Kurzbeschreibung
Der Sozialdemokrat Robert Grimm (1881–1958) kann als interessantester und wahrscheinlich auch als bedeutendster schweizerischer Politiker des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden. Er bekleidete im Laufe seiner Karriere in Gemeinde, Kanton und Bund fast alle Ämter, in die man gewählt werden konnte. Als junger Arbeitersekretär veröffentlichte er 1906 eine grundlegende Broschüre zum politischen Massenstreik und stand 1918 bei der praktischen Umsetzung im Landesstreik an der Spitze der Streikleitung. Als Funktionär der Internationale verkehrte er vor allem zur Zeit des Ersten Weltkriegs, aber auch in den folgenden beiden Jahrzehnten mit den Grossen des europäischen Sozialismus. Schliesslich hinterliess er ein für einen schweizerischen Politiker ausserordentlich breites, von historischen Studien bis zu aktuellen Polemiken reichendes publizistisches Werk, dessen Lektüre sich in weiten Bereichen noch heute lohnt. All die genannten sowie weitere Aspekte wie etwa seine kritische Haltung zur Westintegration nach dem Zweiten Weltkrieg, sein Wirken als Experte und Historiker, sein eigenmächtiger Regierungsstil, seine Bekämpfung durch die extreme Rechte, sein Verhältnis zur deutschen Arbeiterbewegung, seine Rolle in der Kriegswirtschaft und seine Familienverhältnisse wurden anlässlich von Grimms fünfzigstem Todestag an einer gut besetzten wissenschaftlichen Tagung diskutiert. Die Referentinnen und Referenten haben ihre Beiträge für den vorliegenden Sammelband überarbeitet und erweitert. Dazu kommen eine kurze Biographie, welche einige in den andern Beiträgen nicht angesprochene Stationen seines Lebens skizziert, sowie die bisher umfassendste Bibliographie seines publizistischen Werkes.