B-Real, Sen Dog, DJ Muggs, Bobo. Das sind die Namen der vier Musiker die mittlerweile seit über 22 Jahren in der Rap und HipHop Szene unterwegs sind. Wer sich selbst als Fan von US-amerikanischen HipHop bezeichnet kennt die Herren nur zu gut und weiß auch, dass sie uns zuletzt viel zu lang auf neues Material warten ließen. Seit mittlerweile gut sechs Jahren warten wir auf Neues von den Latinos.
Album Nummer 8, RISE UP, steht jetzt also in den Regalen. Wie schlägt es sich?
Wenn man die Ankündigung eines neuen Cypress Hill (CH) Album mitbekommt fragt man sich v.a. eins: Welcher Stil darf es diesmal sein? Nach reinen HipHop Alben, Metal- und Reggae-angehauchten und sogar einem Album rein auf Spanisch (mehr eine Compilation) ist das eine berechtigte Frage bei vielseitigen Künstlern wie CH.
Um eins vorweg zu nehmen: Sehr viele Stile.
Ich hatte eine große Befürchtung. Nachdem sie bereits viele hochkarätige Tracks veröffentlicht haben (It Aint Nothin, Rise Up, Armada Latina) dachte ich der Rest sind Lückenfüller - ich habe mich gewaltig getäuscht.
RISE UP beginnt mit "It Ain't Nothin'" mit einer bekannten Single. B-Real, Sen Dog und Young De (kennt man vom B-Real Soloalbum) rapppen hier über ein Brett von Beat von B-Real selbst. Würdige erste Single die auf ein Album der Extraklasse einstimmen.
Mit "Light It Up", produziert von Pete Rock, kommt was auf keinem CH Album fehlen darf, ein Track für Raucher (d.h. der erste). B-Real und Sen Dog zeigen auch hier wieder was sie ausmacht, unglaublich harmonische Wechsel im Vers. Hochkarätiger HipHop.
Und jetzt kommt was ich bereits angesprochen habe, ein Stilwechsel. Wer Rage Against The Machine kennt, kennt Tom Morello. Und so hört sich auch "Rise Up" an, wie ein Track direkt vom RATM Album. Wahnsinnig eingängiger Bass gepaart mit der unverkennbaren Morello Gitarre.
Auch "Get It Anyway" (prod. von Jim Jonsin) überzeugt auf ganzer Linie. Hier ist besonders der tolle Refrain hervorzuheben. Über die Genialität eines Jim Jonsins muss ich hier nicht referieren, aber auch hier ist automatisches Kopfnicken vorprogrammiert.
Raucher Track #2: "Pass the Dutch" wird von Evidence und The Alchemist (egtl. ein Producer) gefeattured. Einer von nur 2 (!) Tracks bei denen DJ Muggs & DJ Khalil an den Reglern tätig waren. Kein Track wird jemals den Status eines "Hits From The Bong" erreichen, aber dieser hier ist nah dran, anhören!
Die folgenden drei Tracks "Bang Bang", "K.U.S.H." und "Get Em' Up" bleiben dem typischen CH Sound treu, sind hervorragende Songs und auch absolut keine Lückenfüller. Allerdings blieben diese mir nicht so im Gedächtnis wie die Folgenden.
"Carry Me Away" ist wieder eine Stilwende. Hier geht's mit Mike Shinoda von Linkin Park sehr ruhig zur Sache. Ruhige Lieder von CH sind ja eher die Mangelware, aber nach diesem hier fragt man sich wieso. Wunderschönes Lied, toll zum Abschalten und zurücklehnen.
Nach gut vier Minuten wars das dann aber auch mit dem Zurücklehnen. Ihr hasst jede Art von Heavy Metal? Dann seid nicht blöd und hört euch den Song trotzdem an. Ich gebe zu, ich bin absolut kein System of A Down Fan, aber auch hier zeigt sich wieder eins: CH können mit absolut jedem Stil ein hochqualitatives Crossover machen. "Trouble Seeker" macht mir extrem Lust auf ein komplettes Rock-Album von CH, ähnlich wie wir es auf der zweiten CD von Skull&Bones bereits hatten. Das hier ist ganz klar Geschmackssache, aber meinen trifft es zumindest voll. Für mich DER Song des Album. Hört ihn euch unbedingt an.
Muggs & Khalil zum zweiten. Auch "Take my Pain" ft. Everlast ist ein Top-Track. Langsam gehen mir allerdings die Lobesphrasen aus. Ich persönlich hätte mir aber Everlast nicht nur im Refrain singend gewünscht.
"I Unlimited" pumpt im Vergleich zu den vorangegangenen Songs mit mehr BPM. Auch hier war wieder B-Real produzierend tätig. Wie auch bei "Armed & Dangerous". Er macht seinen Job sehr, sehr gut.
Mit "Shut Em' Down" kommt der zweite RATM Track. Ich finde diese Kombination unerwartet passend. Wer nicht gerade extremst abgeneigt gegen diese rockigen Sound ist findet auch hier einen der besten Tracks vom Album. (Warum hab ich danach nur meine alten Public Enemy Platten heraus gekramt?)
Den krönenden Abschluss bildet "Armada Latina" ft. Pitbull und Marc Anthony. Genau wenn man sich wundert wo der obligatorische Latino-Track bleibt kommt das hier. Sommerstimmung garantiert. V.a. diese geniale Sample im Beat ist zu erwähnen. Wegen mir hätten sie gerne auf Pitbull verzichten können, aber das macht Marc Anthony mit einem genialen Refrain wieder wett.
Nach 15 Track hier eine kleine Zusammenfassung:
1) Erstaunlich wenig DJ Muggs Produktionen. Aber durch extrem gute Alternativen ist das alles andere als ein Kritikpunkt.
2) Manchen mögen die vielen Rock- und Metal-Crossover womöglich zu viel sein, aber auch das ändert nichts an der innovativen Mischung die einem RISE UP bietet.
3) Keine Skits, zum Glück.
4) Keine Skips! So etwas gibt es zumindest bei mir extrem selten (zuletzt bei Ice Cubes Raw Footage ... 2008)
5) Als Gesamtkunstwerk ein eindeutiges Cypress Hill Album. So kann man seinem Stil treu bleiben aber gleichzeitig nicht auf der Stelle stehen bleiben.
Für mich ist RISE UP ohne wenn und aber DAS bisherige Top-Album von 2010. Die nicht mehr ganz so jungen Herren liefern hier einen Klassiker ab. Ich hoffe ich konnte euch von der Qualität dieser Platte überzeugen. Wenn nicht: Kauft sie euch und überzeugt euch selbst. Ihr werdet es nicht bereuen.