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Rimbaud der Sohn
 
 
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Rimbaud der Sohn [Gebundene Ausgabe]

Pierre Michon
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 115 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp (20. Oktober 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518224379
  • ISBN-13: 978-3518224373
  • Originaltitel: Rimbaud le fils, 1991
  • Größe und/oder Gewicht: 18 x 11,8 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 445.733 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Pierre Michon
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Michon gelingt auf wenigen Seiten ein komplexes Dichterporträt, ein intensives, empathisches, auch sprachlich anspruchsvolles Capriccio. Er kennt sich aus in dieser Epoche, bringt einem den Autor der »Saison en enfer« tatsächlich sehr nahe, erschafft Szenen von unübertrefflicher Prägnanz und – nicht zuletzt! – erzählt damit ein Stück verstaubter Literaturgeschichte erfrischend neu. Michons sprachlich feiner Stil mit den ziselierten, hintergründig eingestreuten (und literaturhistorisch relevanten) Beobachtungen kommt auch in der Übersetzung Anne Webers überzeugend zur Geltung. Man wäre diesbezüglich fast wieder geneigt, das eher unsägliche Wort der »Kongenialität« zu verwenden.« (Thomas Laux Neue Zürcher Zeitung )

»Michons Text liest sich als dithyrambischer Essay und als reales Märchen zugleich. Er ist darin ein Röntgenbild der modernen französischen Literatur, ihrer Typologien und ihrer Legenden, ihrer Ruhmeshallen und ihrer Schrottplätze. Zugleich wird der Mythos der Moderne in seiner ganzen Antiquiertheit vorgeführt. Der Glaube an den perfekten Vers, an die Kraft des Neuen, der Wille zum Personenkult und die Metaphysik der Revolte - das alles verbindet man mit Rimbaud, und es erscheint uns heute wie das Trümmerfeld einer weit zurückliegenden Vergangenheit.« (Christian Schärf Frankfurter Allgemeine Zeitung )

Kurzbeschreibung

Rimbaud der Sohn ist eine Auseinandersetzung mit der Figur des Dichters und dem Wesen der Poesie, deren geradezu mythische Verkörperung der Dichterkomet Arthur Rimbaud im Verlauf des 19. Jahrhunderts geworden ist. Als Sohn erscheint Rimbaud in diesem Buch in mehrfacher Hinsicht: Sohn eines abwesenden Vaters und einer unzulänglichen bäuerlichen Mutter. Sohn mit einer langen Reihe von Vorfahren, die von Vergil bis zu Baudelaire reicht. Und schließlich Sohn einer anderen großen Abwesenden: der Poesie.

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Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
"Nein, - ich bin, der ich bin! Und was sie finden
In mir als Schuld, ist ihrer Schuld Bericht.
Vielleicht bin ich der Sehende, sie die Blinden,
Nach ihrem Sinn bemisst mein Tun sich nicht!
(William Shakespeare, Sonett CXXI, Die Sonette)

Wir wachsen, Kierkegaard hat es immer betont, im Verhältnis zur Größe, gegen die wir ankämpfen, gleichviel, ob diese Größe einem Menschen, einer Idee, einem System oder einem Gedicht anhaftet. Und zu den Einsichten Kierkegaards zählen wir auch, dass Jugend dazugehört, um zu hoffen, Jugend dazu, um sich zu erinnern, aber es gehört Mut dazu, die Wiederholung zu wollen. Die Wiederholung als die Wirklichkeit und den Ernst im Dasein.

Rimbaud (1854-1891) als Sohn wird hier vom französischen Schriftsteller Pierre Michon (1945- ) auf das Vortrefflichste ins Licht gerückt. Mit Nietzsches aphoristischem Zugeständnis: "Wenn man keinen guten Vater hatte, so soll man sich einen anschaffen" an die Sache heranzugehen, verfehlt den weiten Sprung. "Wer aber arbeitet, gebiert seinen eigenen Vater" in der Kierkegaard Denke kommt dem Werke hier viel näher, zumal Rimbaud selbst beteuert: "Ich werde ein Arbeiter sein." Denn in der Tat ist Rimbaud vaterlos aufgewachsen, seine Mutter war von emotionaler Dürftigkeit und über-religiöser Gebundenheit ("Euch sagt's das Herz; [...], / Im Haus ist keine Mutter mehr! - der Vater weit! ..."; Rimbaud) und in seinem kleinen Ardennen-Ort Charleville widmete er sich Gedichten, mit deren Hilfe er sich selbst entfalten und der Enge entfliehen wollte ("Alles steigt und will sich weiten!", Rimbaud). Von der Mutter weiß er eben, dass sie auch im Juli "Dezembergesichter" macht, vom Vater weiß er, dass er Hauptmann in einer Garnison ist, seine Geschwister kennt er, werden kaum erwähnt, bis auf Isabelle, die ihm zugewandte in diesen Brüchigen Tagen. Sein Leben als Sohn wird so zu einem vorgestellten fern des jetzigen, sein Vater wächst gewissermaßen in der Vorstellung.

