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Riot Act ist wieder so eines geworden, eine zunächst unspektakuläre, sich mit mehrmaligem Anhören entfaltende Angelegenheit zwischen immer noch stellenweise aufschäumendem Zorn und in sich ruhender Spiritualität. Knarzige, trocken produzierte Rocker wie "Can't Keep", "Save You", das ratternde "Green Disease" oder das vertrackt synkopierte "1/2 Full" stehen neben in warmen Harmonien schwelgenden und klanglich breitbandigen Songs wie "Love Boat Captain", der Single "I Am Mine" oder dem spukig wummernden "You Are". Einer der besten Songs des Albums, "Cropduster", überrascht freudig mit Country-Harmoniegesang und in "Bushleaguer" macht sich Eddie Vedder über ein paar politische Dinge Luft. Überhaupt Vedder: Je älter und unangestrengter der Mann mit der Brummstimme wird, desto lieber hört man ihm zu. Vokal-Posing hat der nicht mehr nötig. Da könnten sich die Nickelcreed-Klone mal eine Scheibe oder zwei abschneiden. --Josef Winkler
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Und ein wenig freut man sich dann doch, wenn die Namensliste sich seit so vielen Jahren nicht geändert hat und Eddie Vedder zwar reichlich gealtert und resigniert klingt (liegt's an der neuen Frisur?), trotzdem aber die alte Pearl Jamsche Leidenschaft und Energie noch erkennbar ist. Was an "Binaural" immer etwas lustlos und müde klang ist auf "Riot Act" wieder zum Leben erwacht, die Stimmung ist ähnlich düster und trist, jedoch auch voller Wärme und Geborgenheit; so in sich gekehrt wie "no code" und so gefühlvoll wie die schönsten Momente auf "binaural" und "ten", so könnte man es sagen.
Viel ist passiert seit dem letzten Album, unter anderem der Roskilde GAU, dessen Opfern die Band das Stück "Love Boat Captain" gewidmet hat, ein mit der Zeit immer größer werdendes Stück, je öfter es gehört wird umso höher türmt sich der Schmerz der Band auf, es wird deutlich, dass das Trauma noch nicht vergessen ist, es ist sogar überall auf "riot act" zu hören, neben etwas anderem, "love" nämlich, denn, wie Herr Vedder so treffend bemerkt: "It's already been sung, but it can't be said enough, all you need is love".
Die Single "i am mine" intoniert Eddie Vedder in nie gehörter stimmlicher Tiefe und mit überraschend gelungener Intensität, die Band begleitet im 3/4tel Takt, und das klingt wie die "elderly woman...", nur viel schöner und resignierter. "me, i figure as each breath goes by, i only own my mind... i am mine" heisst es hier, später wird es klassisch rockig, aber nie überzogen oder mit großen emotionalen Ausbrüchen verbunden, subtil schwingt die Trauer im Hintergrund mit, oder auch das andere große Gefühl. In "you are" zum Beispiel, in denen die Herren McCready und Gossard ihre Gitarren so perkussiv und catchy spielen wie noch nie und Eddie Vedder sich im Refrain in unbekannte Tonhöhen begibt, zu fliegen scheint er, umherdriftend, ein wenig fast wie sein Kollege Bono klingt das. "love is a tower, you are the key leading me higher... let me in"
"Thumbing my way" ist dann ist das Stück, das zu Tränen rührt, Eddie Vedder scheint so resigniert wie selten zuvor, ehrlicher denn je, völlig ungeschminkt und ohne Maske... nur er und seine Gitarre... und (es fällt immer schwierig, so etwas bei einem der neueren Lieder zu sagen) vielleicht ist der Band hier neben "black" und "present tense" ihr traurigstes, mitreißendestes und gefühlvollstes Stück gelungen. "i can't be free with what's locked inside of me, if there's a key you took it away" und dann "there's no right or wrong, but i'm sure there's good and bad". Zum Weinen schön.
Und wer wirklich noch etwas Energie loswerden will kann das bei Stücken wie "save you" oder "green disease" tun, punkig-rotzig ist's Gott sei Dank nicht mehr, muss es ja auch nicht. "bu§hleaguer" kommt übrigens mit groovy Sprechgesang daher und ist das obligatorische politische Statement, eher unterschwellige Wut, die hier fast zynisch mitschwingt.
Ja, da sind sie wieder, und es sind immer noch Pearl Jam. Schon wieder klingen sie anders, und immer noch kann man sie wieder erkennen, so wie man es auf jedem Album konnte, obwohl auch diese alle ausnahmslos anders klangen als der jeweilige Vorgänger. Das Altern in Würde, dieser Band ist es gelungen wie wenigen anderen, und es wäre riskant zu sagen, dass diese Band den Höhepunkt ihres Schaffens überschritten hat. So gesehen hat dieser noch gar nicht eingesetzt, die Kurve ist konstant hoch angesetzt. Eine der essenziellen CDs dieses Jahres.
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