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Auf Ritual feiert die portugiesische Sängerin mit der Ausnahmestimme ihr zehnjähriges Jubiläum als Fadista und setzt ihre Mission unbeirrt fort. Nach dem 1999er-Werk Paixões Diagonais ("Diagonale Leidenschaften"), das behutsam Einflüsse der modernen populären Musik aufgriff, gibt sie sich diesmal stilistisch eher traditionell. Mit ihrem langjährigen Weggefährten Carlos Manuel Proença sowie Carlos Gonçalves und Joel Pina, die lange Zeit Amália Rodrigues begleiteten, trägt sie den "iberischen Blues" hier in einer geradezu klassischen Form vor.
Mísia -- stets in schwarz gewandet, mit kalkweiß geschminktem Gesicht und streng gescheiteltem Haar auftretend -- singt auf dieser traumhaft schönen CD mit herzzerreißender Klagestimme vom Lebensgefühl ihrer Landsleute. Wenn die begnadete Künstlerin aufgewühlt vom Dasein der Menschen in dem kleinen Land im Westen Europas berichtet, wenn sie von der Saudade-Sehnsucht ihres Volkes, von verlorener Liebe, Eifersucht und Einsamkeit, Verzweiflung und Niedergeschlagenheit erzählt, schießen selbst harten Männern Tränen in die Augen. Zum Heulen schön! --Harald Kepler
© Blue Rhythm - Olaf Maikopf
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Nach ihrem internationalem Erfolg verneigt sich Misia hier aber auch noch einmal vor der verstorbenen Übermutter des Fados, Amalia Rodrigues. So spielt sie zum zweiten Mal "Lagrima" (Träne) ein und wird dabei vom Komponisten selbst, Carlos Goncalves, an der portugiesischen Gitarre begleitet. Aus dem schönen Beiheft erfährt man dazu, dass Goncalves die letzte Phase von Amalias Karriere massgeblich geprägt hat. Auch die bewegende Entstehungsgeschichte von "Xaile de Silencio" ("Schaal der Ruhe"), ein Text, der am Tag des Todes von Amalia Rodigues enstanden ist, Misia per Fax in London erreichte und nun von Goncalves vertont wurde, erfährt man. Am Ende von Ritual ist dann noch ein stiller Höhepunkt: "Vivendo sem mim" (ungefähr: "Ohne mich zu leben") ist von Amalia selbst gedichtet aber offensichlich nie öffentlich gesungen worden. Wie bei Amalias Proben nur vom Klavier begleitet, wird diese Stück, wie der Author des Booklets schreibt, zum "Fado von Amalia, der nie existierte und nun durch eine andere Stimme weiterlebt". Misias Stimme.
P.S.: Bei näherem Hinschauen endeckt man, dass es auf der CD auch noch einen Bonus gibt, nämlich ein recht schönen Video Clip (für PC & MAC lesbar) von "Duas Luas" in der Regie des französischen Cineasten Patrice Leconte. Die fast schwarz/weisse Aufmachung dieses sehr lebendigen Clips (Misia streift hin und her durch eine Landschaft von abwechselnd weissen und schwarzen Laken) trifft die bi-polare Welt dieser "Zwei Monde" und erinnert an Lecontes unvergesslichen Film "La Fille sur le Pont" (mit Daniel Auteil und Vanessa Paradis).
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