Doch der Sohn-Gedanke ist auch literarisch. Sein Stöbern in den Schriften von Hugo, Baudelaire, Banville und anderen entfaltet in ihm eine Sohn-Rolle gegenüber den Vorbildern. Zu sein, zu werden in einer Welt, ja eine Welt zu bilden, die die sichtbare, fühlbare und riechbare, zusammengefasst in 12stöckige Sätze und Reime, wird, ist sein Anliegen. In ihm wird die Poesie zur Person, gegenüber der Rimbaud bereitwillig die Rolle des Sohnes einnimmt. Überall dort, wo ein Wachsen in ihm schlummert, entdeckt er den Sohn, der lernen und überflügeln will, um in eine bessere Rolle Einzug zu nehmen, eine Rolle, die im dichterischen Ich seine Vorgänger überragt.

Im Begriff Sohn entdeckt Michon die Potenz dieses jungen Mannes aus den Ardennen. Denn alles was er geleistet hat, ist eingeschrieben von Anfang an. Seine Herkunft aus dem kleinen Ort, sein Leben in der Ambivalenz zwischen mütterlichem nah erlebten Vaterunser und väterlichem fern vermuteten militärischen Fanfaren und die Suche nach neuen exponierten Vorbildern wird zur sublimen inneren Kraft, die wartet, als Eruption zu erscheinen. Als Leser kann man nun sich Michons allzu deutlich heraustretende Bedeutung nähern. Denn in allem, was über Rimbaud sich entfaltet, steckt eben jene gedankliche Epiphanie, Rimbaud sei Sohn aller Menschen, denen nur über die Kunst des Wortes, des Bildes, der Musik geholfen werden kann. Natürlich in einer veritablen Auseinandersetzung wo möglich. Die großen Vorbilder wie Hugo, Baudelaire waren schon abwesend oder tot; einzig als reizvoller Partner für alle Lebenslagen bot sich in der Pariser Zeit Paul Verlaine an, dessen Lage und Sucht nach Worten in gleicher Ausprägung wie bei Rimbaud sich zeigten. Michon gelingt es bravourös diese Beziehung in ihrem Mix aus Liebe, Hass, Wollust, Streit und Verletzung erlebbar zu machen. Weil ihre "Liebe bis in ihre Seelen gelangte", nahm sie ein schlechtes Ende.

Und aus diesem Drama Paris, London, Brüssel, all diesen vom ursprünglichen Leben abweichenden und doch das Leben ausprägenden Situationen, kommt Rimbaud zurück in das kleine Charleville. Es ist Erntezeit und anstatt zu helfen verschanzt er sich schluchzend auf dem Dachboden und schreibt über die "Zeit in der Hölle". Hier wird vollendet, was er erlebte, was er ersehnte. An diesem Ort wird erinnert ("Einst, wenn ich mich recht erinnere, war mein Leben ein Fest, wo alle Herzen sich öffneten, wo alle Weine flossen.", Rimbaud) ohne offensichtliche Bedeutung, an diesem Ort wird gelitten, weil der Mensch sich verloren hat, an diesem Ort wird gesehnt, die Lautlosigkeit der Stille, die Dunkelheit der Nacht, die Bewegung des Schwindels zu erfahren, an diesem Ort sollen die Worte gefunden werden, die die Farben der Buchstaben erkennen, die den Geruch der Bedeutung verkörpern. Dieser Ort war die elende Existenz des Alltäglichen und auch ein Ort der Suche nach Transzendenz. "Ich schrieb das Schweigen, die Nächte, ich zeichnete das Unausprechliche auf. Ich hielt den Taumel fest", so Rimbaud in seinen "Fieberphantasien" in "Une Saison en Enfer". Dieses Prosagedicht entgeht kaum der Gefahr, ungewollt Gedanken und Reiz des normativen Christentums zu spiegeln, entgeht kaum der Gefahr, die vehemente Verweigerung des Christentums zu verlieren, wie er es dann auf dem Sterbebett nicht länger leugnen konnte.

Pierre Michon hat als Dichter die Wucht, die Wut und den Wahn dieser letzten Schrift Rimbauds gespürt, hat ihn in wahrhaft prosaischer Poesie nachempfunden und auf seine Weise erkannt, dass hier ein Dichter schrieb, der seinen sterbenden Gott durch einen neuen ersetzten wollte, den Gott des ständig wachsenden inneren Selbst. Nicht umsonst verweist Michon auf den biblischen Verkünder Jeremias, der eine Leidenschaft zur Zerstörung im positiven Sinne verkündigte. Jeremias beklagt sich bei Gott, ihn betört zu haben und ihn zum Gespött gemacht hätte (Jer 20). Wenn nun Jeremias nicht mehr im Namen Gottes spricht, dann spürt er dies sagen zu müssen: "dann wird es in meinem Herzen wie brennendes Feuer, [...] ich mühe mich ab, es zu tragen, und vermag es nicht."

