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Robert Schumann 13 Tage bis Endenich
 
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Robert Schumann 13 Tage bis Endenich [Ungekürzte Ausgabe] [Gebundene Ausgabe]

Peters Uwe Henrik U.H.
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 324 Seiten
  • Verlag: ANA Publishers; Auflage: 1., verb. Aufl.; (1. Oktober 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 393190606X
  • ISBN-13: 978-3931906061
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 15,4 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 541.708 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Uwe Henrik Peters
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Historische Dokumente nötigen dazu, die Schumannlegende zu korrigieren. Nach dem letzten Sex des berühmten Ehe- und Liebespaares Clara und Robert Schumann am 14. Februar 1854 vergingen nur 13 Tage. Dann verließ Clara zusammen mit ihren Kindern auf immer ihren Mann. Ein sorgfältiger Vergleich bekannter und bislang unbekannter Dokumente zeigt, dass Schumann nicht an einer Geisteskrankheit erkrankt war, wie man bisher glaubte. Vielmehr war er Alkoholiker und machte ein Säuferdelir (Delirium tremens) durch, das schon nach fünf Tagen beendet war. Ärztliche Kunstfehler deuteten das als unheilbare Geisteskrankheit. Als schon wieder Gesunder wurde Schumann auf immer in eine private Heilanstalt abtransportiert. In diesem Buch werden die Fakten dazu erstmalig Tag für Tag dargestellt und interpretiert. Selbst Schumanns berühmter selbstmörderischer Sprung in den Rhein am Rosenmontag 1854 ist offenbar doch nur ein Gerücht gewesen. Das romantische Ende einer romantischen Künstlerbeziehung war anders als die Legende es bisher glauben machte. Wie konnte es dazu kommen? Auch dafür liefert Uwe Henrik Peters in diesem Buch die Erklärungen.

Über den Autor

Prof. Dr. Dr. Uwe Henrik Peters ist Universitätsprofessor für Neurologie und Psychiatrie-Psychotherapie an der Universität zu Köln. Sein Longbestseller Lexikon Psychiatrie, Psychotherapie, Medizinische Psychologie (1. Aufl . 1971; 6. revidierte Aufl . 2007) ist ein allgemein anerkannter Klassiker der Psychiatrie und fehlt überall da, wo man die deutsche Sprache spricht in kaum einer psychiatrischen oder psychologischen Praxis oder von angrenzenden Berufen. Peters ist Autor von mehr als 400 Büchern und Einzelpublikationen. Highlights mit großem Publikumsinteresse waren u. a. Anna Freud. Ein Leben für das Kind ; Hölderlin Wider die These vom edlen Simulanten . Zum Hölderlin fand eine häufig wiederholte Fernsehdiskussion zwischen Pierre Bertaux und Uwe Henrik Peters statt. Mit seinen bekannten Veröffentlichungen Psychiatrie im Exil Die Emigration der dynamischen Psychiatrie aus Deutschland 1933-1939 (1992) und Arbeiten zum Überlebendensyndrom nach dem Holocaust, der Psychiatrie der Verfolgten und der Nazipsychiatrie nimmt Peters eine führende Position in der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit ein. 28 Jahre lang war er Herausgeber der führenden Fachzeitschrift Fortschritte der Neurologie-Psychiatrie und ist weiterhin deren Editor emeritus.

