Irgendwie verwundert es schon, dass sich die BBC ausgerechnet des Robin Hood Stoffes angenommen hat. Es gibt ja nun bereits zahlreiche Verfilmungen, alle mehr oder weniger erfolgreich, alle mehr oder weniger individuell unterschiedlich.
Dennoch lässt sich nicht verhehlen, dass die Geschichte einfach faszinierend ist und reichlich Raum für Aktualisierung und je eigene Schwerpunktsetzung bei der Umsetzung lässt.
Auch diese Adaption des bereits bekannten Stoffes bietet erfreulich Neues und Interessantes. Beginnend mit der Figur des Robin of Loxley, später natürlich Robin Hood, der von Jonas Armstrong mit einer solchen erfrischenden Frechheit gespielt wird, dass es einfach nur ein Genuß ist, ihm zuzuschauen. Voller jugendlichem Charme und ideologischem Enthusiasmus, lässt sein Robin Hood auch eine gewisse Kriegsmüdigkeit und damit Welterfahrung nicht vermissen. Seine Ablehnung des Sheriffs und sein Kämpfen für die 'gerechte Sache' entspringt nicht nur einer unerklärlichen Edelmütigkeit des Geistes, sondern der Erfahrung der Kreuzüge und des Krieges im heiligen Land. So erhält man einen runden aber auch kantigen Charakter, dem man gerne auf abenteuerliche Streifzüge folgt.
Sein ultimativer Gegenspieler findet dieser großartige Robin Hood in der Figur des ebenso außergewöhnlichen Sheriffs von Nottingham, in dieser Version von Keith Allen gespielt. Selten- oder vielleicht sogar nie war der Sheriff so unentschuldigt böse. Natürlich ist auch diese Version des bekannten Bösewichts nicht ohne Komik, aber sie ist auch so unbefleckt von jeder Moral, dass sie grenzwertig wahnsinnig wirkt. Dieser Sheriff ist angsteinflößend und man ist nicht verwundert über die erschrockenen und verängstigten Gesichter seiner zahlreichen Opfer.
Als weiteren Bösewicht hat man diesem großartigem Sheriff Richard Armitage als Guy of Gisborne an die Seite gestellt. Ungewöhnlich ist dabei, dass die Rolle des sonst eher nebensächlichen Charakters aus den Rängen des vernachlässigbaren Gehilfen holt und ihn zu einem eigenständigen Charakter mit eigenständiger Geschichte macht. Armitage spielt ihn voller Bösartigkeit, aber auch als Opfer seiner eigenen Eitelkeit. Möglicherweise ist Guy of Gisborne der interessanteste und unvorhersehbarste Charakter der gesamten Verfilmung; jedenfalls macht er neugierig und überrascht.
Alle weiteren Charaktere der Adaption aufzuzählen und zu rezensieren würde zu weit gehen, dennoch sind auch diese alle außergewöhnlich und neu interpretiert. Besonders bemerkenswert ist sicher, dass nicht mehr Little John Robins rechte Hand ist, sondern "Much" (Sam Throughton) ein ehemaliger Diener und treuer Wegbegleiter- selbst im heiligen Land. Auch Marian (Lucy Griffiths), die einzige Frau der Geschichte ist weit mehr als Robins loveinterest. Mutig und entschlossen verfolgt sie ihre eigenen Pläne und geht eigene Wege die Ungerechtigkeit zu bekämpfen.
Dennoch gibt es auch in dieser Verfilmung weniger Erfreuliches. Allen voran ist sicherlich die Garderobe augenfällig. So wirkt Marians viel zu heutig wirkende Bekleidung ebenso befremdlich, wie Guy of Gisbornes durchgängig schwarzes Lederoutfit oder Robin Hoods sportlicher Knuffellook. Schick ist es allemal, authentisch jedoch nicht. Auch strotzen die 'plots' der einzelnen Episoden nicht unbedingt immer vor wasserdichter Logik. Dennoch sind selbst die Anachronismen irgendwie gelungen- oder wenigstens verzeihlich und stören nur am Rande. Insgesamt ist diese Verfilmung spannend, spaßig und modern.
Ich bin jedenfalls sehr auf die zweite Staffel gespannt und gebe deshalb volle fünf Sterne