(basierend auf der US-Version)
Hat man den ersten wahren Schocker oder Lachflash nach betrachten des wahrlich grottigen Covers überwundern, wird man sich entweder fragen was das Spiel mit Ju-On zu tun hat oder was Ju-On eigentlich ist. Nun, Ju-On ist einer de bekanntesten japanischen Horrorfilme, welcher auch ein US-Remake unter dem Namen "The Grudge" bekommen hat. Üblich wie in dem Asia-Horror-Genre darf man also auf blasse Gestalten und Frauen mit langem schwarzen Haar gespannt sein, was ja zum Beispiel auch schon in Horror-Spielen wie Ku-On oder Fatal Frame, aka Project Zero, bekannt sein dürfte. Ju-On für Wii ist also ein Spiel zu einem Film. Ja, der Aufschrei wird groß sein, doch man muss so fair sein und dem Spiel mindestens eine Chance geben, denn für ein Videospiel dass eine Filmvorlage hat schlägt sich der Titel ungemein gut.
Dies liegt vorallem natürlich daran dass die Seele der Filme in fast allen Punkten getroffen wurde, was man durchaus dem Mitarbeiter und Vater der Filme, Takashi Shimizu, zuschreiben darf. Ganz besonders herausragend sind die beiden Hauptprotagonisten der Ju-On Serie - die Geister von Kayako und ihrem Sohn Toshio. Die Wiedererkennung ist sofort gegeben, sei es nun in der Animation, dem Aussehen oder der Geräusche. Vorallem letzterer Punkt ist ein sehr tragendes Element denn das krächzend-glucksende Geräusch von Kayako und das Miauen von Toshio sind neben dem Markenzeichen der Serie auch unglaubliche Stimmungsmacher die schnell ein Unwohlsein hervorrufen können.
Die einzelnen Levelabschnitte im Spiel mögen zwar etwas monoton und steril wirken, doch weil der Titel in Japan spielt findet man eben auch die etwas zurückhaltende Einrichtung des Landes - vorallem in Büro-Abschnitten. So gesehen ist es nicht zwingend negativ und von einer Bombast-Optik würde man ohnehin nicht viel sehen, denn die einzige Lichtquelle ist eine Taschenlampe und deren Lichtkegel. Es soll nun aber nicht heißen das Spiel würde schlecht aussehen - nein im Gegenteil, es wirkt stimmungsvoll und gut ausgearbeitet. Natürlich sind einige Texturen nicht hochauflösend und man sieht schon etwas grobere Polygone als bei PS360 Titeln, aber die Wii ist weder eine HD-Konsole noch schützt HD vor schlechter Grafik. Zudem sind die wichtigen Elemente - also die Geister - einfach sehr gut modelliert worden und da kann man bei anderen Dingen kleine Abstriche ruhig verkraften.
Der Sound als auch die Musik machen ebenfalls eine durchweg gute Figur. Tonaufnahmen in verlassenen Gebäuden wurden extra aufgenommen und verfehlen ihre Wirkung nicht. Auch die serientypischen Geistergeräusche sowie bekannte Filmmusik sind hervorragend auf den Silberling transportiert worden.
Worum geht es aber in dem Titel? Nun, die Geschichte ist wie im Film auch der übliche Fluch der sich nach Mord und Todschlag entwickeln kann und jedem heimsucht der ihm zu nahe kommt. Damit kann man es auch eigentlich abhaken, denn wer Story sucht wird generell nicht wirklich fündig hier. Der Plot muss als erklärung reichen wieso man sich in den unterschiedlichen Gebäuden wie einem Krankenhaus oder einer Schaufensterpuppen-Fabrik befindet die eben von den beiden rastlosen Seelen heimgesucht werden. Ju-On macht sich nichtmal wirklich mühe groß eine Geschichte zu erzählen, denn es geht mehr oder weniger um die Gaudi (zu Hochdeutsch: den Spaß) einer digitalen Geisterbahnfahrt.
Fast einer Geisterbahn gleich verläuft das Spiel dann auch. Die Spielfigur bewegt sich in der 1st Persion Sicht auf einer Art schiene die jeder Zeit auch in die entgegengesetzte Richtung abgelaufen werden kann (Vergleich: Killer7). Durch Bewegen der Wiimote kann man die Kamera bewegen um sich alles anzusehen oder mit der Taschenlampe an gewünschte Punkte leuchten. Gelegentlich folgen einige Quicktime Events die Bewegungen in angezeigte Richtungen verlangen. Der Rest besteht dann nur noch aus einem obligatorischen "Laufe von Punkt A nach Punkt B, sammel Batterien für deine Taschenlampe (keine Energie mehr = Game Over) und finde vielleicht mal einen Schlüssel nebenzu".
Ja, Ju-On macht es sich sehr leicht, aber der eigentliche Clou kommt ja erst. Während man so mehr oder weniger frei durch die Welten schlendert passieren immer wieder Dinge die den Spieler erschrecken - und das tun diese Dinge in einem hohen Prozentsatz. Die Wiimote registriert freilich auch wie arg man sich erschreckt, einfach durch die Erkennung eines Zusammenzuckens. Je mehr und je heftiger man also zuckt desto geringer fällt der Punktestand am Ende aus. Eine wirklich nette Idee, leider mit einem Haken: Wer das Level einmal kennt weiß wo etwas auftauchen wird. Der "Fehler" ist aber bei allen Horrorfilmen und -spielen gegeben, also Ju-On nicht wirklich negativ anzukreiden. Als Gag darf dafür ein zweiter Spieler auf Knopfdruck gewisse, nicht feste Schockszenen loslassen. zwar sind diese nicht ganz so wirkungsvoll wie die fest programmierten, aber für gehässige Mitmenschen ein wirklicher Spaß und ein nettes Element. Leider sind diese zwei Punkte nicht so gut ausgearbeitet wie sie es sollten. Wie gesagt springt man eher nur beim ersten Spielen wirklich aus dem Sessel und auch wenn das nicht zu knapp vorkommt ist das Element bei Durchgang Zwei schlicht verpufft.
Die Steuerung macht auch manchmal einen Strich durch das durchweg lustige Erlebnis der digitalen Geisterbahn. Entweder mangelt es an Erklärungen wie man die Wiimote nun halten soll oder manch ein Programmierer ist wirklich nicht fähig die Bewegungssteuerung zu programmieren. Beide Fälle gibt es auf der Wii und auch Ju-On ist davon betroffen, was manchmal in Frust ausarten kann.
Trotz gewisser Mängel macht Ju-On für Wii allerdings durchaus Spaß und gerade Fans der Serie kommen voll auf ihre Kosten. Dass die extrem gute Wirkung einige Schocker verpufft ist schade, aber die Athmosphäre kann wieder und wieder in den bann ziehen und ein leichtes Gruseln verursachen. Wiederspielwert ist jedoch durchaus gering, was auch am kurzen Umfang liegt (etwa 6 Stunden). Fans können wirklich schon bedenkenlos zugreifen, sofern sie das hässliche Cover nicht abschreckt, aber generell muss man sich hier überlegen ob es einen Vollpreis wirklich wert ist und ob es ein guter Ersatz für das Wii-exklusive Fatal Frame/Project Zero ist. Ein guter Horrortitel auf jeden Fall, im Endeffekt aber nur eine (sehr gute) digitale Geisterbahnfahrt und damit ein kleiner Exot unter den Videospielen.
Bleibt nur noch zu hoffen dass das Cover der PAL geändert wird :)