1956 legte Uwe H. Peters sein Medizinisches Staatsexamen ab und promovierte 1957 zum Dr. med. Von 1959-1969 war Peters Assistent und Oberarzt der Psychiatrischen und Nervenklinik der Christian-Albrechts-Universität Kiel; 1965 habilitierte er sich für die Fächer Neurologie und Psychiatrie und wurde bereits 1969 als jüngster Professor seines Faches auf den Lehrstuhl für Neuropsychiatrie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz berufen und zum Direktor der gleichnamigen Universitätsklinik ernannt. 1979 nahm er den Ruf auf den Lehrstuhl für Neurologie und Psychiatrie-Psychotherapie an der Universität zu Köln an. Von 1979-1996 war Prof. Peters Direktor der Klinik für Neurologie und Psychiatrie-Psychotherapie an der Universität zu Köln. 1991-1994 diente er als Präsident und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde. 1992 richtete Peters den internationalen Jubiläumskongreß zum 150jährigen Bestehen der Gesellschaft aus. Die Ergebnisse wurden unter dem Titel 150 Jahre Psychiatrie in 2 Bänden veröffentlicht (1996). 2004 wurde Prof. Peters die Ehrendoktorwürde verliehen. Er ist Ehrenmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften in allen Teilen der Welt, u. a. auch persönliches Ehrenmitglied des Weltverbandes für Psychiatrie. Heute führt Prof. Uwe H. Peters eine Privatpraxis für Psychotherapie und Psychiatrie in Köln.

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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Inhaltlich ist das Buch spannend.
Eigentlich ist es - zusammen mit Uwe Peters' andere Veröffentlichung "Gefangen im Irrenhaus" - der, wagen wir das Wort, beste biographische Beitrag zum Schumann-Jahr.
Die weitere Resenzion gilt für beide Bücher.
In diesem Buch, sozusagen Teil 1, werden die letzten Tage vor Endenich dargestellt, und auch "wie es dazu gekommen ist", welcher Zusammenhang von Charaktereigenschaften und welche Folge von Elementen, besonders während der Düsseldorfer Jahre zu der Zuspitzung geführt haben.
Im Teil 2 wird Schumanns Leben in Endenich dargestellt und analysiert.

Der Autor geht durch alle erhaltene Dokumente, analysiert sie akribisch, und belegt glaubwürdig seine erstaunliche These: Schumann war keineswegs geisteskrank, sondern ein introvertierter sensibler Mensch mit Alkoholproblem, der nach einem Delirium Tremens von seiner Frau in eine Irrenanstalt eingesperrt wurde.
Der Mythos Clara wackelt; Fakten, die wir bislang als die reine Wahrheit verstanden haben, werden auf einmal ungewiß (der Selbstmordversuch im Rhein ist von keinem direkten Zeugen belegt ...).
Der Autor arbeitet wissenschaftlich anhand der erhaltenen Dokumente, trennt sorgfältig Zeugenaussage vom Hörensagen und erarbeitet mit fundiertem Wissen und strenger Logik eine Rekonstruktion des Falles. Ein Bild der Psychiatrie im Deutschland des 19ten Jahrhunderts entsteht und der Leser verfolgt mit nie nachlassendem Interesse teilweise Tag für Tag das Leben des Robert Schumann.
Herr Dr Peters muß auch über ein großes pädagogisches Talent verfügen. Es wird einerseits an die Intelligenz des Lesers appelliert, andererseits wird dieser nicht mit Fachjargon erstickt, so daß auch der Nicht-Fachmann immer das Gefühl hat, im Bilde zu sein, ohne für einen Dummen gehalten zu werden.
Für den Krimi-Leser, der ich bin, ist es erstaunlich zu sehen, wie eine Geschichte, deren Ausgang wir kennen, wieder Stück für Stück aufgebaut wird, wobei jedes einzelne Teilchen seinen bestimmten Platz findet.
Die Personen erscheinen in ihrer Komplexität und die Neugier des Lesers wird verstärkt : hätte Clara weiterhin mit einem Alkoholiker leben können, war Brahms ein Instrument oder eine entscheidende Person, was ist uns als Informationen vorenthalten worden ... ???

