Der einzig noch halbwegs erfolgreich act der Acid Jazz Szene der frühen 90er - also quasi der letzte ,Überlebende' - ist Jamiroquai. Um Jamiroquai zu mögen, muss man Tanzmusik mögen, vor allem Funk und Soul, denn genau das spielt die Band.
Mit ihrem neuen Album sind Sie nun wieder viel näher an dieser Musik, als mit Scheiben wie ,Synkronized' oder ,A Funk Odyssey', die doch arg von Vocal House und Dancefloor geprägt waren. Natürlich finden sich auch hier mit ,White Knuckle Ride' ider ,She's A Fast Persuader' wieder solche Stücke wieder, denn man hat ja mittlerweile auch eine große Zielgruppe unter den Club Besuchern zu bedienen, aber selbst die werden wieder mit Saxophon und anderen Zutaten angereichert, die den Sound organischer und ursprünglicher machen.
Im Prinzip machen Sie hier das was Sie immer schon gut konnten - schwungvollen, handwerklich perfekten Feelgood Tanz Sound der schön variantenreich daherkommt. Das 70er-Jahre lastige ,Two Completely Different Things' bspw. klingt stark nach den Isley Brothers, ,Hurtin' ist hemmungsloser Funk von einem Gitarrenriff getragen, ,Blue Skies' eine wunderschöne Soul Nummer, ,Hey Floyd' ein Reggae/Ska Experiment und auf den Bonustracks findet sich mit ,Hang It Over' gar ein Funk und Dixie-Jazz Bastard - einer der charmantesten tracks der neuen Platte, der hätte eigentlich unbedingt auch auf der Einzel CD Ausgabe drauf gehört. Der Standout Track ist aber das mit opulenten Streichern ausgestattete ,Lifeline', das auch einen jazz-Touch hat und wieder mit dieser versetzten Gesangsmelodie bei den Strophen daherkommt, die auch schon ,Virtual Insanity' so verführerisch gemacht hat.
Die ,Vibes' haben Sie immer noch und auch den tightesten groove unter der Sonne, und kompositorisch ist ,Rock Dust Light Star' auch wieder besser als ,Dynamite'. Eindeutig ein Formanstieg und nach ,Emergency' und ,Travelling' vielleicht sogar das drittbeste Album der Gruppe zumal es hier zumindest keine einzigen song gibt der als Totalausfall gewertet werden kann.
Für den 5ten Stern fehlen halt ganz einfach 2-3 zwingende Ohrwurm Kompositionen, aber klanglich und arrangementmäßig (tw. sehr schöne Bläser-Sätze) kommt das alles sehr rund rüber und der verminderte Einsatz von Elektronik bewahrt dieses Album wahrscheinlich auch davor in 10 Jahren veraltet zu klingen.
Abwechslungsreich, elegant und lässig. Man muss der Platte nur ein wenig Zeit geben, dann aber wird Sie immer besser.