Hier ein ausführlicher Testbericht incl. Vorschläge zur Behebung von Zirpen, Rauschen etc. und
ein Workaround zur oft nicht arbeitenden Vibration. Viel Spass beim schmökern.
In den letzten Wochen habe ich verschiedene Headsets auf Ihre Tauglichkeit in Spielen mit 5.1 Sound getestet.
Mir ist es wichtig, zb. in CoD Modern Warfare 1 o. 2 genau zu hören, aus welcher Richtung sich meine "Feinde" auf mich zubewegen.
Ausserdem wollte ich "echten" 5.1 Sound und nicht virtuelles 7.1 Gedöns wie zb bei
der Logitech G35. Bei diesem virtuellen Mix hat man ständig das Gefühl, das man die Schritte eines Gegners unmittelbar,
gefühlt 1 Meter entfernt wahrnimmt, obwohl der sich quasi am anderen Ende der Karte bewegt...
Bei allen (!) Headsets kam es bei Mikrofon-Betrieb zu dem, hier in den Rezensionen
fast aller Headsets, beschriebenen Rauschen, Fiepen oder Zirpen.
Vibration klappte anfangs nicht.
Dazu und zu dessen Behebung später mehr.
Getestet wurde auf Windows 7, 64bit, Gigabyte DS3-EP45 mit ASUS XONAR D2 Soundkarte und AZELIA HD OnboardSound.
Für meinen(!)Geschmack nur bedingt oder gar Spiele-untauglich erwiesen sich nach vielen Tests folgende Headsets:
Razer Megalodon 7.1 USB:
Sehr teuer, hochwertig verarbeitet, schickes Design mit vielen Lämpchen, sehr guter Klang,
Einstellung der Kanäle langwierig
Entfernungen der Gegenspieler verfälscht, Gegner-Ortung mangelhaft,
Medusa NX USB 5.1 Headset:
Preiswert, Klang annehmbar aber nicht überragend, Verarbeitung so lala,
Einstellmöglichkeiten über die Software unbefriedigend, klapprig und für kleine
Köpfe zu "schlabbrig"
Gegner-Ortung mangelhaft
Creative Fatality HS 1000, USB:
Schickes Design, für kleine, schmale Köpfe,wie den meiner Frau, ungeeignet (sie musste
sich eine Packung Tempos zwischen Bügel und Kopf klemmen, damit es einigermaßen sitzt)
180MB Treiber-Trümmer! Absolut mangelhafte Einstellmöglichkeiten, Klang bei Musik
hervorragend, kein echter 5.1 Sound (wusste ich vorher nicht)
Gegner-Ortung mangelhaft
Vorteil der USB Headsets: Man kann seine bestehende Lautsprecheranlage unangetastet
in der Soundkarte stecken lassen und nach Bedarf über den Lautstärkemixer in der Taskleiste
umswitchen.
Meist funktioniert sogar das automatische einschalten bzw. aktivieren der Lautsprecher,
wenn man das USB-Headset aus der Buchse zieht.
Gestern erhielt ich das Roccat Kave. Das sollte meine letzter Versuch auf der Suche nach einem vernünftigen Gamer-Headset sein.
Erfüllt das auch nicht meine Ansprüche, wird halt weiter mit Stereo-Headset gezockt.
Dieses Headset wird nicht(!) über den USB Anschluss betrieben, sondern erhält von dort nur die Stromversorgung
für die Tisch-Verstärkereinheit.
Die Optik ist edel, Haptik angenehm. So, wie es Mode ist, leuchtet auch hier überall irgend
ein Lämpchen in stylischem Blau (wer's braucht ;) Passform ist sehr gut, Muscheln umschliessen die Ohren und lassen
kaum noch Umgebungsgeräusche durch.
Tragegefühl ist annhembar. Allerdings merkt man schon ein bischen um die Ohren herum, wenn man es eine Stunde getragen hat (bin Brillenträger).
Trotzdem akzeptabel!
Nachdem ich das Headset kalibriert habe
(Regler an Tischeinheit alle mittig, Regelung der Pegel über die Soundkartensoftware im moderaten Mittelbereich)
ging es zum Probematch auf den COD Server meines Vertrauens.
Und endlich konnte ich alle Gegner vernünftig orten! Zwar kommt das räumliche Gefühl
naturgemäß nicht an die Auflösung meines Logitech 5.1 Lautsprecher-Systems ran,
aber es ist akzeptabel und ich kann eine Empfehlung aussprechen.
Das hier in den Rezensionen angesprochene "Rauschen" und "Zirpen" rührt größtenteils
von der Stromversorgung via USB. Besonders bei Bewegungen mit der Maus (Kabel) nimmt man es mehr oder weniger war.
Bei mir hat das durchprobieren aller Buchsen Linderung gebracht.
Schaltet man das Mikrofon stumm, verschwindet das Zirpen komplett.
Musikfans sollten aber lieber einem klassischen Stereo-Kopfhörer den Vorzug geben.
Ein leichtes Restrauschen ist immer leicht zu hören. Im Zocker-Betrieb hört man davon allerdings nichts mehr!
