Vishnu hat keine Lust, wie sein Vater altmodisches Haaröl zu verkaufen. Der rostige Truck seines Onkels kommt ihm da gerade recht als Vehikel zum schnellen Reißaus. Der 1943er Chevy muss für seine letzte Vorstellung zu einem weit entfernten Museum gebracht werden. Mit zwei eingebauten Projektoren und Breitbildleinwand ist er das ultimative Bollywood-Kino auf vier Rädern. Doch wer mit einem derartigen Gefährt unterwegs ist, sollte sich besser mit alten Motoren auskennen. Davon versteht Vishnu allerdings noch weniger als vom Haarölverkauf. Aber jedes Mal, wenn der alte Chevy mit dampfendem Motor am Straßenrand geparkt werden muss, verhelfen ihm die diversen Reisebekanntschaften, die er bei seinem Abenteuer kennenlernt, den alten Wagen wieder flott zu machen. Aber wird er sein Ziel erreichen?
"Road, Movie" verwebt Film- und Fantasiewelt mit der harschen Lebensrealität des ländlichen Indien zu einer Projektionsfläche für Fernweh und Traumreiselust. Daraus ersteht eine im übertragenen und wörtlichen Sinne bewegende Odyssee, die Aufgeschlossenheit gegen Engstirnigkeit stellt, Innovationsgeist gegen Reaktionismus und Fantasie gegen Fatalismus. "Road, Movie" ist ein magisches Werk voller Metamorphosen; manche kurios und manche geradezu fantastisch, alle aber berührend real. Ein klappriger Van wird zum Kino, die Einöde zum Vorführraum, eine Zweckgemeinschaft wird eine Familie und die Landstraße ihr Zuhause. Bedeutender als die äußerlich sichtbaren Wandlungen der Szenerie und der Requisiten sind die verborgenen Veränderungen im Inneren der Charaktere.
Die größten Veränderungen erlebt erwartungsgemäß Vishnu, dessen Erlebnisse einer späten Coming-of-Age-Story gleichen. Äußerlich modern, lebt er gefangen in einem Mikrokosmos aus emotionaler Leere und Perspektivlosigkeit. Seinem Leben Antrieb zu geben gelingt ihm erst, als er wortwörtlich das Steuer in die Hand nimmt. Der Zielort ist dabei so unbestimmt wie der Bestimmungsort fast jeden jungen Lebens. Das Schlimmste in Dev Benegals, des Regisseurs, bewegtem Filmkosmos ist Stillstand, der geistige Starre und Resignation repräsentiert. Die Offenheit der Landschaft wird zum Synonym für die unzähligen Richtungen, die Vishnu einschlagen kann und von denen jede eine andere Art von Erfüllung bieten kann. Das Fest, zu dem der greise Om mitgenommen werden will und von dem er selbst nicht genau weiß, wo es ist, verkörpert diese Variabilität des Glücks.
Von den Darstellern sticht vor allem Abhay Deol als Vishnu heraus. Deol spielt seine Rolle so unglaublich intensiv, mit so einer unglaublichen Leichtigkeit, dass man von seiner Darstellung einfach begeistert sein muss.
Der DVD liegt, für Gegner der FSK-Logos, ein Wendecover bei.
Fazit:
Ein berührendes, aufregendes und kurzweiliges Roadmovie. Unbedingt zu empfehlen!