Der Deutsche Titel ist ein bisschen irreführend, denn River hat die Geschichte nicht so dominiert, wie man das dem Titel nach glauben könnte (Der Original-Titel lautet "After River"). River ist ist eigentlich nur der Auslöser für etwas, was schon lange in der Familie geschwelt hat und der Einfluss, den er - unbewusst - auf die Familie nimmt, hat nichts "Heilsames", bringt aber den Familienmitgliedern so einiges an Erkenntnis.
Es ist ein leises und schönes Buch, das Donna Milner geschrieben hat. Ich musste mir immer wieder in Erinnerung rufen, dass es in Kanada spielt. Von der Mentalität und von der Lebensart her hätte es auch gut in die Südstaaten der USA gepasst. Größtenteils passiert nichts Spektakuläres. Die Familie, das Alltagsleben auf der Farm und die kleine Stadt-Gemeinschaft stehen im Vordergrund der Erzählung. Als River als Hilfsarbeiter auf die Farm kommt, nimmt das Leben der Familie eine andere Wendung. Viele Dinge werden zunächst nur angedeutet und wenn sie nach und nach konkret werden, leidet der Leser mit allen Protagonisten mit.
Die verschiedenen Erzählperspektiven - 1966 bis 1969, 2003 und Natties (die Mutter der Protagonistin Natalie) Erinnerungen wechseln sich so gekonnt ab, dass der Leser nie in ein Loch stürzt. Es passt einfach, wenn der Schwenk in die Vergangenheit oder in die Gegenwart erfolgt. Wenn sich am Ende des Buches der Kreis des Lebens schließt und sich die einzelnen Perspektiven zu einem Ganzen zusammenfügen, bleibt der Leser traurig, berührt und zufrieden zurück.
Ein wunderschönes Buch, in einer einfühlsamen und schönen Sprache geschrieben.
Ich freue mich auf weitere Bücher von Donna Milner.