Eine isolierte Gruppe von Heranwachsenden als Spiegel der Gesellschaft ist spätestens seit Goldings 'Herr der Fliegen' ein klassisches Romanmotiv.
Ich hoffe, dass 'Die Ritter der Vierzig Inseln' den Mittelstufen-Klassiger Goldings mittelfristig ablösen wird: Goldings Roman ist verkopft, verkünstelt, und sperrig - sprachlich und in seinen Innenansichten weit entfernt von jugendlichen Lesern. Lukianenkos Buch ist bei mindestens gleichem Anspruch sprachlich besser zugänglich, die Charaktere sind glaubwürdig und unpräziös angelegt, der Spannungsbogen ist besser konstruiert.
Der 14-jährige Dima wird auf eine ausschliesslich von Kindern und Jugendlichen bewohnten Insel versetzt; eine von 40 Inseln, die untereinander in einem künstlich geschaffenen Kriegszustand, dem 'Grossen Spiel' stehen. Von Beginn an ist klar, dass es sich um eine Versuchsanordnung von Ausserirdischen handelt, womit im Folgenden die Gesellschaftliche Dynamik in den Fokus rückt. Nach Versuchen, das Spiel innerhalb der Regel zu gewinnen, entdecken die Jugendlichen, dass Sie nur eine Abfolge von Bündnissen, Entdeckermut,Verrat, Gewalt und Verzweiflung wiederholen, die bereits seit Jahrzehnten zyklisch abläuft. Am Ende gelingt es der Gruppe um Dima auszubrechen, indem sie einen Weg finden die Ausserirdischen direkt anzugreifen.
Das Buch ist stilistisch ein Jugendbuch, die Geschichte ist linear, mit einer überschaubaren Anzahl von Hauptcharakteren. Die Sprache ist lebendig, die Handlung durch Aktion bestimmt, die Gewaltdarstellungen sind keineswegs zu drastisch.
Lukianenko erzählt mit den Mitteln des modernen Romans eine klassische utopische Geschichte in der Tradition der 'Bewohnten Insel' der Strugatzkis oder eben Goldings. Anfang und Ende der Geschichte bilden nur einen Rahmen um den eigentlichen Kern der Geschichte: wie die Kinder auf die Inseln gelangen oder von ihnen entkommen ist nur vordergründig wichtig. Wann kommen die guten und schlechten Seiten in uns zum Vorschein, wie prägen sie die Gesellschaft, wie das Miteinander von Gesellschaften? Insofern geht das Buch über einen Jugendroman hinaus und tut dies umso erfolgreicher, als sich das Buch sehr leichtgängig innerhalb eines Tages lesen lässt. Hier und da bemerkt man allerdings schon, dass es ein 10 Jahre altes Buch ist: heute konstruiert Lukianenko filigraner.
Macht Spass als guter Abenteuerroman für Jugendliche, macht Spass als utopischer Roman - unbedingt empfehlenswert.