Nach soviel Lob muß ich aber den fehlenden fünften Stern erklären. Er ist vom Verleger verantwortet. Scheinbar wurde nicht Korrektur gelesen. Der Name von Friedrich Wieck wird beim ersten Erscheinen verballhornt, einige Fremdwörter sind falsch geschrieben, Fehlkonstruktionen (z.B. "weniger wie") wurden nicht verbessert, das Wort "sponsorieren" hätte durch das geläufigere "sponsern" ersetzt werden können, der Gebrauch des ß folgt teils der alten teils der neuen Rechtschreibung usw. Einige Wiederholungen gehören gestrichen, wobei der Zusammenhang von Absätzen hier und da hätte klarer gemacht werden sollen. Alles eigentlich hätte ein Korrekteur oder ein Redakteur gemacht ; es sind Details über welche der Autor selber hinwegschaut.

Dies alles stört das Lesevergnügen nicht, aber diese Arbeiten hätten eine bessere Verlagsleistung verdient.
Diese zwei Bücher sind auch ziemlich groß gedruckt. Gar nicht unangenehm aber man sollte daran denken, wenn man den Umfang nach der Seitenanzahl schätzen will.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Das Buch will aufräumen mit den »Legenden« um Schumanns angeblicher Geisteskrankheit. Schumann war nicht geisteskrank, sondern Alkoholiker; die angebliche syphilitisch bedingte Progressive Paralyse ist nicht erwiesen; sein selbstmörderischer Sprung in den Rhein nur ein Gerücht; Clara nicht die liebende Gattin, sondern im Grunde nur an der eigenen Karriere interessiert; das Umfeld durchs Band inkompetent (Ärzte) oder konspirativ (Clara, Brahms und Joachim). Ein Rundumschlag also. Worauf stützen sich die neuen Thesen? Vor allem auf die Autorität des Autors, dessen vermeintliche Kompetenz schon auf dem Buchdeckel plakativ hervorgehoben wird: »Prof. Dr. Dr. U.H. Peters«. Das Nennen von akademischen Titeln ist bei wissenschaftlichen Publikationen eher unüblich, aber von Wissenschaftlichkeit, von redlichem Bemühen, Licht in eine Sache zu bringen, kann hier auch kaum die Rede sein. Das Buch will vor allem eines: Furore machen um jeden Preis. Am Rande fallen auch ein paar erhellende Erkenntnisse ab, etwa was Schumanns unglückliche Rolle als Musikdirektor in Düsseldorf anbelangt, aber diese werden ertränkt durch die reisserischen und manipulativen Stützungsversuche der vorgebrachten Thesen.

Was bringt das Buch an neuen Fakten? Eigentlich nichts, was seit der Publikation von »Robert Schumann in Endenich (1854-1856)« nicht schon bekannt wäre. Die dort versammelten Dokumente werden aber vom Autor neu interpretiert. Bei der geistigen Verwirrtheit durch innere Stimmen und Musikhalluzinationen handelte es sich laut Peters um ein Delirium tremens. Dieses sei nach fünf Tagen abgeklungen und es gab dann eigentlich keinen Grund mehr für die Einlieferung in eine Nervenklinik. Dass die Initiative dazu von Schumann selbst kam, kann auch Peters nicht von der Hand weisen, aber er interpretiert es so, dass sich Schumann von Clara und seiner Familie verlassen fühlte und ein paar Tage Ruhe brauchte. Die Gehörsaffektionen setzt Peters mit einem stressbedingten Tinnitus gleich. Die These des Alkoholikers wird gestützt durch einen Brief Claras von 1837 (!), wo sie Robert ersucht seine »Leidenschaft zu bezähmen« (gemeint ist vermutlich das Biertrinken) und einen Hinweis von Schumann selbst, der den Endenicher Ärzten erzählt hat, dass er in Düsseldorf jeden Abend ins Wirtshaus gegangen sei und dort ein Glas Bier getrunken habe (Krankenakten-Eintrag vom 3. Oktober 1854). Die These des Delirium tremens leitet Peters von Schumanns Symptomen (Angstzustände, innere Stimmen etc.) ab, die genau diesem Befund entsprächen (und andere Deutungen offenbar ausschliessen). Was den Sprung in den Rhein anbelangt, so zweifelt Peters die zeitnahen Berichte an. Es seien nur Gerüchte, es gäbe keine Beweise für den Selbstmordversuch. Den Umstand, dass der Brückenmeister Joseph Jüngermann für seine Rettungstat eine Belobigungsmedaille erhalten hat und dass diese in »Robert Schumann in Endenich« auf Seite 493 sogar abgebildet ist, verschweigt Peters.

