Seit dem Release des letzten Midnight Club Titels sind einige Jahre ins Land gezogen. Die Midnight Club 3 Dub Edition erschein damals noch für die PlayStation 2 und die Xbox. Nun steht, seit dem 24.10.2008, mit Midnight Club Los Angeles der vierte Teil von Rockstar's Straßenraserei in unseren hiesigen Regalen und Besitzer einer PlayStation 3 und/oder einer Xbox 360 dürfen sich auf einiges gefasst machen.
Midnight Club Los Angeles spielt, wie der Name schon vermuten lässt in der Hollywood Metropole. Entwickler Rockstar Games San Diego hat 5 Stadtteile der amerikanischen Westküstenmetropole relativ originalgetreu nachgebaut und bietet dem Spieler einen der größten virtuellen Rennschauplätze (ich denke, das einzig das virtuelle Hawaii aus Test Drive Unlimited größer ist als Rockstar's virtuelles Los Angeles), die es bislang auf eine Spiele-Disc geschafft haben. Ihr dürft Euch auf spannende Rennen in Downtown L.A., Hollywood, Santa Monica, Beverly Hills und Mulholland freuen. Um ein möglichst lebendiges und optisch ansprechendes Szenario zu schaffen, nutzen die Entwickler die hauseigene RAGE-Engine, die auch schon für GTA 4 verwendet wurde. Diese wurde ausschließlich dafür genutzt, um die gut 50 Wagen und Bikes, sowie die weitläufigen Stadtgebiete perfekt in Szene zu setzen...
... und grafisch sieht Midnight Club LA wirklich erstklassig aus! Die Wagenmodelle sind wunderbar detailliert. Egal ob tolle Lackspiegelungen, das Schadensmodell oder die voll animierten Cockpits. Jede virtuelle Spritschleuder steht seinem Originalvorbild in nichts nach. Und auch hinter der Rennspiel-Konkurrenz braucht sich der Rockstar-Titel nicht zu verstecken. Zugegeben, Spiele wie Gran Turismo 5 Prologue, Race Driver: Grid oder Project Gotham Racing 4 sehen besser aus. Wenn man allerdings bedenkt, wie groß das virtuelle Los Angeles, im Vergleich zu diesen Konkurrenz-Titeln ist, lassen sich die Grafikeinbußen verschmerzen. Denn Los Angeles ist groß, verdammt groß! Die Umgebungsgrafik, die unzähligen verschieden Gebäude, die für LA typische Flora und Fauna, sieht super aus! Wenn man dann noch berücksichtigt, wie viel ziviler Verkehr, inklusive Passanten, auf den virtuellen Straßen unterwegs ist und das Spiel dabei auch noch flüssig über den Bildschirm saust, muss man eingestehen, dass Rockstar hier eine tolle Leistung abgeliefert haben. Kompliment!
Die Fahrzeuge sind, wie es sich für ein Rennspiel, vom Schlage Midnight Club gehört alle lizensiert. Die Palette reicht von Musclecars (Ford Mustang, Chevrolet Corvette ZR1, Chevrolet Camaro, Chevrolet Camaro Concept, Dodge Charger, Dodge Challenger, Dodge Challenger Concept, Saleen S302 Extreme, etc.), über Tuner (VW Golf 1 GTi, VW Golf 5 R32, VW Scirocco, Madza RX7, Mazda RX8, Nissan Skyline, etc.), Luxus-Limousinen (Chrysler 300 C, Mercedes S600, etc.), Exoten (Lamborghini Murcielago Spider, Gallardo Spider, Mirura, Saleen S7, Audi R8, Ford GT Mecedes Benz SL 65 AMG, Aston Martin Vantage Roadster, etc.) bis hin zu Motorrädern (Ducati 999R, Kawasaki ZX-14 Ninja). Fast 50 verschiedene Fahrzeuge haben den Weg ins Spiel gefunden. Die Schlitten und Bikes können dann mit allem getunt werden, was das amerikanische Tuning-Magazin DUB so hergibt und es gibt wirklich tonnenweise, für jeden Wagentyp unterschiedliche, Tuningteile. Einmalig, in Sachen Tuningrennspielen, ist die Tatsache, dass man auch die Cockpits und die Innenausstattung der Wagen tunen, bzw. optisch verändern kann.
Mit diesen Fahrzeugen nimmt man dann an den zahlreichen Rennen teil. Bei den Rennen ist man nicht nur nachts, sondern zu jeder Tageszeit unterwegs, was ebenfalls gut zur Atmosphäre beiträgt. Die Tag- und Nachtwechsel sind optisch wunderschön ist Szene gesetzt. Schöne Wettereffekte, wie stürmischer Regen oder dichter Nebel dürfen auch nicht fehlen.
