Wer die Texte des Autors kennt, weiß, dass es hier nicht um hermetisches Theoriegeschwafel geht, sondern dass es Stiglegger immer wieder gelingt, zunächst abstrakte Ansätze auf anschauliche und spannende Weise zu illustrieren und nah am Beispiel zu entwickeln. Nach "Sadiconazista" ist "Ritual und Verführung" seine zweite Monografie und für mich eines der aufregendsten und großartigsten Filmbücher der letzten Jahre. Mit Elementen von Jean Baudrillard, Siegfried Kracauer, Béla Balazs, Georges Bataille u.a. entwickelt der Autor einen eigenen Ansatz einer 'Verführungstheorie des Films', der die Aspekte Schaulust, Spektakel und Sinnlichkeit näher betrachtet. Immer wieder kommt die Sprache auf Sexualität, Körper und Tod, doch diese Themen werden vom Kino selbst diktiert, und es ist schon erstaunlich, wie hier das Verführerische eines Kannibalenfilms erklärt wird... Im Zentrum stehen aber honorige Werke (Apocalypse Now, Das Piano, Rashomon, Titanic, French Connection), wenn Stiglegger auch keine Berührungsangst mit tabubeladenen Bereichen hat. Aber das macht die Arbeit um so spannender. Mit dem bertz + Fischer Verlag hat sich ein angemessenes Forum gefunden, und so glänzt das Buch mit zahlreichen gelungenen Scwharzweiß und Farbabbildungen. Ein großer Genuss, gut lesbar, informativ, originell.