hinterläßt die Musik von A. Shankar den Zuhörer. Er hat etwas gehört, was es so noch nicht gab. Aus der Musik klingt große Behutsamkeit heraus, Zartheit und Transparenz. Hier und da ist sie auch mutig. Hier hört man einem Künstler zu, der sich ohrenscheinlich zwei Dingen verpflichtet fühlt: dem Namen des Vaters und der großen Tradition der klassischen indischen Musik.
Sicherlich, es gibt und gab die Wegbereiter, die musikalischen Weltenbummler insbesondere aus Deutschland, Embryo, Die Dissidenten, gelegentlich Helmut Hattler und Torsten DeWinkel. Aber bei diesen Musikern fließt die traditionelle indische Musik nicht von Geburt an in den Adern, sie nähern sich den Rhythmen und Klanggebäuden von außen und - pardon - stülpen sie westlichen Rock- und Jazzklangkörpern über. Zugegeben, das tun sie - wie bei den Disssidenten - äußerst gekonnt! Wie unglaublich vorsichtiger klingt das bei A. Shankar! Diese "Vorsicht" äußert sich auf der CD wie folgt: Stücke von nahezu unverfälscht klassischer Natur - im Stile von Ravi Sh. - wechseln ab mit "mutigen" Strukturen, die, bedingt durch die unmittelbare Nähe, um so aufregender wirken. Genau hier wird aber deutlich, daß man sich A. Shankar noch etwas deutlicher präsent wünscht, nicht nur stimmlich. Sie geht mit ihren Möglichkeiten meines Erachtens etwas zu zögerlich um! Wohlmeinend könnte man sagen "im Dienste des Songs erfolgt hier vollkommene Anpassung". Die Musik wird dann interessant (für westliche Ohren), wenn etwas "Schärfe" hinzukommt, hervorgerufen durch tanzbare Rhythmen und westlicherem Instrumentenpark. Und trotzdem fehlt auch hier eine gewisse Strukturierung, die das Klanggebäude zu einem Song mit einem Höhepunkt, einer "Melodielinie", einem Charakteristikum macht. Hier eine Notwendigkeit, die die Annäherung an das Westliche mit sich bringt, sonst bleibt es lediglich hintergründig.
Eine CD also, mit einem Künstler, der sich stilistisch noch in der Entwicklung befindet. Im Gegensatz zu manch "fertigen" Produktionen ist es jedoch sehr aufregend zu hören, wie sich hier und da das andeutet, was aus der Musik von A. Shankar einmal werden könnte! Futuristische Assoziation: East meets west, eine Begegnung von A. Shankar mit dem Sphärenkünstler und Klanggebäudebastler Eivind Aarset, der sich auch schon aufgemacht hat, finnische Soundimpressionen orientalischen Musikern zur Verfügung zu stellen.
Es würde mich interessieren, ob sich A. Shankar auf der Bühne eindeutiger präsentiert.