Diese Scheibe hier war der Nachfolger von Crest of a Knave, das Album von 1987, was die Fans wieder mit Jethro Tull versöhnte. Rock Island ist eine konsequente Weiterführung des einmal beschrittenen Weges. Beste Voraussetzungen, möchte man meinen, doch macht die Platte den Eindruck, als sei es Ian und seinen Mannen nicht ganz so leicht von der Hand gegangen. Ein paar der Songs scheinen schon beim Komponieren Schwierigkeiten gemacht zu haben, obwohl das Ergebnis dieser Songs nicht wirklich schlecht ist, eher guter Durchschnitt. Undressed to kill gerät mir ein wenig eintönig, ebenso Heavy Water und Another Christmas Song. Insbesondere bei diesen Songs glänzt die Band nicht so vor sonst gewohnter Spielfreude. The Whaler's Dues kommt tatsächlich so schwer wie ein Wal, quält sich knapp 8 Minuten (ich bin sonst ein Fan langer Stücke) durch den Player. Der Song hat bei weitem nicht das Flair und Leichtigkeit von Budapest. Nach diesen Worten fragt man sich, wie kommt der Rezensent trotzdem auf 4 Sterne --- nun, die Scheibe hat Highlights. Kissing Willie, der flotte Opener mit schlüpfrigem Thema, dargestellt in gekonnter Manier dank Ian. The Rattlesnake Trail ist ebenfalls ein flotter Rocker und stampft straight nach vorne. Immer noch rockig, aber etwas langsamer ist Ears of Tin, das in der Mitte des Songs durch eine Rythmuswechsel besticht. Der Titeltrack ist vielleicht auch eine Spur zu getragen, hat aber ein geniales Flötensolo zu bieten. Bei Big Riff and Mando packt Ian mal wieder die Mandoline aus, der Refrain ist hier für Tullverhältnisse harter Rock. Die im zweiten Abschnitt genannten Songs wären mir 5 Sterne wert gewesen, aber bei den übrigen Songs waren mir persönlich zu viele Schwächen drin. Für Jethro Tull ist es zwar ein grundsolides, aber durchschnittliches Album. --- So schrieb ich es auch schon zu der Version, die nicht remastered ist. Klanglich ist dieses Teil hier eine Verbesserung, die meisten Songs kommen klarer und transparenter. Musikalisch habe ich nichts hinzuzufügen, zu den Bonustracks mache sich jeder seine eigenen Gedanken.