(basierend auf der US-Fassung)
Matrix Software sagt vielleicht erstmal wenig Leuten etwas. Wenn man dann aber Titel nennt an denen Matrix beteiligt war, oder die komplett von diesem Studio entwickelt wurden, sieht man schnell was das für ein Garant für erstklassige RPGs und Actionadventures ist. Alundra, Torneko, Nostalgia oder die wohl bekanntesten Titel: Die beiden FF Remakes für den DS. Da verwundert es freilich nicht dass ein Avalon Code aus der gleichen Schmiede sehr viel Potenzial hat und es auf weiten Strecken auch halten kann, allerdings eher, man muss es leider erwähnen, am Gameplay kränkelt.
Die Geschichte von Avalon Code ist erstmal nicht wirklich neu. "Bauernlümmel" (wahlweise auch Mädchen) rettet die Welt. HALT! Bevor gegähnt wird gleich zu dem Teil der Geschichte der auch für das Gameplay interessant wird! Es geht nämlich erstmal nicht darum einen bösen König oder Dämon zu lynchen, nein. Denn obwohl die Welt vor der Zerstörung liegt gilt es mittel des "Book of Prophecy" (Buch der Prophezeiung) alles aufzunehmen, was würdig ist in die neue Welt übernommen zu werden - quasi eine moderne Arche Noah. Zwar gibt es hier einen kleinen Denkfehler, denn wer würde schon Monster und kriegerisches Volk mitnehmen wollen, aber dazu später mehr.
Das Buch ist der Kern des Spiels und die gegebenen Möglichkeiten sind wirklich der Reiz an Avalon Code. Abgesehen von dem automatischen Sammeln von Informationen die das Buch übernimmt (Lokalitäten) kann man wie schon erwähnt munter alles was man so will in das Buch eintragen, bzw. scannen, wie es im Spiel heißt. Dazu nimmt der Held das Druckdokument in die Hand und haut es entweder auf ein laffes Brötchen, die nächste Blume oder direkt in das Gesicht eines Dorfbewohners. Ist dies passiert erscheinen Informationen zu dem Objekt auf einer dafür vorgesehenen Seite, welche sich im Laufe der Geschichte durch Interaktion mit der Person/dem Objekt erweitern. Je mehr Informationen man aufnimmt desto mehr "Erfahrungspunkte" sammelt das Buch, was später von Vorteil sein kann. Grafisch wird das Maximum einer Seite übrigens mit einem Goldrand symbolisiert.
Der eigentliche Clou sind aber die Attribute eines jeden Wesens oder Objekts, welches im Buch verzeichnet wird. Ist ein Gegner zum Beispiel zu stark, so scannt man ihn in das Buch und spielt mit s einen Attributen. Man kann seine Rüstung entfernen oder ihm eine Krankheit zuweisen und promt verändert sich seine maximale Energie, die Abwehr oder die komplette Gegnerklasse. Doch das Gimmick geht noch weiter! Man kann nach Herzenslust den Dorfbewohnern Attribute zuweisen, oder ihnen einige davon entfernen, was man wiederum für sich selbst einsetzen kann, denn selbst Rüstungen, Waffen oder Heilutensilien kann man mit diesem Feature abwandeln. Um wirklich starke Ausrüstung zu erlangen ist es jedoch empfehlenswert gewisse "Rezepte" zu finden, die zeigen mit welchen Attributen man deutlich bessere Dinge erstellen kann als durch simples Ausprobieren.
Wie ich schon zu Beginn erwähnte ist es doch etwas fraglich Monster zu scannen, wo die Inhalte vom Buch doch in die neue Welt übernommen werden sollen, aber hier kann man noch ein Auge zudrücken. Was deutlich negativer ausfällt ist die Handhabung des digitalen Wälzers. Akzeptieren wir mal die Tatsache dass man Avalon Code eigentlich mit Knöpfen steuert, alles im Buch aber nur via Stylus zu bedienen ist. Jedoch stellt man sich die Frage wieso das Buch an Unübersichtlichkeit kaum zu überbieten ist.
