Kurz nach dem zweiten Album mit der Kapelle der Versöhnung
veröffentlichte Rainald Grebe mit "Das Robinson Crusoe
Konzert" seine zweite Soloplatte. Wieder nur am Klavier im
beständigen Wechsel von Studio-Songs und Livemitschnitten
setzt er sich mit dem wohl berühmtesten Schiffbrüchigen
auseinander. Als selbstgerechter Robinson hadert er mit der
Welt und kann sich nicht entscheiden, ob es mit oder ohne
die anderen Menschen besser ist. Dabei definiert Grebe
'Insel' eher als kulturellen oder mentalen Zustand denn als
sandiges Eiland. In den Liedern gibt er den Bezug zu Robinson
Crusoe oft gänzlich auf, klatscht aber in gewohnt bissiger
und kritischer Weise alle Gesellschaftsprobleme ab, die einem
zurecht auf den Wecker fallen können. Dabei bedient er aber
keine Allgemeinplätze, sondern trifft den Grat zwischen
Distanz und bitterer Selbsterkenntnis. Was geschrieben sehr
theoretisch klingt, ist in Rainald Grebes Händen wunderbar
aufgehoben und wird ebenso humorig wie kraftvoll inszeniert.
Anspieltipps:
*Robinson
*Nichtwähler
*Lass die Kerne in den Oliven
Insgesamt ist das R. Crusoe Konzert etwas schwächer als das
Abschiedskonzert von 2004 (aber wie soll er das auch je
übertreffen!)
Aber immer noch Rainald Grebe pur. Und solo nur am Flügel
sitzend für mich noch besser als mit Verbindung seiner Kapelle.
Auch hier wäre eine DVD angebracht, denn die Mimik und Gestik
Grebes sind nochmal etwas ganz anderes.
(Live-Wühlmäuse/Berlin /CD)