Peters' Thesen stehen also allesamt auf sehr vagem Terrain. Die alten »Legenden« werden nicht durch neue Fakten ersetzt, sondern durch neue Legenden. Ein Zitat aus dem Buch scheint ganz gut für die eigene Publikation zu passen (Seite 33): »Zeitzeugen am Rande wollen vor allem eine Teilhabe am Ruhm. Da helfen sie den Fakten gern etwas auf, und nach einer Weile glauben sie selbst daran.«

Jürg Löffler
War diese Rezension für Sie hilfreich?
10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Dr. Michael Struck, Bordesholm, Schumann-Preisträger Zwickau 2008
Aus meiner Rundfunkrezension (NDR Kultur, 12. 6. 2010)

Uwe Henrik Peters, emeritierter Professor für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, der in Mainz und Köln entsprechende Lehrstühle innehatte und Anfang der 1990er Jahre Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde war, hat 2009 und 2010 zwei Bücher vorgelegt. Der Titel des ersten, 321 Seiten umfassenden Buches lautet: Robert Schumann - 13 Tage bis Endenich", das zweite, mit 621 Seiten fast doppelt so dick, heißt: Gefangen im Irrenhaus - Robert Schumann". Beide Bände erschienen im Kölner Verlag ANA Publishers.

Schon die reißerischen Titel und die Umschlaggestaltung, aber auch die sprachliche Darstellung lassen erkennen, dass beide Bücher nicht eine neue fachwissenschaftliche Diskussion im Grenzbereich von Medizin und Musikwissenschaft zum Ziel haben, sondern sich primär an einen breiteren Kreis von Musikfreunden wenden. Fundierte musikhistorische Dokumentation und interdisziplinärer wissenschaftlicher Dialog sind also nicht das Hauptanliegen dieser Doppelpublikation. Genau darin liegt ihre Problematik.

Peters' Vorstellungen von Schumanns zweieinhalb letzten Lebensjahren weichen stark von dem Bild ab, das in Bernhard Appels Endenich-Dokumentation (Robert Schumann in Endenich, Mainz etc. 2006: sehr lesenswert und auch von Peters selektiv benutzt) präzisiert, teilweise auch korrigiert und immer wieder äußerst selbstkritisch reflektiert wird: Nach Peters' Ansicht war alles ganz anders, als wir vermuten: Demnach war Schumann nicht geisteskrank, sondern litt im Februar 1854 lediglich an den Folgen eines Alkoholdelirs", das nach wenigen Tagen auf natürliche Weise abgeklungen und in das vorherige Normalbefinden übergegangen wäre, hätte nicht seine Frau Clara im Verbund mit den behandelnden Ärzten ihren Mann fälschlich für krank gehalten oder sogar absichtlich für krankhaft erklärt und in eine Anstalt für Geisteskranke abgeschoben. Ganz neu ist die Abschiebetheorie nicht, wie wir vorhin schon sahen. Neu ist aber die Diagnose Alkoholdelir". So sensationell diese Sicht im ersten Moment anmutet, so lückenhaft und anfechtbar bleibt Peters' Argumentation.