Tip:
Mikroverstärkung aktivieren (10db, max. 20db)und den Regler fürs Mikro so weit
runterziehen, bis die Stimme noch angenehm zu hören ist. Keinesfalls auf 100 (bzw, "Volle Pulle") stehen lassen.
Wichtig ist auf jeden Fall, das man beim Headset seine Stimme hören kann!
Wenn die Soundkarte kein "Monitoring" erlaubt, hat man das Gefühl, in einer
Taucherglocke zu hocken.
Im Spielbetrieb hört man sich ohne Monitoring selbst überhaupt nicht mehr und hat automatisch das Gefühl,
andere hören einen auch nicht.
Meine ASUS XONAR D2 erlaubt zwar nach viel Sucherei eine Art Monitoring, allerdings
nur mit leicht verzögerter Ausgabe. Sobald man spricht, hört man sich erst einige Millisekunden später im Kopfhörer.
Zur Not ist es vertretbar.
Leider kann man Lautsprecher und Headset nicht parallel anschliessen; Ein entsprechender
Umschalter wie bei dem Uralt 5.1 Headset von Medusa aus 2004 fehlt völlig.
Also ist umstöpseln angesagt oder man versucht einen Trick:
Ich habe das Headset einfach in den Onboardsound (AZELIA HD Sound, Realtek)
eingesteckt und das funktioniert sogar parallel mit meiner Soundkarte!
Ausserdem hat man mit der Onboardkarte viel mehr Möglichkeiten, die Ausgabe
anzupassen (virtuelle Entfernung, Mikroverstärkung, Monitoring)!
Beim ausprobieren nicht vergessen, den Onboardsound im BIOS zu aktivieren ;)
Nach einer Kopfhörer-Session kann ich ganz einfach auf Lautsprecher umschalten, indem
ich im Mixer (Taskleiste) die entsprechende Karte aktiviere oder deaktiviere.
Windows 7 scheint also kein Problem mit dem gleichzeitigen Betrieb zweier Soundkarten zu haben.
Tip:
Alles was nicht gebraucht wird, abschalten (SPDIF, Digitalein/ausgang etc.)!
Das kann das Rauschen nochmals vermindern.
Tip:
Ggf. das USB kabel nicht am PC anschliessen, sondern ein Netzteil mit USB-Ladeausgang
kaufen - Hier dann das Headset anschliessen.Ich nutze das hier:
PowerPlug Steckdose auf USB-Ladegeraet fuer iPods und USB aufladbare MP3-Player schwarzSehr preiswert und hilft auch ein wenig gegen das USB-Zirpen!
Allerdings geht bei mir dann weder Stummschalten noch Muten über die Tischarmatur!
Da muss man halt dann selbst entscheiden, wo man seine Prioritäten setzt ;)
Einen Nachteil muss ich aber doch erwähnen: Nach dem ausschalten des PC's leuchtet
das Lämpchen am Kopfhörer-Mikrofon weiter. Alle anderen Bluelights (Verstärkereineit)
deaktivieren sich jedoch. Wen's stört: USB Stecker nach ausschalten des Rechners ziehen.
Hier wäre eine Auto-Abschalt- Funktion durchaus angebracht!
Tip:
Wenn die "Vibration" nicht richtig funktioniert:
- Basslastiges Musikstück starten:
- Am Tischregler SW auf Volle Stufe
- In der Realtek Software unter "lautsprecherfunktion" folgende Einstellungen vornehmen:
1)5.1 Lautsprecher
2)"Lautsprecher mit gesamten Frequenzbereich" Haken entfernen
3)"Bass-Management aktivieren" Haken setzen
>>>zum Reiter "Raumkorrektur" weiter gehen
Hier folgendes einstellen:
1)"Raumkorrektur aktivieren"
2)Im Subwooferfeld die Laustärke auf +10db und dann nach Geschmack runterregeln
Zusammenfassung:
Vorteile:
-Echtes 5.1, klar ortbare Gegener beim Gaming
-Schickes Design
-gut verarbeitet, angenehme Haptik
-Schreibtisch Steuerelement
-Headset sitzt sehr gut, auch auf kleinen Köpfen
-fast 100 prozentige Abschottung von der Umwelt
-brachialer Vibrations-Bass Effekt
Nachteile:
-Kein 5.1 Verteiler für bestehendes Lautsprecherset;
man muss ggf. umstecken, wenn man nur eine Sounkarte besitzt
-Beleuchtung schaltet teilweise nicht ab
-Ohne Möglichkeit von Stimm-Monitoring über Soundkarte beim sprechen unangenehm (für mich!)
da man sich quasi nicht beim sprechen hört!
Fazit: Empfehlenswertes Gamer-Headset zum angemessenen Preis!
Audiophile sind mit einem guten Stereokopfhörer allerdings besser bedient.
1 Stern Abzug wegen fehlendem Adapter zum Parallelanschluss Kopfhörer/Boxen,
dezentem "Rauschteppich" und nicht abschaltender Beleuchtung am Headset.
Ein echtes "Gamer-Brett" mit dem auch Filme Spass machen können!