Tobias Tobbie" Findeisen macht das Beste aus seiner Situation: Statt draußen im herrlichstem Sommerwetter herumzutollen, muss er wegen eines Schnupfens das Bett hüten. Doch statt Trübsal zu blasen, geht er seiner Lieblingsbeschäftigung nach: Dem Erfinden. Gerade tüftelt er an einem besonders ausgefeilten Projekt herum - dem Bau eines Fliewatüüt. Dieses kann fliegen wie ein Flugzeug, schwimmen wie ein Boot und fahren wie ein Auto. Nach einem langen Tag anstrengenden Konstruierens fallen Tobbie die Augen zu. Doch kurz vor dem Einschlafen zuckt ihm noch ein Gedanke durch den Kopf: Wer würde ihm das Fliegen beibringen?"
Punkt Mitternacht wird diese Frage wie von selbst beantwortet. Es klopft an sein Fenster. Schlaftrunken öffnet er und glaubt noch zu träumen, denn da steht - ein kleiner Roboter, der sich als Robbi vorstellt. Er bittet Tobbi um seine Hilfe bei seiner Abschlussprüfung, die aus zwei Teilen besteht. Im ersten Teil muss Robbi eine gute Erfindung nachzubauen; im zweiten Teil drei Fragen beantworten, die es in sich haben. Den ersten Teil hat er bereits erfüllt, indem er Robbies Fliewatüüt gebaut hat. Der Zweite ist so knifflig, dass Robbi sich zur Lösung sogar einen menschlichen Helfer suchen darf: Robbi bittet den kleinen Konstrukteur Tobbi um Hilfe und dieser willigt gerne, und ein bisschen stolz, ein.
Stefan Kaminski tobt sich an Tobbi und Robbi richtig aus
Findet den gelb-schwarz geringelten Leuchtturm und wie viele Treppenstufen hat er; Wer steht am Nordpol und fängt mit Z an und schreibe seinen Namen auf; Suche die dreieckige Burg mit den dreieckigen Türmen und ergründe ihr Geheimnis". Die Beantwortung dieser Fragen führt die beiden Freunde u. a. zum Nordpol und nach Schottland. Unterwegs begegnen sie einer Vielzahl von Figuren, die Stefan Kaminski zum Leben erweckt. Man merkt deutlich, dass er diese Aufgabe mit Wonne übernommen hat. Mit fast akrobatisch anmutenden Stimmkapriolen verleiht er Jedem eine individuelle Note. Dem Rechnung tragend, dass es sich (auch) um ein Kinderhörbuch handelt, unterlegt er diese gleichzeitig mit Tonlagen, die dem Hörer gleich zwei Zuordnungen erlauben - man kann zwischen Guter" und Böser" Gesinnung unterscheiden und charakterliche Eigenschaften werden hörbar. So klingt die Maus nett, aber auch etwas ängstlich, zurückhaltend und immer zur Flucht bereit während ein mächtiger Zauberer nicht nur bedrohlich, sondern auch verschlagen, hinterlistig und verlogen klingt. Da Robbi konstant auftritt, variiert er dessen Vokalisierung, in dem er dessen Stimme beispielsweise den wechselnden Klimazonen anpasst.
Doch auch beim Erzählen der witzigen Rahmenhandlung beweist Stefan Kaminski seine Ausnahmestellung als extrem anpassungsfähiger Sprecher. Er konzentriert sich nicht nur auf die Verbalisierung der Figuren, sondern auch darauf, die zahllosen witzigen Einfälle von Boy Lornsen adäquat zu Gehör zu bringen. Beispielsweise wenn er davon berichtet, wie Eskimonamen zustande kommen. Oder die Parodie darauf, wie im schottischen Polizeiwesen der Druck" von oben nach unten weitergegeben wird, weil ein Fall immer noch nicht geklärt ist.
Auch Nostalgiker kommen auf ihre Kosten: Ach ja, was waren das doch für herrliche Zeiten, als es noch keine Handys gab und Daten mit Lochstreifen übertragen wurden. Schön, das Stefan Kaminsky diese altertümlich anmutenden Passagen nicht ins Lächerliche zieht.
Es reicht nicht, vor dem Mikrofon den Clown zu spielen. Gefragt sind Sprecher, die neben Witz und Clownerie den Text beherrschen, sublimste literarische Strömungen erkennen und diese subtil in den Vortrag einfließen lassen. Stefan Kaminski gehört mit Sicherheit zu der Minderheit der Sprecher, die diese Kunst fast bis zur Perfektion beherrschen.
(C) Wolfgang Haan Hoeren-undlesen.de