst gesteht am Anfang des Buches, dass er einen schwerwiegenden Fehler gemacht habe: Er habe kein Foto von Charles Grey, dem Erzähler in der "Rocky Horror Picture Show" geschossen. Doch trotz dieses "Mangels" ist "Rocky Horror" ein außergewöhnlicher Bildband, der die Fans der "Rocky Horror Picture Show" aufs höchste erfreuen wird. Denn darin finden sich nicht nur Filmfotos, sondern auch Fotos von den Dreharbeiten, von den Schauspielern ohne Maske und vom Regisseur Jim Sharman. Besonders viele Fotos hat Mick Rock dem Hauptdarsteller Tim Curry gewidmet, der den verrückten Transvestiten Frank N. Furter, der einen Menschen erschaffen will, spielt. In dem Bildband sieht man Tim Curry in seiner Rolle, stark geschminkt in Korsett und Strapsen, aber auch in der Maske sowie ungeschminkt bei sich Zuhause. Besonders häufig ist sein Gesicht in Großaufnahme abgebildet, aber man sieht ihn auch für die Kamera posieren. Diese Mischung macht den besonderen Reiz des Buches aus. Schließlich ist Frank N. Furter die Haupt- und eine Kultfigur. Am Ende des Buches dankt Mick Rock dem Schauspieler "dafür, dass er ein tolles Fotomotiv ist".
Aber auch alle anderen Darsteller des Films werden in dem Buch fotografisch gewürdigt. So enthält "Rocky Horror" wunderbare Fotos von Susan Sarandon, deren Karriere mit dem Film begann und die sich darin von der Unschuld zum Lande zur Femme Fatale entwickelt. Und auch der Autor Richard O'Brien, der auch die Rolle des buckligen Dieners Riff Raff übernahm, ist häufig zu sehen, genau wie alle anderen Darsteller. Die Fotos sind teilweise Schwarzweiß und teilweise farbig. Der Bildband ist dabei sehr schön gestaltet: Auf einer Doppelseite, die die Fotos zum "Time Warp" zeigt, sind diese Bilder beispielsweise unsortiert angeordnet, was dem Durcheinander des ganzen Films entspricht. Andere Fotos wiederum sind als Negativbilder in verschiedenen Farben abgedruckt. So gibt es Bilder von Tim Curry in grellem Pink.
Zudem sind in dem Bildband "Rocky Horror" auch die ganz persönlichen Erinnerungen von Mick Rock enthalten, aus dem Englischen von Anne Litvin übersetzt. Er war der einzige Set-Fotograf und konnte deswegen zu den Dreharbeiten kommen, wann immer er Lust hatte. In seinen Kommentaren, die wie alle Texte zweisprachig Deutsch und Englisch abgedruckt sind, erinnert er sich an die einzelnen Darsteller. Zu Richard O'Brien schreibt er: "Als er ein besonders gruseliges Standfoto von sich sah, bemerkte er: "Ah, Mr. Wonderful... Ich war das Objekt der Begierde in diesem Film." Allerdings ist Riff Raff im Film der bucklige, wenig ansehnliche Diener.
Außerdem erfährt der Leser des Buches einiges über die Lebensläufe der verschiedenen Schauspieler. So wurde Little Nell, die Darstellerin der Columbia, als Darstellerin für den Film entdeckt, weil sie als Straßenkünstlerin gut steppen konnte. Peter Hinwood, der Rocky spielt, hatte vorher noch nie vor der Kamera gestanden, musste in dem Film aber kein einziges Wort sagen und wurde nur ausgewählt, weil er als ehemaliges Model besonders gut aussah. Und der heutige Rockstar Meatloaf hatte bereits in der Bühnenproduktion der "Rocky Horror Show" mitgewirkt, wie auch Tim Curry selbst.
Neben diesen Betrachtungen von Mick Rock gibt es auch einige Zitate der Mitwirkenden. Tim Curry erinnert sich an die Schuhe, die er im Film trug und die etwa zehn Zentimeter lange Absätze hatten: "Die Schuhe waren sehr wichtig. Ich fand mich erst sehr spät während der Proben in die Rolle ein, als ich sagte, diese Schuhe muss ich haben... Danach ging alles von alleine."
"Rocky Horror" ist ein wunderschöner Bildband mit erotischen und originellen Fotos, die jedem Fan der "Rocky Horror Picture Show" mit Sicherheit gefallen werden - beim Betrachten kann man beinahe die Musik im Ohr hören!