An sich eine schöne Sache, diese "Nostalgie-Radios". Aber leider gilt fast immer: zu wenig Nachfrage und daher relativ geringe Produktionsstückzahlen. Würde man sie wirklich gut machen - also echte moderne Hitech im Opa-Look -, käme so ein Teil schnell auf etliche hundert Teuro! Die aber würde niemand bezahlen wollen (außer mir und vielleicht noch ein paar weiteren Radio-Romantikern), der Markt würde noch enger, die Produktions-, Vertriebs- und Marketingkosten kämen bei weitem nicht wieder rein.
Es geht also eigentlich garnicht, und man kann geteilter Meinung darüber sein, ob es richtig ist, solche Radios dennoch unter radikaler Kosteneinsparung, u.a. auch durch Produktion in Armutsländern zu einem am Markt realisierbaren Preis zu vertreiben. Viel an Qualität kann dabei nunmal nicht herauskommen. Meistens steckt im schönen Gehäuse, das vermutlich auch unter armseligen Bedingungen in irgendwelchen Wellblechhütten der "Dritten Welt" von armen Schluckern oder Kindern für ein paar Cent am Tag hergestellt wird, eine Elektrotechnik der kümmerlichsten Sorte.
So leider auch bei diesem Gerät. Äußerlich recht gut verarbeitet, empfangstechnisch aber miserabel. Etwa das Niveau billiger Eduscho-Taschenradios für fünf Euro, falls es sowas heute noch gibt. Mehr ist ja auch bei dem Endverkaufspreis - einschließlich der sicherlich auch nicht geringen Gewinnkalkulation -, garnicht zu machen, besonders wenn auch noch ein (ebenfalls billiges) CD-Laufwerk dabei ist. Ich vermute, daß die Kosten für internationalen Transport, Vertriebs- und Auftragsmanagement usw. höher sind, als die für das Produkt selber.
Jedenfalls wird selbst ein starker Ortssender an der kurzen Klingeldrahtantenne nur mit schwankender Stärke empfangen, geht z.B. jemand im Zimmer umher, kommt u.U. nur noch Rauschen usw. Die schwächliche Skalenbeleuchtung verdient kaum den Namen, - und nach wenigen Wochen war alles aus. Buchstäblich, mitten im Betrieb, kein Licht, kein Ton mehr: Netzteil im Eimer! Wahrscheinlich auch nur ein zwei Euro-Teil, in Korea eingekauft und in Pakistan oder Afrika zusammengebastelt.
Übrigens gibt es die "Roadstar"-Radios, nicht nur die Nostalgie-Reihe, alle auch unter anderen Handelsnamen, z.B. "Soundmaster".
Dahinter stecken globale Händler, - womöglich sogar ein und derselbe. Und nicht etwa eine Firma "Roadstar" welche die Radios selber herstellen würde!
Solche Händler kaufen lediglich Produkte in aller Welt auf und kleben einen Phantasienamen drauf. Oder es werden nur Bauteile eingekauft und das Endprodukt irgendwo, wo es billig ist, in Auftrag gegeben. "Globalisierung" eben. Der Eintrag im Handelsregister, möglicherweise auf den Malediven o.ä. Steuerparadiesen kann ganz anders lauten. Manchmal läßt man auch nach ebenfalls eingekauften Schalt- und Konstruktionsplänen, selten nach eigenen Entwürfen irgendwo billig produzieren.
Wobei das in Einzelfällen - etwa neuerdings bei Produkten aus China -, auch mal richtig gute Qualität bedeuten kann! Zum Beispiel beim ausgezeichneten Weltempfänger "Roadstar" TRA-2350 P (siehe meine Rezension dort). Aber die Regel ist das leider nicht, schade.