Ringo im Jahr 2012...und wieder ein grundsolides Album, wie man es vom Ex-Beatle erwartet. Gewohnt gelassen, gut rockend und gute Laune versprühend.
Dass Ringo in Sachen Komponieren und Texten nie der allerbeste war, steht außer Frage. Jedoch kann man sagen, dass er sich seit "Time Takes Time" doch wirklich verbessert hat. Mit dem Vorgänger Y NOT erreichte diese Tendenz bislang ihren Höhepunkt.
Nun im Jahre 2012 kommt eben jenes Album daher mit gleichem Titel, und soll eine Anspielung auf Ringo selbstbetitelten (wirklichen) Erstling von 1973 darstellen. Zwar erreicht Ringo hier längst nicht die Klasse seines ersten Album, aber einen Totalausfall haben wir natürlich auch nicht.
Mit dem rockigen "Anthem" beginnt nun also die (leider nur) 28 minütige Tour durch Ringos musikalische Ergebnisse im Weltuntergangsjahr. Zwar ist der Song keine wirkliche Hymne wie im Text angekündigt ("this is an anthem! for peace and love..."), aber besagtes Peace & Love-Gefühl kommt schon ein wenig auf und schon kommt einem der Song sehr sympatisch vor.
Die erste Single "Wings" erweißt sich als gute Entscheidung, sehr eingängig und mit einem leichten Reggae-Hauch versehen, dazu ein tolles Gitarrensolo.
Der knapp 2 minütige Zwischenwurf "Think It Over" kann man eher als Lückenfüller betrachten, und das danach folgende "Samba" klingt eben wie der Titel: beschwingt, südlich und fröhlich, allerdings auch etwas flach.
Der nächstbessere Song ist wohl "Rock Island Line", wenn auch ein Cover, hört man hier Ringo und seiner Band die Spielfreude wirklich heraus. Ein klassicher kleiner Rock 'n' Roll Song, nett anzuhören.
Bei "Step Lightly" war ich überrascht, da er eine Neuaufnahme eines Songs von 1973 ist, und eigentlich fast genauso wie vor 39 Jahren klingt. Bis auf die moderne Produktion ist also wie immer alles beim Alten.
"Wonderful" ist ein schöner Pop-Song, erinnert mich ein bisschen an "Photograph", nur mit weniger Bombast und erdigerer Instrumentation.
Und ja, es kommt wie es kommen muss, Ringo hat wieder einen Song am Start, der deutlich von der Beatles-Zeit beeinflusst ist und wieder eine Hommage an seine Heimat darstellt: "In Liverpool" singt Ringo sehr schön, ruhig gehalten, und eines sticht besonders raus. Der Song ist ehrlich und kommt von Herzen, das merkt man hier besonders. Für mich der stärkste Song auf der Platte. Des weiteren reiht er sich zusammen mit "Liverpool 8" (2008) und "The Other Side of Liverpool" (2010) in eine Art fiktive (oder gewollte?) Trilogie ein, also sozusagen die "Liverpool-Trilogie". "Slow Down" beendet die kurze Tour angenehm rockig und flott und nach 28 Minuten ist auch schon Schluss.
"Ringo 2012" bietet genau das, was man vom Altmeister heutzutage erwartet: Gewohnt gundsolide und ehrliche Rockmusik, die nie schwer ist, nicht textlich tiefgründig und ganz und gar nicht komplex. Es ist Musik, die einfach Spaß macht bei Hören, und wo man die Spielfreude der Musiker noch deutlich heraushört. Die Produktion ist druckvoll und klar, jedoch fällt es von der Qualität beim Songwriting geringfügig ab im Vergleich zum grandiosen Vorgänger. Nichtsdestotrotz liefert Mr. Starkey anno 2012 ein wirklich nettes neues Album.
4 Sterne, denn Y NOT ist eben doch das Überlegenere. Bin gespannt, ob uns noch weitere solcher netten Album bevorstehen. Könnte gut sein, Ringo wird ja selbst mit über 70 noch kein bisschen müde...