Da stellt Peters beispielsweise in Frage, ob Schumanns Selbstmordversuch überhaupt stattgefunden habe. Stattdessen suggeriert er seinen Lesern, dieser Selbstmordversuch sei von Clara Schumann und anderen Mitgliedern des Schumann-Kreises so oft behauptet und verbreitet worden, bis man ihn für eine historische Tatsache gehalten habe. Nun, Peters selbst wiederholt seine Vermutungen ebenfalls so oft und immer einschränkungsloser, bis sie quasi zum historischen Faktum mutieren. Der einzige, der die damalige Situation anderthalb Jahrhunderte später kompetent einschätzen kann, ist er: Uwe Henrik Peters. Dass Schumann laut den Aufzeichnungen der Endenicher Ärzte schriftlich äußerte, er habe sich 1831 mit Syphilis infiziert, ist dann völlig unerheblich. Peters weiß es besser: Schumann musste damals lediglich ein simples Herpesbläschen behandeln lassen. Ende der Diskussion! Mit anderen Diagnosen von Schumanns Krankheit gibt sich Peters ohnehin nicht ernsthaft ab, was man von einer wissenschaftlich seriösen Arbeit doch hätte erwarten können und müssen.

Clara Schumann ist für Peters der Inbegriff der karrieregeilen, herzlosen Künstlerin, die schon bald eine Liebschaft mit dem jungen Brahms begann. Sie hatte, so Peters, alle Fäden in der Hand, um erstens ihre Freundinnen und Künstlerkollegen, zweitens die Düsseldorfer Öffentlichkeit, drittens die deutsche, europäische und internationale Musikwelt und viertens sämtliche Schumann-Biographen und Schumann-Forscher der letzten 150 Jahre erfolgreich zu täuschen. Dass Schumann selbst auf der Einweisung in eine Irrenanstalt bestand, weil er Angst hatte, seiner Frau etwas anzutun - auch das ist laut Peters nur eine von Clara Schumann gestrickte Legende. Immer wieder lautet seine Argumentation, all das, was wir zu wissen glaubten, sei nicht gesichert, da sich keine direkten Augen- und Ohrenzeugen nachweisen ließen. Peters war zwar auch kein Augen- und Ohrenzeuge. Doch immerhin ist er ein virtueller Seelenzeuge.

Viele der in Appels Endenich-Dokumentation von 2006 präsentierten, nach den Maßstäben seriöser historischer Forschung verlässlichen Fakten werden von Peters souverän ausgeblendet, fehlinterpretiert oder verzerrt.

Damit dieser Buchwarnung nicht üble Nachrede vorgeworfen werden kann, seien noch ein paar typische argumentative Verfahrensweisen und Widersprüche genannt. So wird Peters' Vermutung eines Alkoholdelirs, die allzu schnell von einer These zur Diagnose und von dieser zur Tatsache mutiert, nirgends seriös belegt. Wie sollte sie auch? Denn es gibt für jene Zeit keinerlei Hinweis auf einen signifikant erhöhten Alkoholkonsum Schumanns - weder durch exzessive Ausgaben, die sich in seinen peniblen Haushaltbuch-Vermerken ja finden müssten, noch in Berichten von Zeitgenossen.

Es gibt viele andere Widersprüche: So behauptet Peters in seinem Buch über Schumanns Endenicher Jahre zunächst, Schumann sei dort der Alkohol entzogen worden, um wenige Seiten später zu beklagen, dass man Schumann in seinem Wein Medizin verabreicht habe. Haarsträubend ist seine Interpretation der erhaltenen ärztlichen Notizen, die im Zusammenhang mit Schumanns Einlieferung in die Anstalt stehen, also eine Art Anamnese darstellen. Hier verwechselt Peters die Bemerkungen über Schumanns gesundheitsbedingten Umzug von Leipzig nach Dresden Ende 1844 mit den Ereignissen und ärztlichen Überlegungen bei Ausbruch von Schumanns Krankheit im Februar 1854. Das darf man wohl als anamnetische Schlamperei bezeichnen.

