Der aktuelle und zukünftige Wert eines Unternehmens wird entscheidend von der Qualität seiner immateriellen Vermögensgegenstände determiniert. In einer Zeit, in der sich Produkte und Dienstleistungen immer ähnlicher werden, kommt insbesondere der Marke eine entscheidende Bedeutung für die Sicherung und Steigerung des Unternehmenswertes zu. Vor diesem Hintergrund erscheint es unverständlich, dass die meisten Unternehmen den Werttreiber „Marke" so sträflich vernachlässigen. Dies zeigt sich nicht nur, aber vor allem im Bereich des Risikomanagements. Marken sind sensible und fragile Systeme und werden durch vielfältige Gefahren bedroht - sie zu schützen sollte eigentlich zentrales Ziel eines ganzheitlichen und proaktiven Risikomanagements sein. Dass dies bisher nicht oder allenfalls ansatzweise geschehen ist, mag unter anderem daran liegen, dass noch nicht einmal eine halbwegs umfassende und brauchbare Systematisierung der vielfältigen Markenrisiken vorlag - ganz zu schweigen von adäquaten Instrumenten, die ein wirksames Markenrisikomanagement ermöglichen würden.
Diese Lücke wird von dem vorliegenden Buch geschlossen. Zunächst stellen die Autoren ihr Verständnis der Marke als komplexes und lebendiges System dar. Dem routinierten Markenexperten mag hier zwar der eine oder andere Aspekt bekannt vorkommen, insgesamt leisten die Darstellungen im Grundlagenteil jedoch einen wertvollen Beitrag zum Verständnis der darauf aufbauenden Kapitel. Im Anschluss werden die wesentlichen methodischen Ansätze und Instrumente eines Markenrisikomanagements erläutert. In diesem Zusammenhang lautet die zentrale Botschaft, dass Risiken primär aus einem Verlust der Selbstähnlichkeit der Marke resultieren. Kunden gewöhnen sich im Allgemeinen nur langsam an die ganz spezifischen Werte einer Marke und deren Manifestation im Markenauftritt. Dementsprechend führen radikale Veränderungen der Markenwerte und/oder der Markenstilistik praktisch zwangsläufig zu Irritationen der Stammkunden. Somit tritt häufig der Fall ein, dass die versuchte „Verjüngung" der Marke ihre Stammkunden verprellt, ohne Neukunden zu erreichen. Die von den Autoren propagierten Ansätze versuchen daher, die wesentlichen Werte einer Marke herauszuarbeiten und kontinuierlich weiter zu entwickeln. Die vorgestellten Instrumente decken dabei den gesamten Risikomanagement-Zyklus ab - von der Identifikation über die Bewertung bis hin zur Steuerung und proaktiven Vermeidung von Risiken.
Das zentrale Thema des anschließenden vierten Kapitels bilden die eigentlichen Risikofaktoren, durch die Marken gefährdet sind. Die Systematisierung dieser Markenrisiken orientiert sich dabei an den unterschiedlichen Subsystemen des Markensystems: Produkt/Sortiment/Service, Preis, Distribution, Design und werbliche Kommunikation sowie Kundschaft. Für Markenverantwortliche und Risikomanager dürfte diese ausführliche Darstellung den wohl größten Nutzwert des Buches darstellen. Anhand zahlreicher ausführlicher Beispiele werden die zentralen Markenrisiken anschaulich, teilweise sogar unterhaltsam präsentiert. In diesem Zusammenhang wird abermals deutlich, dass eine Beschädigung des Markensystems fast immer aus einer Verletzung des Prinzips der Selbstähnlichkeit resultiert. Diese These illustrieren und belegen die Autoren nicht nur durch Negativ-Beispiele, sondern zeigen anhand zahlreicher Erfolgsgeschichten ebenfalls auf, wie durch eine stringente und selbstähnliche Markenführung die wirtschaftlichen Potenziale der Marke auch tatsächlich ausgeschöpft werden können. Zusätzlich wird der komplexe Bereich der rechtlichen Risiken (Markenschutz) ausführlich und gut verständlich in einem eigenen Kapitel abgehandelt.
Insgesamt kann das Buch sowohl Markenverantwortlichen als auch Risikomanagern nur empfohlen werden. Ersteren wird es die Risiken stärker ins Bewusstsein rücken, denen der wertvollste Vermögensgegenstand ihres Unternehmens ausgesetzt ist. Letztere werden für die Tatsache sensibilisiert, dass ein ganzheitliches und proaktives Risikomanagement diese Bezeichnung erst dann verdient, wenn es tatsächlich auch alle potenziellen Gefährdungen für das Unternehmen berücksichtigt. Und dies schließt nun einmal explizit den essentiellen Bereich der immateriellen Vermögensgegenstände im Allgemeinen und der Marke im Besonderen ein. Beide Adressaten erhalten schließlich nicht nur eine methodisch saubere und gut verständliche Analyse der vielfältigen potenziellen Markenrisiken, sondern auch zahlreiche wertvolle Hinweise zu deren intelligentem Management.