Nach seinen Solo-Exkursionen mit Evergreens ("Sentimental Journey") und Country ("Beaucoups of Blues", beide 1970) war dies Ringos erstes "richtiges" Pop-/Rock-Album, und in gewisser Weise erwies es sich als Blaupause für Ringos Erfolgsrezept als Solokünstler: wie in den Folgejahrzehnten noch so oft, schaffte er es hier erstmals, eine so große Zahl an illustren Rock-Größen für sich schreiben und musizieren zu lassen, dass im Jahre 3 nach der Trennung der Beatles nicht viel schief gehen konnte. An den Aufnahmen beteiligt waren The Band (!), Billy Preston, Harry Nilsson, Nicky Hopkins, Klaus Voormann, Marc Bolan, Bobby Keys, Martha Reeves, um nur die bekanntesten zu nennen...
...ganz zu schweigen von der regen Beteiligung der übrigen Ex-Beatles: alle drei sind mit Kompositionen und instrumentalen Beiträgen derart präsent, dass seinerzeit eine Wiedervereinigung der Beatles in greifbare Nähe gerückt schien. Das zeigt sich vor allem beim ersten Titel, I'm the Greatest (der "heimliche" Albumtitel, in dem Ringo in bester "Sgt. Pepper's"-Manier singt: "Yes my name is Billy Shears / it has been for so many years"): nur Ringo hatte genug Selbstironie, um diesen von John Lennon geschriebenen Song glaubwürdig und mit Spaß rüber zu bringen. Und hätte nicht Klaus Voormann, sondern Paul McCartney den Bass gespielt, dann wäre die originale Besetzung der Beatles zur Zeit der "Let it be"-Sessions (inkl. Billy Preston) auf einer Aufnahme vereint gewesen. (Maximal drei Ex-Beatles in einem Song waren erst 1981, auf George Harrisons All those Years ago, wieder vereint.)
George Harrison z.B. komponierte zusammen mit Ringo Photograph, einen der beiden Nr. 1-Hits aus dem Album, spielte darauf Gitarre und sang mit; zu dem anderen, You're sixteen, steuerte Paul McCartney (der auch Six o'Clock schrieb und darauf mitspielte) zwei herrlich alberne Kazoo-Soli bei, die die ausgelassene Stimmung des Albums unterstreichen. (John Lennon schickte Ringo zu seinem Nr. 1-Erfolg mit Photograph ein Glückwunschtelegramm mit der Bitte, ihm auch einen Hit zu schreiben!)
Klaus Voormann gestaltete für die Original-LP ein üppiges Beiheft mit schönen Illustrationen zu jedem Song (die auf der UK-CD stiefmütterlich klein abgebildet sind, ganz zu schweigen vom Fehlen der Songtexte; die US-CD wird beidem gerechter).
Zu den Bonustracks: die B-Seite von Photograph, Down and out, wurde auf der UK-CD direkt hinter Photograph programmiert und fügt sich nahtlos ins Album ein; die US-Version listet den Titel im Anhang. Beide Versionen beinhalten zusätzlich mit It don't come easy/Early 1970 (in dem er bereits über die drei anderen Ex-Beatles singt) Ringos schönste Single ('71), und so lässt sich sagen, man hat Ringos beste Aufnahmen komplett auf einer CD. (Erst 2003 mit "Ringo Rama" erreichte er wieder einen ähnlichen Qualitätsstandard.) Anders als bei der UK-Version werden auf der US-Ausgabe die letzten beiden Titel, Devil Woman und You and me (Babe) ineinander übergeblendet und haben etwas abweichende Laufzeiten.
Bleibt nur noch zu wünschen, dass dieses Album (bereits '91 auf CD erschienen) möglichst bald so liebevoll remastert erscheint wie 2007 seine Best of-CD "Photograph".