Immer wieder behauptet Peters, die Ärzte hätten Schumanns Frau niemals verboten oder dringend abgeraten, ihren Mann zu besuchen - während Clara Schumann genau dies behauptet habe. Dabei ist in der unter Mitarbeit von Peters entstandenen Dokumentation über Schumanns Endenicher Jahre ein Brief Clara Schumanns an den Endenicher Assistenzarzt abgedruckt, in dem sie geradezu flehentlich bittet:
Sprecherin (Clara Schumann, gefühlvoll):
Recht inständig bitte ich Sie sobald es zulässig, daß ich Ihm einmal schreibe, es mich wissen zu lassen, und sobald ein Besuch ohne Nachtheil für Ihn stattfinden kann."

Das Manuskript dieses Briefes liegt übrigens im Bonner Stadtarchiv. Peters hätte es also auf seine Echtheit hin überprüfen können. Stattdessen verschweigt er dieses Schreiben ebenso wie weitere einschlägige Dokumente, um seine Verschwörungstheorie ausbauen zu können. Auch die Berichte über Schumanns Gehörshalluzinationen hält Peters weithin für Fehleinschätzungen der Ärzte und Clara Schumanns. Wenn es in den Tagesaufzeichnungen der Ärzte heißt, Schumann sei bei der Visite heiter" gewesen und habe geäußert, es rufe ihm jemand zu, er solle nach Rom reisen", dann heißt es bei Peters schlicht: Den Zuruf lassen wir mal beiseite."

Peters' Einfühlungsversuche in die Psyche des kranken Schumann sind das einzige Sym¬pathische an beiden Büchern. Doch sein Umgang mit historischen Dokumenten, die ja auch für ihn die einzige Möglichkeit sind, dem Patienten Schumann seelisch und körperlich nahe zu kommen, zeigt eine erschreckende Unlogik und Willkür der Argumentation. Da bemängelt er einerseits, dass es für Schumanns tragischen Rheinsprung keine direkten Augenzeugen gegeben habe. Einen zitierten Zeitungsbericht über Schumanns Rettung tut Peters andererseits kurzerhand mit der Bemerkung ab Journalisten! Den Rest können wir uns ersparen." Und dass der Düsseldorfer Brückenmeister Joseph Jüngermann eine Belobigungsmedaille für die Rettung Schumanns aus dem Rhein erhielt, die heute im Zwickauer Robert-Schumann-Haus aufbewahrt wird, lässt er sicherheitshalber unerwähnt. Dabei ist die Medaille in Appels Endenich-Dokumentation abgebildet. Gern arbeitet Peters mit den rhetorischen Mitteln der Vermutung, Unterstellung und suggestiven Frage, die durch Wiederholung scheinbar zu Tatsachen werden.

Ungewollt liefert Autor Uwe Henrik Peters endlich aber auch den Schlüssel zur Beurteilung seiner Doppelpublikation. Gegen Ende des zweiten Buches fasst er nämlich zusammen, was er von Clara Schumann hält: Sie habe ihren nicht geistes-, sondern alkoholkranken und durch das Scheitern als Düsseldorfer Musikdirektor gekränkten Ehemann in eine Irrenanstalt abgeschoben und ihn in Komplizenschaft mit dem Endenicher Chefarzt Franz Richarz für unheilbar geisteskrank erklärt. Dadurch habe sie endlich wieder ungestört konzertieren und ihrer Liebe zu dem jungen Johannes Brahms frönen können. Andererseits habe sie die Pflege von Schumanns Musik zu ihrer Aufgabe gemacht und so den Ruhm der aufopferungswilligen Ehefrau, ehrwürdigen Witwe und Nachlassverwalterin geerntet.
Peters bezeichnet das, was er Clara Schumann zuschreibt, als Denkfiguren des Imagemaking" und als propagandistisches Erzeugen einer Pseudo-Realität". Das aber ist, so meine ich, genau die richtige Charakterisierung für seine beiden Bücher. Die demon¬strieren von der ersten bis zur letzten Seite das propagandistische Erzeugen einer Pseudo-Realität".
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