Ich habe schon eine ganze Reihe von Deavers Büchern gelesen (hauptsächlich aus der Lincoln-Rhyme-Serie) und fand alle unterhaltsam, viele davon wirklich gut. Auch der erste Roman mit Kathryn Dance als Hauptfigur war gut, aber Roadside Crosses ist stellenweise langweilig und viele Details sind nicht überzeugend motiviert. Deaver stand beim Schreiben vor einem grundsätzlichen Problem: Einige seiner Leser werden mehr über Social Networking, Web Publishing oder Online-Games wissen als er, andere wiederum so wenig, dass man ihnen die wichtigsten Details erklären muss, damit sie die Handlung verstehen. Er bemüht sich, die Balance zu halten, aber was dabei herauskommt, ist manchmal OK, manchmal banal und manchmal öde. Die Website, die er als Zugabe zum Buch hat aufsetzen lassen (das Blog "The Chilton Report") ist extrem schlecht gemacht - sie wirkt wie das Resultat erster Gehversuche mit Frontpage & Co. Die Handlung weist einige überraschende Twists auf, und die Auflösung (whodunnit) ist zwar unerwartet, wirkt aber beliebig und - ich wiederhole mich - nicht überzeugend motiviert. Ich werde sicher mal wieder ein Buch von Deaver lesen, aber dieses hier wird mir in schlechter Erinnerung bleiben.