Jetzt, da der Ruf nach neuen The XYZ's immer leiser zu werden scheint, kommt die frohe Botschaft gerade recht: das neunte Studioalbum von Primal Scream ist vollendet und macht schon mit dem Titel deutlich, was Phase ist: "Riot City Blues" heißt das gute Stück und so klingt es auch.
Mit diesem Album hatte wohl keiner mehr gerechnet. Hatte die Band doch vor vier Jahren nach "Xtrmntr" und "Evil Heat" ihren elektronischen Tiefpunkt erreicht. Es folgte das Best Of, was als Anzeichen dafür gedeutet werden konnte, dass Primal Scream endgültig ausgeschrien haben.
Doch siehe da, als hätte es die experimentellen Ausbrecher nie gegeben, liefern uns Bobby Gillespie & Co. ein Werk, das eigentlich auf "Give Out But Don't Give Up" hätte folgen sollen. Rock-und-rotzig, urban-bluesig wie in guten alten Zeiten. In gerade mal zehn Tagen vertonte man die neuen Songs in den Olympic Studios in London, mit tatkräftiger Hilfe von Altmeister Youth, der bereits für Bands wie The Verve oder Embrace sein Produzentenzepter schwang.
Schon der Opener "Country Girl", zugleich auch die erste Single, repräsentiert den Sound der gesamten Platte. Velvet Underground und die Rolling Stones schießen einem durch den Kopf. "Good time Rock'n'Roll" nennt Bassist Mani das treffend. Auch das zweite Stück "Nitty Gritty" fetzt mit rebellischen Gitarren durch das Ende der 60er. Als einzige Ballade bildet "Sometimes I Feel So Lonely" das Schlusslicht des Albums und lässt das Werk nach atemlosen 42 Minuten würdig ausklingen.
Musikalische Unterstützung erhielten Primal Scream diesmal von Will Sergeant (Echo & The Bunnymen), Alison Mosshart von The Kills sowie Warren Ellis von den Bad Seeds, der bei "Hell's Comin' Down" zur Geige griff. "Let's have a good time" heißt es in "Dolls" und damit bringt es dieser Song eigentlich auf den Punkt. Denn diese Platte macht einfach Spaß. Und man mag es kaum abwarten, irgendwann in den Live-Genuss der neuen Stücke zu kommen.- Maggie Gernatowski -