Das Kino entdeckt Comics als Ideenlieferant. Nicht immer wird dabei auf krachige oder düstere Helden wie "Spider-Man", "Batman" und "Superman" zurückgegriffen, es gibt auch feinere Vorlagen, die entdeckt werden wollen. "Men in Black" basiert beispielsweise auf einer Mini-Comic-Serie, die nach sechs Ausgaben schon wieder vorbei war. "Road to Perdition" ist ebenfalls zunächst als ein Comic, beziehungsweise als Graphic Novel entstanden, als eine Bildergeschichte mit begleitendem Text. Zeichner Richard Piers Rayner ist seit 1988 professioneller Comic-Gestalter, arbeitet für die amerikanischen Häuser DC und Marvel Comics. Vor allem mag er Details, die er oft lange austüftelt - wie bei "Road to Perdition": Vier Jahre brauchte Rayner für die Fertigstellung der düsteren Geschichte, verwob authentische Gestalten mit erfundenen Figuren.
Michael O'Sullivan ist ein minimalistischer Familienvater. Im Amerika der Depression 1930 geht es seiner Familie ganz gut. Sein Job bringt genügend Geld für ein ansehnliches Haus und ein Auto ein - Michael ist Killer für Gangsterboss John Rooney, der ihm ein väterlicher Freund ist. Durch seine Arbeit hat er sich vom Familienleben entfremdet, ist seinen Söhnen eine Gestalt, die zum Essen erscheint. Als Michael Jr. seinen Vater eines Tages wieder zum Essen ruft, sieht er, wie der eine Pistole weglegt. Der Junge wird neugierig, folgt seinem Vater bei einem nächtlichen Ausflug - und wird Zeuge eines Mordes. Sein Vater sowie der Sohn von Gangsterboss Rooney, der eiskalte Connor, scheinen sich auf das Wort des Filius zu verlassen, nichts zu verraten. Doch Connor hat eigene Pläne, tötet Michaels Frau und seinen zweiten Sohn. O'Sullivan flieht mit seinem Junior und schwört Rache. Ein Killer wird auf ihre Fährte angesetzt. Ein perfides Katz- und Maus-Spiel beginnt.
Trotz der vordergründigen Action handelt die Geschichte "Road to Perdition" von der Annäherung eines Vaters zu seinem Sohn. Auf ihrer Odyssee in Richtung Perdition, wo eine Tante lebt, kommen sie sich zwangsweise näher, müssen einander vertrauen lernen. Der Zeichner lässt sich Zeit bei seiner Erzählung, was der Story gut bekommt. Dem kraftvollen Strich aus Richard Piers Rayners grafischer Novelle entspricht Filmregisseur Sam Mendes in seinen ruhigen Kameraaufnahmen im Film. Gekonnt wird hier die Vermählung von Film und neunter Kunst betrieben. Tom Hanks, Paul Newman und Jude Law spielen die Hauptrollen in dem gelungenen Thriller, wobei Hanks angenehm gegen sein "Good Guy-Image" anspielt. Die Grafiknovelle "Road to Perdition" ist dem gleichnamigen Roman zum Film in jedem Falle vorzuziehen, da hier das Herz der Geschichte niedergepinselt ist, die Seele des Ganzen. Für die Texte der Novelle als auch des Buches zum Film zeichnet sich Max Allan Collins verantwortlich, der ein vielschreibendes Talent ist.
Bestechende Bilder, atmosphärisch dicht und spannend!