"Ritter des verlorenen Landes" schließt direkt an den Zyklus "Das verlorene Land" an, der ebenfalls von Jean Dufaux verfasst wurde. Kennt man ihn, wird man viele Figuren und Schauplätze wiedererkennen. Um die Geschichte, die hier erzählt wird, zu verstehen, muss man den Vorgänger jedoch nicht kennen, da "Ritter des verlorenen Landes" auch für sich verständlich ist. Der vorliegende Zyklus ist, ebenso wie sein Vorgänger und weitere geplante Zyklen, in insgesamt vier Bände aufgeteilt, von denen aber jeder in sich abgeschlossen ist.
Erzählt wird eine klassische Ritter-Sage mit gefährlichen und fantastischen Widersachern. Als Grundlage dienen hier alte Erzählungen ebenso wie überlieferte Sagen. Die Hexen werden sehr klassisch dargestellt. So haben sie rote Haare und lassen sich mit bestimmten Schätzen ködern. Dadurch lässt sich eine gewisse Häufung von Klischees nicht vermeiden, die hier aber gut in einer authentischen Sagenwelt untergebracht wurden.
Die Geschichte selbst ist nicht unbedingt neu, aber trotzdem spannend erzählt. Man taucht in eine fremde und längst vergangene Mittelalterwelt ein, die durch ihre Andersartigkeit fasziniert. Besonders realistisch wirkt sie durch die Zeichnungen von Philippe Delaby. Er versteht es, seine Bilder wie kleine Kunstwerke zu gestalten. Jedes einzelne Panel ist von einem besonderen Detailreichtum geprägt. Man sieht jede Ritze in einer Mauer und jedes Barthaar der Ritter. Alleine die Pferde sehen aus, als würden sie direkt aus dem Bild galoppieren können. Die Gesichtszüge der einzelnen Figuren sind sehr fein ausgearbeitet und Delaby gelingt es, echte Charaktere darzustellen. Besondere Merkmale wie große Nasen, Falten, ausgeprägte Wangenknochen oder ähnliches weiß er bis zur Perfektion darzustellen. Besonders stimmungsvoll werden die Bilder durch ein ausgeprägtes Spiel mit Licht und Schatten. Einzig etwas störend ist die Art und Weise, in der der Zeichner eine intensive Überraschung einer Figur darstellt. Hier reicht ihm die Mimik nicht aus, er zeigt außerdem drei große Ausrufungszeichen über dem jeweiligen Charakter, was insgesamt leider zu einer kleinen Einbuße der ansonsten extrem seriösen Bilder führt.
Wer gerne schonungslose, durchaus blutige und spannende Ritter-Sagen mag, wird an diesem Comic sicherlich Gefallen finden.