Zugegeben, wenn man sich Robin Hood nur als bulligen Hünen mit blondem, wehenden Haar á la Kevin Costner oder Jason Connery, oder mit Strumpfhosen á la Errol Flynn oder Cary Elwes vorstellen kann, dann ist die BBC Interpretation der englischen Legende sicherlich nicht ganz die richtige Ergänzung der heimischen Sammlung. Wer dagegen moderne Rittergeschichten wie "A Knights Tale - Ritter aus Leidenschaft" oder "Die Braut des Prinzen" mag, wird diesen Robin Hood lieben.
Look & Feel:
Ganz bewußt hat man alle Robin-Klischees erst mal über Bord geworfen, um eine Neubelebung der Legende zu schaffen, die zeitgemäß ist und die ganze Familie (vor allem die heutige Jugend) anspricht. Auf die abgegriffenen Geschichten wie dem Stockkampf zwischen Robin und Little John am Fluß und dem feisten Bruder Tuck hat man verzichtet, und das ist auch ganz gut so, denn davon hätte es wirklich keine 25. Version gebraucht. Statt dessen hat man die Serie mit frischen, noch unbekannten Schauspielern verjüngt (das Durchschnittsalter dürfte - vom Sheriff Keith Allan abgesehen - so bei Mitte 20 liegen), die "merry men" heißen jetzt "Outlaws" oder "Gang", die Geschichten wurden durch witzige Dialoge entstaubt, und die Garderobe ein wenig aufgepeppt. So trägt Allan-a-Dale beispielsweise eine Kargohose, Sir Guy of Gisbourne hat ein wenig was von einem Biker in seiner schwarzen Lederkombi, Marian wird schon mal in Flecktarn-Camouflage gesichtet, und Robin hat eine Hoddie, so wie es sich gehört. Trotzdem wirken die Kostüme im Gesamtbild der Serie nicht deplaziert. Selbst völlige epochale Entgleisungen wie Lucky George, der eher einem Trapper ähnelt, oder Harold, der eine U.S. Golfkriegsuniform trägt, sind nicht wirklich störend, sondern eher als Metapher zu verstehen.
Als Vorabendsendung ist die Serie auch für das ganz junge Publikum geeignet (setzt ohne deutsche Tonspur allerdings sehr gute Englischkenntnisse voraus ;-) ), da es weder Blut, übertrieben viel nackte Haut, noch Schimpfwörter gibt, und zeigt, daß eine Serie auch ohne abgetrennte Gliedmaße und tonnenweise Filmblut unterhaltsam sein kann. Trotzdem kommen weder Action, noch Romantik, noch die legendären Schwert- und Bogenschießkünste zu kurz.
Die Story:
England, 1192. Robin of Locksley, Earl of Huntingdon, kommt mit seinem treuen Diener und Freund Much nach fünf Jahren aus dem Heiligen Land zurück, wo er für King Richard im Kreuzzug in dessen privater Garde gedient hat. Kaum zurück in England muß er feststellen, daß unter Prince Johns Herrschaft ein anderer Wind weht. Seine eigenen Ländereien wurden in seiner Abwesenheit von Sir Guy of Gisbourne (des Sheriffs Exekutive) verwaltet (man merkt recht bald: die beiden werden keine Freunde mehr) und seine Jugendliebe und einstige Verlobte Marian will ihm nicht so recht verzeihen, daß der damals 20-jährige Robin in seinem jugendlichen Leichtsinn den Krieg, Ruhm und Ehre einer Ehe mit ihr vorgezogen hat. Als Robin sich mit dem skrupellosen, sadistischen Sheriff von Nottingham anlegt, wird er zum Gesetzlosen und enteignet. Robin und seinem Diener Much bleibt nur die Flucht in die Wälder. Von dort versucht er fortan mit Hilfe der sich ihm angeschlossenen Outlaws (u.a. Little John, Allan-a-Dale, Will Scarlet), dem Sheriff und Gisbourne das Handwerk zu legen, die dunklen Pläne der beiden zu durchkreuzen, und ganz nebenbei das Herz der eigensinnigen Marian zurück zu gewinnen.
Die Hauptdarsteller...
...sind durchweg ausgesprochen passend gecastet.
Jonas Armstrong (Robin) kommt in der ersten Staffel zwar noch etwas dünn und ausgezehrt daher, verleiht dem Volkshelden aber den jungenhaften Charme, die Lässigkeit und jugendliche Arroganz, die diese Rolle von ihm verlang. Trotzdem nimmt man ihm den Kriegshelden, der nach 5 Jahren kriegsmüde heim kehrt, zum Widerstandskämpfer wird und sich aufopfernd um das Wohl seiner Leute sorgt, durchaus ab.
Lucy Griffiths als Marian ist zur Abwechslung mal keine schlankgehungerte Magersuchtkandidatin, und gerade das macht sie so wundervoll. Durch sie wird Marian nicht bloß zu einer schmucken Augenweide. Diese Marian ist auch durchaus in der Lage, sich klug und gewitzt in einer von Männern bestimmten Welt zu wehren.
Keith Allan als kleiner, meist hinterhältiger und feiger Sheriff Vaysey, der die Drecksarbeit von Sir Guy (Richard Armitage) erledigen läßt, ist trotz seiner fiesen Skrupellosigkeit zum Schreien komisch (auf eine subtile Weise) und wiederkehrende Phrasen wie "A clue: NO!" oder "laa-di-daa-di-daa!" werden von ihm unvergleichlich zynisch interpretiert. Jeder Auftritt (gerne auch mal mit Fanfaren und großem Tam-Tam) ist ein Genuß!
Die Musik:
Der Soundtrack ist einfach fantastisch. Andy Price hat den Charme der Serie eingefangen. Action, Liebe, Trauer, Spannung, Verrat, menschliche Abgründe, heroische Taten, tiefe Emotionen und der Witz der Serie finden sich in jeder Note wieder und unterstützen die Bilder perfekt. Allein dafür 5 Sterne!
DVD & Bonusmaterial:
Auf der DVD befinden sich neben den 13 Serienfolgen inkl. englischer Untertitel noch die drei Featurettes "Dressing the Hood", "Designing the Hood" und "Making of", die Hood Academy, Kommentare mit Cast und Crew zu den Folgen "Sheriff got your tongue", "Parent Hood", "Tattoo, what Tattoo" und "A clue: No", sowie Charakterstudien zu (fast) allen Hauptfiguren.
Fazit:
Wer gute Unterhaltung (für die ganze Familie) sucht, sich auf eine neue, moderne Interpretation der Legende Robin Hood einläßt und nicht mit der Erwartung an die Sache heran geht, daß die immer wieder gleichen alten Geschichten historisch korrekt und mit absolutem Ernst erzählt werden müssen, der wird diese Serie lieben!