Ich habe Breuers Werk im Mittelalter-Seminar als Negativbeispiel kennengelernt. An "Studierte" ist es nicht adressiert, soviel dürfte sicher sein. Doch dies ist nicht der eigentliche Grund für meine 1-Sterne-Rezension. Im Gegenteil: Das Mittelalter einem breiten Lesepublikum in unterhaltsamer UND sachlich richtiger Form nahezubringen, das wäre eine wirklich dankenswerte Aufgabe.
Unterhaltsam ist Breuers Büchlein fürwahr, von sachlich richtig kann allerdings keine Rede sein. Der Autor betreibt eine Blütenlese, bei der er zunächst alles irgenwie schräge, skurrile und grosteske der Epoche zu Tage fördert. Dabei ist es ihm ganz gleich, ob die Berichte aus gesicherter Überlieferung stammen, oder ob es sich um Legenden und Sagen, päpstliche Probaganda oder bäuerlische Schwankliteratur handelt. Alles ist für Breuer gleich wahr, die Grundregeln der Quellenkritik werden mal eben so außer Kraft gesetzt. Zudem fasst der Autor die tausend Jahre Mittelalter offenbar als einheitliche Epoche auf, was ihn dazu berechtigt, Beispiele aus dem Frühmittelalter als Beleg für Zustände um 1500 anzuführen. Wo die Quellen nicht genug Material hergeben, werden Zitate einfach erfunden. So entsteht ein buntes Pottpourie aus Anekdoten, das mit der Welt des Mittelalters so wenig gemein hat, wie die BILD-Zeitung mit dem Alltagsleben im heutigen Deutschland.
Nochmals: Das Mittelalter unterhaltsam darzustellen wäre eine ehrenwerte Sache. Es aber um des Verkaufserfolges willen in eine schillernde Welt aus Schmutz, Sex und schlechten Scherzen zu verwandeln ist einfach nur abgrundtief widerlich!