Nachdem ich mir diese CD damals neu gekauft habe, war ich erst einmal irgendwie etwas "unglücklich" mit dem, was ich da hörte.
Ich konnte zunächst nur wenig mit dem letzten output der Hellacopters anfangen und habe der CD in den nächsten Monaten wenig Beachtung geschenkt.
Das hat sich grundlegend geändert.
Mittlerweile habe ich sie sicher an die 50 mal gehört - und habe mich noch immer nicht satt daran gehört !!!
Natürlich sind die Geschmäcker verschieden und nicht jedem, dem die frühen Werke gefallen haben, wird diese Scheibe munden.
Aber, und das sage ich nach immerhin schon gut 20 Jahren Erfahrung als Musiker/Gitarrist, hat sich das songwriting der Band mit den letzten Alben erheblich verbessert.
Die alten Sachen sind geprägt von einem sehr rohen Klangbild, aber der Aufbau der songs erinnert mich teilweise eine etwas unstrukturierte Aneinanderreihung von Gitarrenriffs. Das ist bitte nicht falsch zu verstehen - die songs rocken heftig nach vorne, aber eben zum Teil ohne so etwas wie einen logischen Ablauf.
Und genau das gelingt der Band bei den letzten Alben so gut, wie noch nie zuvor. Nicke und seine Mitstreiter haben sich auf ihre Wurzeln besonnen, auf Bands wie die frühen KISS (Nicke hat schon oft erwähnt, absoluter Fan der frühen KISS zu sein), den Urvater des Rock´n Roll Chuck Berry, (für meinen Geschmack) den sehr frühen Pat Travers etc.
Um diesen Sachen nahezukommen, hat man auch bei der Auswahl der Gitarrensounds offensichtlich noch verstärkter auf Vintage-Equipment zurückgegriffen. Die Gitarren sind bisweilen nur noch leicht angezerrt und haben einen ungleich lebendigeren Klang als noch zu "Payin´the dues" - Zeiten. Außerdem ist hier sehr deutlich zu hören, daß die Jungs auch als Musiker gewachsen sind und íhre Instrumente erheblich besser beherrschen, als zu besagter Zeit. Hätten sie damals mit diesem sound gespielt, wäre das Ergebnis sicher eine Katastrophe geworden !
Ich möchte keine der songs besonders hervorheben oder näher darauf eingehen, sondern einfach mal etwas zu dem sagen, was offensichtich bei anderen Hörern nicht so gut angekommen ist - die Tatsache, daß es sich hier um reifes und ausgereiftes songwriting von guten Musikern mit dem besonderen Gespür für "gute Melodien" handelt, die ihre punkige "hau drauf" Zeit lange hinter sich gelassen haben und zu ernsthaften Musikern gewachsen sind.
Die songs haben eben genau das, was für mich einen guten song ausmacht - und das mache ich nicht an Geschwindigkeit oder zu stark verzerrten Gitarren fest, sondern am Wiedererkennungswert jedes einzelnen songs !
Daher lautet mein Fazit: Rock´n Roll ist nicht tot - er klingt nur heute etwas anders/reifer ! Somit volle Punktzahl !