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Ich fand es bewunderswert, dass die Autorin als eine fremde Person sich mit der Geschichte einer realen Familie gründlich auseinander setzt. Sie führt nicht nur viele Gespräche mit verschiedenen Verwandten und durchsucht Archive nach Information, sondern sie besucht die Orte des Geschehens: Sie reist zweimal nach Kasachstan/Karaganda, besucht ein Dorf in Westsibirien, fliegt nach Kanada, fährt nach Westpreußen und ans Wolgagebiet.
Das Buch beleuchtet verschiedene Rollen der Rußlands-Leute: als Auswanderer von Deutschland, als Einwanderer nach Russland, als Kulaken in der Sowjetzeit, als Vertriebene nach Kasachstan, als praktizierende Mennoniten in Kanada, als jetzige Spätaussiedler in Deutschland. Sie erzählt viele Lebensläufen und Schicksale von einzelnen Leuten ausführlich, z.B. Rita, Großeltern, Eltern, Schwester von Rita.
Ich muss zugeben, dass ich gegen Ende des Buches immer mehr den Überblick verlor, wer gehört zu wem in der Familie. Ich habe gehofft beim Lesen dieses Buches die geschichtlichen Ereignisse, die Deutsche betreffen für mich zu ordnen und zu merken, aber dies gelang mir nicht. Zu oft haben die Deutschen in den letzten 2 Jahrhunderten sich umgesiedelt, zu viel ist damals passiert.
Geblieben sind in meinem Gedächtnis die einzelnen Geschichten einzelnen Leute und die treffenden Beschreibungen der jetzigen Aussiedler aus der Sicht der Autorin. Trotz ihrer ehrlichen und kritischen Meinungen habe ich die Vermutung, dass Ulla Lachauer die Angehörigen von Rita sehr lieb gewonnen hat und sie selber ein Teil dieser Sippe wurde.
Das Lesen dieses Buches gleicht einem Eintauchen in Zeitgeschichte und ist ein wohliges Suhlen in der Gewissheit die Bewohner unserer deutschen Lande waren schon immer mobil. Wo sie auch hinkamen, überall wurde das Land zur Heimat, denn der Boden mußte mit der Hände Arbeit bestellt werden und der Überlebenskampf schweißt die aus jeweils unterschiedlichen Regionen stammenden Gruppen zusammen. In der Fremde begegnen sie unterschiedlichen Menschen und Kulturen, gehen mit ihnen Verbindungen ein, die dem Überleben dienen, und so kommt es auch zu familiären Bindungen. Vor allem Rußland ist das Beispiel und dort an der Wolga, in Karaganda, oder hier bei uns in Kehl entwickeln sich sehr spannende Familiengeschichten.
Die Autorin schildert sehr spannungsreich und aktuell-hautnah, wie sie eintaucht in eine ihr fremde deutsche Welt der Mennoniten und in die ihr neue Welt russischen Landlebens, oder mennonitischer Dörfer in Kanada. Sauber recherchiert und gekonnt geschrieben, ist das Buch ein grosses Lesevergnügen, vielfältig in der Verknüpfung von aktueller Situation der russischen Aussiedler hier, historischer Wanderungen durch Not oder Vetreibung, Zwangsumsiedlung und Flucht. Daß ein moralischer Zeigefinger nicht erhoben wird, tut wohl; trotzdem verheimlicht die Autorin Ihre Meinung nicht..
Ich wünsche dem Buch viele Leser!
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