Ein schöner Klang, meinte ecm-Produzent Manfred Eicher in der ihm (und seiner Musik) gewidmeten Filmdokumentation "Sounds and Silence", sei für ihn wie ein Kometenschweif, wie das Fallen eines leuchtenden Sterns. Zum "klingenden Leuchten" oder "leuchtenden Klingen" hat er in der nun schon über 40-jährigen Geschichte dieses 1969 gegründeten Labels eine ganze Menge seiner Produktionen gebracht. Und damit dies hier nicht mit einem Werbetext verwechselt werden kann: So mancher Kritiker stellte sicher nicht zu unrecht fest, dass Eicher "seinen Kindern" so sehr den Stempel aufdrücke, dass, wenn nicht "alles gleich", so doch mindestens alles "typisch ecm" klänge. Viel Wohl- und Schönklang also, wenig Ecken und Kanten. Dafür muss man auch in der Stimmung sein. Aber: Eicher ist mit seinem Label etwas gelungen, das im Grunde jeder Musiker, jeder Komponist, versucht: eine unverwechselbar eigene Stimme zu finden. Und wie immer man nun dazu steht: Produktionen wie diese rechtfertigen jegliche Einflussnahme des Produzenten. Denn "The River of Anyder" ist - mit "Imprint" vom Julia Hülsmann Trio - eine der schönsten Trioeinspielungen des Jahres. Sehr ruhig, sehr konzentriert, und so spannend, dass einem eine Menge entginge, würde man diese tastende, suchende, findende Musik nur "nebenbei" hören. Nichts für sommerlich-juvenile Sturm-und-Drank-Perioden, aber gerade recht für bunte Herbsttage, an denen Gedanken fliegen können - getragen von einer Musik, die Sterne an den Himmel zeichnet. Und die schönsten davon leuchten wohl wirklich selbst dann noch, wenn der Stern selbst längst erloschen ist.