1997 erschien das bei uns unter "Legend of the River King" bekannte Angel-Simulations-RPG für den GameBoy/Color in Japan. Das Spiel der Harvest Moon-Macher schlug zwar nicht ganz so ein wie die Bauern-Simulations, aber der doch recht gleiche Charme konnte sich auch im Westen durchaus etablieren. Was vielleicht die wenigsten wissen: In Japan gibt es seit 1990 für das Famicom die Serie und dort ist sie - wie könnte es anders sein - natürlich schon fast eine wahre Größe im Segment der Angel-Spiele. Das aber alles nur am Rande.
Bei Harvest Fishing handelt es sich nun also um den neuesten Ableger der "River King" Serie (in Europa hat man den Namen geändert - keine Ahnung warum) und so leid es mir tut, ich bin bei dieser Version wirklich hin und hergerissen zwischen positiven und negativen Ansichten.
Ganz klar muss man attestieren dass da Spiel schön aussieht - zwar etwas altbacken durch seine 2D-Optik wirken mag, aber eben bunt und stimmungsvoll mir vielen niedlichen Details versehen ist. Die Story ist an den Haaren herbeigezogen und auch wieder nur ein lächerlicher Aufhänger um loszuziehen und den "River King", den Fisch der Fische zu fangen. Dennoch passt die Geschichte durchaus auch in das Gesamtbild und kann als "nett" betitelt werden.
Eine große Masse an Fischen, wobei sich viele doch recht ähnlich sind, als auch Köder, Schwimmer und Angeln begeistern ebenfalls und das doch etwas zu simple Suchen nach Insekten und Pflanzen bringt Abwechslung in den Angelalltag.
Die Steuerung ist ebenfalls ganz gut gelöst, wenn auch manchmal etwas schwammige Touchscreenbefehle beim Werfen und Einholen des Köders auffallen. Wahlweise kann man einige der Befehle auch mit den Tasten ausführen, aber gerade beim Einholen der Beute muss man zwingend auf dem Touchscreen kreisende Bewegungen ausführen. Eine Alternative dazu gibt es nicht - Grobmotoriker dürften hier ggf. Kratzspuren erwarten. Generell ist die Steuerung via Stylus aber so ausgelegt dass man alles ganz sanft ausführen kann, sich das Risiko von Kratzern also in Grenzen halten sollte.
Leider ziehen dann auch schon dunkle Wolken auf, denn der Titel bietet einfach nicht mehr. Es gibt keine RPG-ähnlichen Kämpfe mehr, es gibt kein Aquarium in dem der Spieler gefangene Fische aufziehen kann, und es gibt keine verschiedenen Dörfer die man besuchen kann. Man kann nur von seinem Haus über eine Landkarte die Lokalitäten auswählen die man besuchen will, kann dort dann mit einigen Personen sprechen und eben angeln, angeln und noch mehr angeln. Da nützt es auch wenige dass man "Monsterfreunde" machen kann, welche man via Fischen zum Wachsen animieren kann was wiederum darin resultiert dass diese Monster im Level aufsteigen und dann Fähigkeiten wie "Heilung" haben. Gerade hier muss der neue River King viel einstecken, denn damit verliert er das, was die Serie eigentlich ausgemacht hat.
Musikalisch darf man eher nichts erwarten. Die sporadische Musik ist durchaus okay, ansonsten hat man es aber nur mit Soundkulissen zu tun, die Naturklänge einfangen. Sprudelndes Wasser, zwitschernde Vögel - ganz passend und entspannend eigentlich. Wären da nicht "DIE JINGLE". ich weiß nicht wie man so penetrant laute Jingle für jeden gefangenen Fisch hat verwenden können. Das reißt unheimlich aus dem sonst so ruhigen Flair heraus.
Was bleibt also als Fazit zu ziehen? Ein eher belangloses Spiel, das aber durchaus seinen Charme hat. Leider fehlen die Kämpfe und verschiedene Städte/Dörfer, aber die Aufmachung und die durchaus simple herangehensweise können zwischendurch Spaß bereiten. Übrigens: EIn Multiplayer mit mehreren Spielkarten (schade dass es nicht Singlecard ist) steht zur Verfügung, wurde aber von mir nicht getestet. Man muss ja auch erstmal genügend Leute finden, die das Spiel auch haben. Für eine Fortsetzung bitte die Schwächen tilgen, dann macht's wieder deutlich mehr Spaß.