Hätte mir vor dem Ansehen des Films im Kino jemand gesagt, dass ich diesem Film 5 Sterne geben würde, hätte ich ihn vermutlich ausgelacht.
Zu sehr war mir der Flop von Teil 5 in Erinnerung und ich war felsenfest davon überzeugt, Stallone würden den sechsten Teil für einen Egotrip nutzen.
Als dann immer mehr Details der Handlung bekannt wurden, war ich mir ziemlich sicher, dass das ein peinlicher Film werden würde.
Stallone mimt den 60 jährigen Boxopa Rocky Balboa und tritt gegen den amtierenden Schwergewichtschampion an. Ich dachte tatsächlich, Stallone würde sich dann zum "krönenden Abschluss" der Rocky-Reihe tatsächlich auf so einen Quatsch einlassen und Rocky mit über 60 Lenzen noch mal den Titel gewinnen lassen. Ohne das Ende vorweg nehmen zu wollen: Es wurde kein Egotrip und Asche über mein Haupt.
Allein schon - wie ein Vorrezensent treffend formulierte - Stallone spielt nicht Rocky. Er lebt ihn.
Kurz zur Handlung:
Rocky Balboa hat längst das Boxen aufgegeben und schwelgt noch immer in den Erinnerungen vergangener Tage. Als eine Computersimulation im Fernsehen gezeigt wird, die errechnet haben will, dass Balboa den aktuellen Schwergewichtschampion besiegen würde, fasst Rocky die Entscheidung noch einmal in den Ring zu steigen.
Zwar behauptet er allen gegenüber er wolle nur auf lokaler Ebene antreten, doch vermutlich glaubt er das selber nicht. Es war die Nachricht der Computersimulation die ihn letztendlich zu diesen Schritt bewog und tief in sich hat er wohl doch noch diesen Traum: Nur noch einmal ganz oben stehen. Zeigen, dass das Alter nicht vor Leistung schützt.
Als sich Rocky tatsächlich die Gelegenheit zu diesem spektakulären Kampf bietet, willigt er letztendlich ein.
Rocky Balboa steigt wieder ins Training ein...
Wie gesagt: Asche über mein Haupt. Zusammen mit Rocky 1 + 2 ist der sechste Teil für mich klar der Beste.
Der sechste Teil hat endlich wieder eine Atmosphäre und bietet nicht wie -
zum Teil - der dritte und vierte Teil eine kitschige Handlung mit übertriebenen Trashkämpfen (Teil 4).
"Rocky Balboa" zu Sehen hat richtig Spaß gemacht. Der einstige Held einer ganzen Generation, der wie kein zweiter verkörperte, dass sich harte Arbeit letztendlich doch auszahlt, ist wieder glanzvoll zurück.
Zwar geht es im sechsten Teil eher um das Thema in Würde Alt zu werden und darum nicht vermeintlich "Alte Eisen" einfach abzuschreiben, aber "Rocky Balboa" hat dennoch viel Charme vom ersten und zweiten Teil zurückerlangt.
Stallone bietet eine überzeugende Mimik und Gestik an und spielt seine Paraderolle endlich wieder in gewohnter Klasse.
Auch der Boxkampf ist spannend und - das ist für mich die größte Überraschung überhaupt - so glaubwürdig in Szene gesetzt worden, wie es nur geht. Stallone hat den Film nicht als Egotrip missbraucht, nein er hat der Rocky Saga einen würdigen Abschluss beschert. Einen würdigen Abschluss, den der fünfte Teil sicherlich nicht nie sein konnte.
Der Spannungsbogen stimmte und es gab auch durchaus eine Menge Witz, mit dem es aber nicht übertrieben wurde. Stallone spielt die ganze Geschichte mit einem erfrischenden Hauch von Selbstironie ("Eher ein Spruch aus den 70ern") und generell wird Rocky Balboa in der Trainingszeit uns nicht als "Granate" verkauft, sondern seinem Alter entsprechend in Szene gesetzt. Der Ringrost ist quasi spürbar und das ist auch gut so.
Die Settings sind klasse und über die Musik muss man wohl keine Worte mehr verlieren. Kameraeinstellungen und Schnitt wurden auch gut und geschickt eingesetzt um in den notwendigen Szenen die Handlung gewünscht dynamisch erscheinen zu lassen.
Wer hauptsächlich choerographierte Boxkämpfe sehen will, ist mit dem vierten Teil sicherlich besser bedient. Lange Zeit hat "Rocky Balboa" nämlich wieder etwas vom Charme des ersten Teils, der eine klasse und atmosphärisch dichte Milieustudie war.
Dennoch: Der Boxkampf ist wie gesagt eine Wucht und der ganze Film voller denkwürdiger Szenen. Die Anspannung vor dem Kampf ist richtig spürbar und nimmt den Zuschauer und geneigten Rocky Fan endlich wieder mit. Würde man es Plump bezeichnen, würde man sagen die Szenen vor dem Kampf im Mittelgang sind einfach nur "cool". Wenn Rocky den Kuss auf die Wange bekommt und angespannt auf seinen Einmarch wartet... Großartig auf Zelluloid gebannt.
Die ganzen Szenen zu diesem Zeitpunkt - wie viele andere auch - werden mir in guter Erinnerung bleiben. Denn sie haben mir wieder das gute, alte "Rocky-Feeling" gegeben.
Unser Held hat noch einmal einen großen Auftritt. Diesesmal steigt er als krasser Außenseiter in den Ring, der eigentlich nur gewinnen kann (hier wird derm Bogen zum ersten Teil, wie in vielerlei anderen Dingen auch, gespannt; hat mir sehr gut gefallen).
Doch für Rocky Balboa - und seine Fans - besteht die große Gefahr, dass er hier vielleicht noch mal alles verliert. Glücklicherweise war es nicht so.
Auch zum Schluss muss ich einem Vorrezensenten zustimmen: Am Ende schließt sich der Kreis tatsächlich. Er schließt sich würdig.