Zu den Rennen: Es gibt verschiedene Wettbewerbe. Bei Checkpoint-Rennen fährt man die Checkpoints in vorgegebener oder willkürlicher Reihenfolge ab. Wer Abkürzungen nutzt, schafft sich einen kleinen Vorteil. Rundkursrennen führen über einen mit Checkpoints gespickten Rundkurs. Außerdem gibt es noch Rennen, bei denen nur der Zielpunkt vorgegeben ist. Hier gilt es dann selbst, sich, vom Start weg, den schnellsten Weg durch die Stadt zu suchen. Im Arcade-Modus kann man aber auch eigene Rennen kreieren. Herzu dient ein sehr einfach zu bedienender Race Editor. Die Rennen sind alle recht anspruchsvoll, aber durch das einfache Handling der Wagen (fast) immer fair und nur selten kommt mal Frust auf, obwohl einige Rennen sauschwer sind. Ihr könnt außerdem noch Liefermissionen fahren. Hier gilt es innerhalb einer vorgegebenen Zeit einen Wagen möglichst unbeschädigt zum Zielort zu bringen. Schafft Ihr dies, winkt eine saftige Geldprämie. Diese Missionen lassen sich beliebig oft fahren. Gleiches gilt, wenn Ihr Eurem virtuellen Freund Karol helft, Geld von Schuldnern einzutreiben. Bei diesen Missionen müsst Ihr den Wagen von Karols Schuldnern innerhalb eines Zeitlimits schrotten.
Das Belohnungssystem hält die Motivationskurve ebenfalls sehr hoch. Für gewonnene Rennen erhält man nicht nur Geldprämien, sondern schaltet auch Tuningteile und neue Wagen frei. Hin und wieder gewinnt man dann auch noch den ein oder anderen Wagen (meist bei Zeitrennen). Zudem erhaltet hier für Eure Rennplatzierungen REP-Punkte, sogenannte Ruf-Punkte. Je höher Euer REP-Wert ist, desto mehr Gegner wollen gegen Euch fahren und umso mehr Kohle kassiert Ihr ein. Ebenfalls sehr lobenswert ist die Tatsache, dass man die Rennen nicht gewinnen muss, um die Karriere voran zu treiben. Der Karrierefortschritt ist ebenfalls an diese besagten REP-Punkte angeknöpft.
Wer allerdings auf eine Renn-Simulation hofft, ist hier fehl am Platz. Bei Midnight Club LA steht der Spielspass in vorderster Front. Die Wagen und Bikes steuern sich zwar alle unterschiedlich aber das Fahrverhalten ist nun mal recht arcade-lastig.
Auch der Sound lässt kaum Wünsche offen. Es gibt über 100 lizensierte Songs, aus den Bereichen Hip Hop, Rock, House/Trance. Die Motorensounds der Wagen klingen ebenfalls sehr authentisch und aggressiv. Auch die Umgebungsgeräusche können sich hören lassen: Egal ob der zivile Verkehr oder Polizei-Sirenen. Die tolle Soundkulisse trägt viel zur lebendigen Atmosphäre des Spiels bei.
Fazit: Midnight Club LA macht dort weiter, wo die Konkurrenz stehen geblieben ist. Tolle Grafik und Präsentation und eine sehr gute Spielbarkeit heben das Game auf den Streetracer-Thron. Der ungemein große Umfang fesselt den Spieler gut 40-50 Stunden vor den Bildschirm. Ich kann jedem Rennspiel Freak, der Lust auf spannende und unkomplizierte Rennaction hat, dieses Spiel absolut empfehlen. Für mich zählt Midningt Club Los Angeles, neben Project Gotham Racing 4, Test Drive Unlimited, Race Driver Grid und Burnout Paradise zu den derzeit besten High-End-Rennspielen. Von mir, für Euch eine ganz klare Kaufempfehlung!
Positiv
- Los Angeles, originalgetreu und riesengroß
- Ungemein motivierender Karrieremodus
- Massig Tuningteile und viele Original Autos, bzw. Motorräder
- Einfaches und unkompliziertes Handling der Fahrzeuge
- Läuft sehr flüssig und schnell
- Race Editor
Negativ
- Die Rennen sind teilweise sehr schwer
- vereinzelte Pop Ups
Grafik: 8/10
Sound: 9/10
Gameplay: 8/10
Steuerung: 9/10
Umfang 9/10
Spielspaß: 87%
Aktueller Nachtrag, 17.12.2008 : Rockstar Games hat auf der offiziellen Homepage angekündigt, dass Midnight Club L.A. ab Anfang 2009, per Download, vergrößert werden soll. Dieser kostenlose Download soll den neuen Stadtteil South Central, neue Renn-Events, Charaktere, neue Wagen, Tuningteile und Musiktracks beinhalten. Der Stadtteil South Central soll das Spiel um etwa 1/3 der bisherigen Größe erweitern und südlich des Freeways 105 angefügt werden. Zu den Wagen gesellen sich u. a. die, im Hauptspiel von vielen Fans vermissten, SUV's (Cadillac Escalade und Range Rover) mit dazu. Man darf gespannt sein, was uns hier noch erwarten wird.