Ja, alles hat eine eigens vorgeschriebene Seite. Jeder Gegner, jede Person, jedes neues Areal innerhalb eines Levels.Es ist enorm über 1000 Seiten zu haben, was für den Umfang spricht, aber wieso gibt es keinen venünftigen Index? Ja, es gibt im Ansatz einen Index der immer zum Beginn eines Kapitels springen lässt, wie etwa Waffen, oder Monster, wovon man wiederum an den Anfang der Unterpunkte springen kann, wie etwa Schwerter, Hammer oder eben Untot, Insekt, usw. Leider war es dass dann schon. Heißt im Klartext: Wenn ich zu einer bestimmten Sache im Buch will muss ich mir irgendwie merken wo es denn nun genau ist. Ein leidiges Thema, vorallem wenn ich Attribute suche, denn man kann jeweils nur vier davon "in die Hand nehmen". Habe ich aktuell also vier bisher nicht zugewiesene Attribute in der Hand und möchte ein weiteres bei einem neuen Monster verschieben, so muss ich erst meine Hand leeren. Resultat: Man legt es irgendwo ab, wo gerade Platz ist. Und genau hier beginnt die Odyssee. Es gibt nämlich keine Möglichkeit die wild abgelegten Attribute über den Index zu finden. Man sucht oft also nach dem gewünschten Objekt, vorallem nach längeren Pausen. Leider kostet das agieren innerhalb des Buches auch Magiepunkte, weshalb es schon ärgerlich sein kann sobald man keine davon mehr zur Verfügung hat.
Die einzelnen Level fallen leider auch schon mal etwas ernüchternd aus, denn Hauptbestandteil derer ist es vorgegebene Aufgabe zu lösen um Türen zu öffnen. Fast schon in Zeldamanier muss man Schalter bedienen oder Gegner vernichten, was sich immer und immer wiederholt. Wer sein Buch aufleveln möchte und nebenzu alle Seiten vergolden will hat die Möglichkeit alles in einem vorgegebenen Zeitlimit zu schaffen, was oft aber doch recht stressig ausarten kann, vorallem wenn man nicht weiß was die nächste Aufgabe ist. So vergeht schon einmal unnötig Zeit bis man den Kniff heraus hat welche Attribute man für die Aufgabe benutzen sollte oder in wecher Reihenfolge Schalter zu aktivieren sind. Man kann die Aufgaben aber beliebig oft wiederholen und somit nach dem beenden eines Raumes quasi "in aller Ruhe" auf Highscore-Jagd gehen. Abgesehen von diesem doch recht groben Patzer und dem kleinen Anecken im Leveldesign ist Avalon Code aber wohl eines der originellsten Spiele seine Genre in den letzten Jahren, auch wenn nur ein verfügbarer Spielstand schon noch eher aus den Anfängen der Videospiele stammen mag.
Leider kränkt das komplette Spiel ab etwa der Hälfte der Geschichte, nämlich dann, wenn das Buch erstmal nicht, dann nur in Stücken zu benutzen ist. So ist man nämlich auf keine bis nur limitierte Waffen und Heilgegenstände beschränkt und viele Gegner nutzen das wirklich böse aus. Frust vorprogrammiert.
Eine ansprechende Präsentation hat der Titel übrigens auch, was bei dem Studio allerdings nicht wirklich verwundert! Optisch hat man zwar die typische DS-Grafik, aber auf einem sehr hohen Level. Viele kleine Details an den Figuren sprechen für die Liebe die hier investiert wurde und auch die Musik ist göttlich. An der Sprachausgabe hätte man noch etwas feilen können, aber das eher weil sie zu leise erscheint. Sonst kann man an dieser Stelle wirklich nicht meckern.
Gegen den Alltagstrott helfen massig "Minispiele", wie etwa eine Art Volleyball (wie ich es mal nennen will), das Befreunden von Dorfbewohnern oder gar das flirten mit einem der vier Elementargeister oder einem der weiblichen NPCs die den Spieler auf der Reise begleiten/begegnen. Hier ist lediglich anzumerken dass ein Junge keine männlichen Figuren anflirten kann und ein Mädchen keine weiblichen - manch einen Spieler interessiert das ja. Viel mehr muss man auf das Drumherum nicht eingehen, weil es eher schon aus anderen Spielen bekannt sein dürfte. Avalon Code macht an dieser Baustelle nichts falsch, sondern fügt alles passend in das gegebene Gameplay ein.
Wer offen für etwas andere Spiele ist wird bei Avalon Code auf alle Fälle fündig und viel Spaß an der investierten Zeit haben. Man kann den Titel durchaus gut empfehlen, auch Personen die eher nur unterwegs zum Daddeln kommen, denn man kann zu jeder Zeit abspeichern. Ein ganz solides ActionAdventure mit einigen Kniffen die es aus der Masse hervorstechen lassen. Lediglich Manga- und Animehasser werden mit "Knuddellook" und "Kulleraugen" wenig anfangen können.
Ich selbst muss aber gestehen durchaus geneigt gewesen zu sein das Modul mehr als einmal durch die oft ungeschickte Handhabung des Buches in die Ecke donnern zu wollen. Spaß sieht an mehreren Stellen doch etwas anders aus... für mich! Daher auch nur 3 Sterne, was bei Amazon ja unter "Es ist okay" läuft.