J.J. Cale und Eric Clapton: Zwei Altmeister, die nun wirklich nicht mehr beweisen müssen, was sie alles draufhaben. Das Album klingt so, dass man spürt: Den beiden machte das Ganze einfach Spaß. Und sie harmonieren hervorragend! Nicht nur im Gesang (ist eigentlich schon einmal jemand aufgefallen, dass die beiden einen sehr ähnlichen Gesangstil haben und sich auch in etwa in derselben Stimmlage bewegen?), sondern auch, wenn sie beide zur Gitarre greifen.
Und dann haben die beiden jede Menge kongeniale Musiker ins Studio geladen: Billy Preston, Taj Mahal, Albert Lee, Gary Gilmore... Glücksgriffe allesamt auch sie.
Experimentierfreudig sind Cale und Clapton ohnehin; sie reiten nicht ihre alten Stiefel runter. Von tiefschwarzem Blues ("Sporting Life Blues") bis zu übermütigen Bluegrass (direkt anschließend: "Dead End Road", mit hinreißenden Fiddle-Einlagen) reicht das Spektrum dieser CD. Aber "experimentierfreudig" bedeutet hier nicht, dass unbedingt alles auf Teufel-komm-raus ausgereizt werden wird -- es bedeutet, dass Cale und Clapton ihren musikalischen Instinkten freien Lauf lassen und sich aufs Wesentliche konzentrieren, aus jedem Song dessen Besonderheiten herauskitzeln. Herausgekommen ist ein zeitloses Album, unabhängig von allen musikalischen Moden der Gegenwart und Zukunft.
Die meisten Songs auf "The Road to Escondido" stammen hörbar aus Cales Feder, haben dieses gewisse entspannte, locker zurückgelehnte Etwas, das J.J. Cales Alben seit jeher charakterisiert: diesen gelassenen Rhythmus, der so typisch ist und nie langweilig wird.
Überhaupt, Clapton hält sich meist im Hintergrund bei den Aufnahmen. Das bedeutet aber nicht, dass man seine Mitwirkung nicht deutlich heraushören würde... Mister Slowhand hat nichts verlernt und unterfüttert Cales Songs mit handfestem Blues und ausgefuchsten Gitarrenriffs -- "When the War is Over" mit seinen Cajun-Anklängen z.B. ist ein tolles Beispiel hierfür, aber auch "Dead End Road", "It's Easy" "Don't Cry, Sister", "Ride the River" und noch einige andere. Genauer gesagt: Fast alle Songs könnte man hier nennen... J.J. Cales Songs klingen mit dem zurückhaltenden Clapton-Sound im Hintergrund so, als hätte Clapton schon immer mit Cale zusammengespielt. Die Songs gewinnen an Tiefe, neue Nuancen kommen dazu, ohne dass die Linie verlorengeht. Meisterstücke eins wie das andere!
"The Road to Escondido" ist eindeutig ein J.J.-Cale-Album, keine Frage.
Einige wenige Tracks sind allerdings auch waschechte Clapton-Songs: So z.B. seine hinreißende Version des Brownie-McGhee-Klassikers "Sporting Life Blues". Oder aber "Hard to Thrill", ein melancholischer Blues und zugleich eine geniale Weiterentwicklung von "The Thrill Is Gone". Wenn nur im Booklet vermerkt wäre, welcher Bassist hier dafür sorgt, dass einem der "thrill" wirklich das Rückenmark entlangläuft... Schon jetzt ein Blues-Klassiker, behaupte ich vorwitzig.
Einen ganz anderen Clapton lernt man auf dem unverkrampften "Three Little Girls" kennen -- schlicht, locker, und nur von Gitarren und Taj Mahals Harmonika begleitet. Clapton auf den Spuren des Folk? -- Durchaus! Und zwar wunderbar unverkrampft, ein Song zum Zurücklehnen und Augenschließen.
Das eigentlich Faszinierende an "The Road to Escondido" ist aber, mit welch schlafwandlerischer Sicherheit Cale und Clapton aufeinander eingehen können, ohne deswegen ihren eigenen Stil aufzugeben. Hier hört man tatsächlich Duette, und keine Duelle! Hinreißend sind z.B. ihr sanftes Duett auf "Sporting Life Blues" -- ganz auf den Spuren von Sonny Terry und Brownie McGhee und doch auch ganz eigenständig --, und ebenso ihre regelrechten Gitarren-Dialoge in jedem Song. Auch ein waschechter Cale-Song gewinnt schließlich noch an Glanz, wenn ein Mr. Slowhand mit von der Partie ist.
Einziger Schwachpunkt ist ausgerechnet der erste Track -- "Danger" klingt etwas verwaschen, hat nicht diese Präzision, diese klare und doch verspielte Linie der 13 anschließenden. Einen Stern deswegen abziehen mag ich nicht -- schon deswegen, weil ich das Album jetzt schon den ganzen Abend anhöre und ganz einfach hin und weg bin.
Es wird nicht der letzte Abend sein, den ich mit diesen beiden Herren, bzw. ihrer Musik, verbringe.