"The Ring" wurde im Jahre 2002 von dem Regisseur Gore Verbinski, der auch für die "Fluch-der-Karibik"-Filme verantwortlich ist, gedreht und basiert auf einem japanischen Film von Hideo Nakata. In den USA hat man bekanntlich ein Faible für Remakes, vielleicht weil man sich die Namen der ausländischen Schauspieler nicht merken kann, und nicht immer sind diese Remakes gelungen, doch für "The Ring" trifft dies im großen und ganzen zu.
Zur Handlung: Die Journalistin und alleinerziehende Mutter Rachel Keller (Naomi Watts) wird von ihrer Schwester gebeten, den Tod ihrer Nichte zu untersuchen, die unter merkwürdigen Umständen gestorben ist. Recht schnell fällt ihr bei ihren Nachforschungen ein eigenartiges Videoband in die Hände, das einige scheinbar zusammenhanglose Szenen zeigt, die allesamt einen surrealen Charakter haben. Den Gerüchten von Freunden des toten Mädchens zufolge soll jeder, der sich dieses Band ansieht, einen Anruf mit der Mitteilung "Sieben Tage" erhalten und genau eine Woche später sterben. Auch Rachel bekommt, kaum hat sie sich das Band angesehen, diesen Anruf. Ihr Ex-Freund Noah (Martin Henderson), den sie bei ihren Nachforschungen zu Rate zieht, sieht sich ebenfalls das Video an, und unglücklicherweise kann Rachel nicht verhindern, dass sich auch ihr Sohn Aiden (David Dorfman) den Film anschaut. Von nun an gilt es für Rachel also, in einem Wettlauf mit der Zeit das Rätsel hinter dem mysteriösen Band zu ergründen, wobei sie schnell auf die Spur eines geheimnisvollen Mädchens namens Samara (Daveigh Chase) stößt, das seinen Pflegeeltern aufgrund wirklich schlechten Karmas nur Unglück brachte und von seiner Ziehmutter in einen Brunnen geworfen wurde. Kann Rachel das Unglück von sich und den Ihren abwenden, indem sie die Leiche des Mädchens zur letzten Ruhe bettet?
"The Ring" ist ein wirklich atmosphärischer Gruselfilm, der ganz ohne brutale Schockeffekte à la "Hostel" auskommt und mit zunächst kleinen, sich stetig steigernden Effekten des Übernatürlichen arbeitet. Er beginnt ganz klassisch mit zwei Teenagern, die allein zu Hause sind und sich über Teenagerkram unterhalten. Eines der Mädchen, Rachels Nichte, erzählt ihrer Freundin, daß sie und ihr Freund auf einem Wochenendausflug das geheimnisvolle Video geschaut haben, von dem alle Welt redet. Es wird auch deutlich, daß das Mädchen mit ihrem Freund, wenn nicht Sex, so doch zumindest gewagte Intimitäten veranstaltet hat, so daß es nach den Regeln des Horrorfilms in den nächsten Minuten sterben muß. Nach einigen dramaturgischen Antäuschungen des Verhängnisses - unter anderem einem Anruf von der Mutter - findet die Arme denn auch ein schreckliches Ende.
Was nun folgt, ist weniger abgedroschen und vermag schon Gänsehaut zu erzeugen. Besonders die Szene mit dem durchgedrehten Pferd auf der Fähre - Pferde sind ja ein klassisches Symbol für Leiden, man denke etwa an Dostojewski, Victor Hugo und Nietzsche - dürfte dem Zuschauer lange im Gedächtnis haften bleiben. Auch David Dorfman spielt den Aiden genial mit einer Mischung aus autistischen und entrückten Zügen, so daß hier ein weiteres Mal das Motiv des übersensiblen Kindes in einem Horrorfilm in Reinkultur zu bewundern ist.
Verschiedentlich wird "The Ring" kritisiert, weil er keine stringente und logische Erklärung für das dargestellte Verhängnis bietet, doch finde ich, daß gerade die Ermangelung einer wirklich zufriedenstellenden Erklärung das Kennzeichen eines guten Gruselfilms ist, denn indem wir das Grauen erklären, zähmen wir es und fügen es in die Gesetzmäßigkeiten unserer Alltagswelt ein. Wenn uns dies allerdings nicht gelingt, dann bleibt es grauenhaft und erzeugt weiterhin Angst.
Manchmal kann ich mich beim Betrachten dieses Filmes nicht des Eindrucks erwehren, daß hier noch mehr versucht wird, als bloß eine verdammt unheimliche Geschichte zu erzählen. Mir scheint, daß "The Ring" zwischen den Zeilen auch eine Art Medienkritik transportiert - freilich keineswegs stringent, sondern allenfalls nur in Motiven.
So fällt mir auf, daß das Fernsehen, über das ja auch die eigentliche Bedrohung in das Leben der Opfer Samaras tritt, hier stets negativ konnotiert wird. Ein Kind, das nachts nicht schlafen kann, schaltet erst einmal das Fernsehen ein und schaut sich eine herumliegende Videokassette an - das dürfte ein starkes Kopfschütteln von der Supernanny nach sich ziehen. Auch die Szene, in der Rachel auf den Balkon ihres Apartments tritt und in die Wohnungen ihrer Nachbarn blickt, zeigt, daß überall, wo jemand zu Hause ist ein Fernsehgerät, läuft, auch wenn die Bewohner des jeweiligen Apartments gerade mit allen möglichen anderen Dingen beschäftigt sind. Hier fühlt man sich an "Fahrenheit 451" oder - schon indirekter - an Motive aus "The Bodysnatchers" erinnert. Das Fernsehen spielt zudem eine Rolle bei der Ruhigstellung der Insassen einer Nervenheilanstalt, und auch Samaras Ziehvater bedient sich bei seinem Selbstmord eines Fernsehgerätes. Sind das alles Zufälle? Wenn ja, ist Verbinski ein wahrer Glückspilz.
Nachdem das Opfer das unheilvolle Video gesehen hat, ist es nicht mehr in der Lage, auf einem Photo ein klares Abbild seines Konterfeis zu bekommen. Ließe sich dies nicht als ein Hinweis auf die Vermassung des Menschen durch übermäßigen Fernsehkonsum verstehen? Denn längst paßt sich das Fernsehen nicht mehr unseren Bedürfnissen und Ansprüchen an, sondern wir lassen uns vom Fernsehen erziehen und schauen, was gerade so kommt (eben auch eine unbeschriftete Videokassette). Auch die Verkürzung der Schnittgeschwindigkeit ist ja nicht etwa eine Folge veränderter Umweltbedingungen, sondern auf das Vorgehen von Filmemachern zurückzuführen, die aktiv unsere Sehgewohnheiten in Richtung eines beschleunigten Tempos umkonditioniert haben. Wir sind in der Hand der Massenmedien und lassen uns durch diese verformen, und da Massenmedien möglichst große Zielgruppen benötigen, läuft dieser Prozeß zwangsläufig auf eine Preisgabe von Individualität, Feinheit und Unterschiedlichkeit hinaus, und wir "verschwimmen".
Dies sind nur einige nicht bis ins Letzte durchdachte Ideen, die mir beim Ansehen dieses Streifens gekommen sind. Vielleicht konstruiere ich hier auch gerade eine Bedeutung in diesen Film hinein. Alle diejenigen, denen an solchen Konstrukten nichts liegt, können mit "The Ring" trotzdem einen sehr packenden und gut gemachten Horrorfilm genießen.