Karin ist 13 Jahre alt und genießt ihr Leben in den frühen 60er Jahren bei Hamburg in vollen Zügen. Baden am Strand, Spaß mit der besten Freundin, und sich in Anwesenheit der größeren Jungs fast wie eine Frau fühlen. So muss das Paradies sein. Doch die sorgenfreie Zeit beginnt ihr Ende zu finden, als sie sich zunehmend mit der deutschen Weltkriegsgeschichte beschäftigt. Der Eichmann-Prozess, die Mauer durch Berlin, pltzlich hält der Ernst der Politik Einzug in das Leben des vorher so sorglosen jungen Mädchen. Als im Verlauf einer Sturmflut das Mädchen einiges über die Vergangenheit ihrer Familie im 2. Weltkrieg erfährt, wünscht sie sich, manche Gedanken einfach verhindern zu können...
Der Jugenroman von Kerstin Boie "Ringel, Rangel, Rosen" führt den Leser mit sanften Worten durch das Gefühlsleben der jungen Karin, wirft viele Fragen auf und lässt bis zum Schluss einige davon unbeanwortet. Fragen, die sich der geneigte Leser selbst beantworten kann: Wie geht man mit der Kriegsgeschichte um? Müssen wir noch mit ihr umgehen? Warum hat man damals nicht alles verhindert? Zeitlose Fragen, deren Beantwortung unendlich schwer fällt. Während wir Karin begleiten auf ihrem eigenen Weg, mit solchen Themen umzugehen, lernen wir weitere Charaktere kennen und ihre Art, ihr Leben weiter zu leben. Die Nachbarin aus Ostpreußen, die ihre Heimat verloren hat. Der nette Onkel von neben an, immer zu einem Spaß aufgelegt, war bei der Waffen-SS.
Der Roman ist beeindruckend vielschichtig, aber er wirft einen niemals mit Wucht um. Kerstin Boie behandelt das Thema sanft, die Kraft ihres Romans dringt in den Leser ein, aber erschlägt ihn nicht.
Ein Roman, der zum Nachdenken anregt, und definitiv für Leser und Leserinnen von 12 Jahren aufwärts zu empfehlen. Auch Erwachsene sollten sich nicht scheuen und mal einen Blick riskieren, denn ein weiteres Mal zeigt sich dass so mancher Jugenroman einen Großteil der "Erwachsenenbücher" in die Tasche steckt.