Die Herausgeber stellen in diesem Buch eine Sammlung unterschiedlichster Texte vor, die sich allesamt um persönliche Rituale drehen: um einen nächtlichen Briefeschreiber, den telefonischen Gutenachtkuß, den samstäglichen Frühschoppen, Erinnerungen an Kindheitsrituale. Spannend ist die Vielfalt der Blickwinkel auf ein und dasselbe Thema, die sich im Rückblick verdichten und erklären, wozu Menschen Rituale brauchen: um "etwas aufzuhalten, das verschwinden will", um Geborgenheit zu finden in einem zeitlosen Raum, in dem alles ist, wie es immer war.
Manche Geschichten werden einem bekannt vorkommen. Alle regen auf ihre Weise zum Nachdenken an.
In jedem Fall ein sehr schönes und gelungenes Buch, leicht zu lesen ohne Einbüßen von Tiefe.
Am besten gefiel mir Wolf Singers "Improvisation als Ritual", das eine Art Aufruf zur Anpassung eines an sich starren Konstruktes an das Unvorhersehbare des Alltags ist.