Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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28 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die bisher beste soziologische Gegenwartsdiagnose, 24. November 2000
Von Ein Kunde
Soziologische Arbeiten zu gegenwärtigen Gesellschaftskulturen haben zur Zeit Hochkonjunktur und die Zahl der Bindestrichgesellschaftsbegriffe ist in den 90er Jahren explosionsartig angestiegen. Die Bandbreite reicht von der Arbeitsgesellschaft über die Erlebnisgesellschaft und Leistungsgesellschaft bis zur Zivilgesellschaft. Ulrich Beck hat sich mit seinem 1986 erschienen Buch „Die Risikogesellschaft" schon sehr zeitig in diese Reihe eingereiht, seiner Konzeption der modernen Gesellschaft des späten zwanzigsten Jahrhunderts aber die meiner Meinung nach umfassenste und schlüssigste theoretische Grundlage unterbaut. So behauptet er einen radikalen Kontinuitätsbruch in der Entwicklung der Moderne, welcher die Trennung von Erster und Zweiter Moderne rechtfertigt. Waren es in der Ersten Moderne die Traditionen und die Strukturen einer vorindustriellen und vormodernen Gesellschaft, die im Zuge der Industrialisierung und Modernisierung aufgebrochen wurden, so geraten nun die Traditionen und Strukturen der Moderne selbst unter den Druck des sozialen Wandels. Beck kennzeichnet diesen Prozeß mit dem Begriff „Reflexive Modernisierung". Diesen sozialen Wandel weißt Beck nun in allen wichtigen gesellschaftlichen Teilbereichen und in der Veränderung ihrer Beziehungen untereinander nach. Als Schlagwort bekannt geworden, ist der Begriff der Individualisierung, der nichts anderes meint, als daß der Mensch in der Zweiten Moderne aus den Traditionen und Strukturen der Ersten Moderne, der industriegesellschaftlichen Moderne entlassen wird und damit ein hohes Maß an Sicherheit und Orientierung verliert. Dieser Prozeß wird nun von Beck aber in den Zusammenhang von vermehrter Produktion von Umweltrisiken und -bedrohungen, Umstrukturierungen des Arbeitsmarktes und des Arbeitsverhältnisses allgemein und der Politik gestellt, der die Radikalität des Wandels, der uns heute noch tagtäglich umweht deutlich macht. So enthält dieses Buch fruchtbare Ansätze für viele andere Bereiche der Soziologie, wie Wirtschafts- und Industriesoziologie, Soziologie persönlicher Beziehungen, Erziehungssoziologie, Kultursoziologie u. a. m. Das Buch ist nicht perfekt, der weitgespannte Rahmen läßt natürlich eine gewisse Tiefe vermissen, was dem allerdings Autor nicht negativ anzurechnen ist. Es ist vielmehr auch die Stärke des Buches, daß andere Autoren, die einige Lücke ausfüllen oder die Analysen tiefer vorantreiben, in dieses umfassende Konzept der Risikogesellschaft eingeordnet werden können und damit läßt sich dann auch ein wenig Orientierung bringen in die Flut von Gesellschaftsbegriffen. Fazit: Das Buch läßt begriffliche Schärfe, exakte empirische Überprüfung von Hypothesen, vermissen, ist ein wenig unstrukturiert und nicht frei von Wiederholungen. Und ich glaube, Ulrich Beck hat es auch nicht geschrieben, um den Methodikern in den Sozialwissenschaften eine Freude zu machen. Sein Werk bringt eine sensible Zeitdiagnose, die heute, fünfzehn Jahre später nicht obsolet ist, es wagt Prognosen, die heute als zutreffend angesehen werden können, und es vermittelt ein grundlegendes Verständnis von der Zeit, in der wir alle leben.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Diagnose des gesellschaftlichen Wandels am Puls der Zeit, 12. Dezember 2005
Ulrich Beck hat mit "Risikogesellschaft" eine treffende Analyse des Zeitgeistes im auslaufenden 20. Jahrhundert geliefert. Das Buch fasst das allgemeine Unbehagen angesichts des Wandels der Gesellschaft in soziologische Begriffe. Praktisch zeitgleich mit der Umweltkatastrophe von Tschernobyl erschienen, löste das Werk in der Öffentlichkeit ein ungewöhnlich starkes Echo aus. Beck beschreibt einen radikalen Bruch in der Moderne, in der sich die Industriegesellschaft selbst gefährdet, indem der wachsende Fortschritt bedrohliche Risiken produziert. Durch die zunehmende Individualisierung lösen sich gesellschaftliche Formen wie Klasse, Familie, Partei und Beruf auf. Jeder Einzelne sieht sich, unabhängig von seiner sozialen Position, immer stärker unsichtbaren ökologischen Risiken ausgesetzt, für die niemand direkt verantwortlich zu sein scheint. Angesichts der schwindenden Kontrolle von Politik und Wissenschaft über diese Bedrohungen fordert der Autor eine "reflexive Modernisierung", in der sich die Gesellschaft der Gefahren bewusst wird, sodass eine verantwortliche Veränderung möglich wird. Das Schlagwort "Risikogesellschaft" traf den Nerv einer Generation. Aber auch Jahrzehnte nach seinem Erscheinen erhellt das Buch noch unseren Weg in die Moderne.
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30 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Alleine schon zum Kritisieren wunderbar, 4. August 2003
Wer in der Soziologie oder verwandten Wissenschaften mitdiskutieren möchte, sollte Beck gelesen haben - im Original. Allerdings ist die "Risikogesellschaft" ungeheuer langatmig (eben ganz im Stil der Wissenschaft) und trägt nicht immer zur begrifflichen Präzision bei: Hier könnte Beck noch einiges von den Philosophen lernen, denn nach 373 Seiten reiner Text ist eine Definition von Begriffen wie "Individualisierung" oder "soziale Ungleichheit" noch immer nicht in Sicht. Dafür entschädigt der Preis ganz erheblich. Für die Kritiker sei zweierlei zum Trost anzufügen. Erstens: Wem die "Risikogesellschaft" zu langatmig ist, kann getrost auf die "Kurzfassung" [jenseits von Stand und Klasse, ca. 40 Seiten]zurück greifen. Beck hat mit der "Risikogesellschaft" "nur" eine erweiterte Fassung seines einschlagenden Artikels von 1983 vorgelegt, die wohl eher von Liebhabern freiwillig und von gequälten Studenten unfreiwillig verschlungen (oder heruntergewürgt) wird. Zweitens: Das Buch gehört zwar zu den Klassikern der Soziologie, ist aber - eben wie alle Klassiker - nicht auf dem neuesten Stand der Dinge. Allzu viel Kritik an "dem Weg in eine andere Moderne" erübrigt sich damit, weil jeder für sich selbst beurteilen kann, ob und in wie weit Becks teilweise äußerst düstere Prophezeihungen über die Risiken quer zu allen Schichtlagen eingetroffen sind.
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