Bei Jeremias (Jer 31) lesen wir auch: "Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen, und es ihnen ins Herz schreiben." Rimbaud hat in allem aus dem Herzen geschrieben, sein höllischer Ritt des letzten Gesangs trifft den Nerv und das Herz jeden Lesers und auch des ebenso guten Dichters Michon. Sein erneutes Credo an Rimbaud sichert ihm, dem jungen Künstler, der in nur vier Jahren seiner Gedichtkunst, nicht nur einen gesicherten Platz im Parnass der Dichter hat, sondern auch hiermit alle Sohn-Rollen verloren und sich zu einem Mann der Tat erwachsen hat, ohne die "Vaterschaft für seine Werke übernehmen zu können", dem Alexandriner sogar den Garaus machte. Am Ende der "Zeit in der Hölle" erkennt er, dass es jetzt ein Vorabend ist für ein neues Morgenrot und eine zukünftige Zeit.

Mit 37 Jahren und in erneuertem Glauben stirbt Rimbaud. Seine Dichterzeit betrug vier Jahre. Nie mehr nach 1873 hat er sich ihr gewidmet. Er zog aus, und machte einträgliche Geschäfte in aller Welt. Doch zurück nach Charleville führte ihn der Tod.
~~

PS
Rimbaud Zitate aus: Sämtliche Dichtungen: Zweisprachige Ausgabe
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rimbaud, der sohnemann 25. November 2008
Format:Gebundene Ausgabe
Pierre Michon
Rimbaud der Sohn
Aus dem Französischen von Anne Weber

2008
Suhrkamp Verlag
ISBN: 978-3-518-22437-3
116 Seiten
11,80.-

Den Widerspruch zwischen Poesie und Leben hat wohl kein anderer Dichter so sehr verinnerlicht wie Arthur Rimbaud. Er sah sich gezwungen, sich mit 21 für das eine oder das andere zu entscheiden und wählte letzteres, wofür er einen großen Preis zu zahlen hatte: mit 37 Jahren wurde er aus Afrika in sein verhasstes Charlesville, von dem er Zeit seines Lebens fliehen wollte, zurückgeschickt und starb einbeinig im Bett seiner bäuerlich unzulänglichen Mutter.

Der Autor des vorliegenden Buches will sich Rimbaud unter einem ganz bestimmten Aspekt annähern und benutzt dazu eine ebenso poetische Sprache, wie sie wohl der Dichter selbst benutzt hätte, würde er noch leben und eine Abhandlung über sich selbst schreiben. Rimbaud, der Sohn, ist die Geschichte eines vaterlosen Provinzlers, dem die Einfachheit seiner Mutter und seiner ländlichen Umgebung so zuwider ist, dass er sich vorerst nur in die Poesie flüchten kann. Doch die Poesie, die ihn in Zeiten der Not vor dem Schlimmsten bewahrte, wird später auch von ihm selbst verraten, wohl weil sie Teil der Welt ist, die er stets verlassen wollte. Vitalie Rimbaud, geborene Cuif, die Mutter mit dem Dezembergesicht mitten im Juli"(Michon) hätte ihrem Sohn gerne Trost geschenkt, schreibt Michon, doch die Poesie will den Trost nicht, er macht sie verstummen" und deswegen lehnte Rimbaud diesen Trost ab. Pierre Michon setzt fort mit den Lehrern und Epigonen Rimbauds, Izambard, Banville u. a. werden gestreift, auch die Biographen Rimbauds (die Vulgata") , etwa des Gilles, der mehr über Rimbauds Leben wusste, als Rimbaud selbst", erwähnt Michon, um schlussendlich in dem Satz zu gipfeln: ein Junge, der sich den Kopf einschlägt, um die Clownnase loszuwerden". Die Flügel mit etwas Blei beschwert, frönt Rimbaud jedoch in Paris, London oder Brüssel der bloßen Sauferei, die dem Sehertum nicht unähnlich sei, wie Michon behauptet, um schließlich im Exzess aller Exzesse von seinem besten Freund Paul Verlaine, der die Sprache in Person erschießen wollte" (Michon), angeschossen zu werden.

Pierre Michon urteilt gütig, wenn er schreibt, dass Rimbaud seine Sache in den Sand setzte, weil er aus Hedonismus oder Verzweiflung, was Sohneseigenschaften sein können, oder aus Klugheit und Zurückhaltung, was keine Sohneseigenschaften sein sind, nicht die Anmaßung besaß, sein eigenes Schaffen zum Universum zu erklären." Arthur Rimbaud gehörte zu den Zerzausten", die für die Wut und das Nichts" (Michon) stehen und nicht zu den Gekämmten, die für das Heil und die Mildtätigkeit" (Michon) stehen wollen. Als solcher, als überzeugter Zerzauster", konnte er sich nicht abkühlen und friedlich im Jardin du Luxembourg ergrauen, für ihn blieb nur das Wagnis, das Abenteuer als letzten Ausweg aus dem Labyrinth der eigenen Seele.

Pierre Michon wurde 1945 geboren und 1984 mit seinem Werk Leben der kleinen Toten" bekannt. Er gilt als einer der bedeutendsten französischen Gegenwartsschriftsteller und war wohl nicht nur deswegen gezwungen, sich mit Arthur Rimbaud auseinanderzusetzen. An Rimbaud kommt nämlich kein Franzose vorbei, das zumindest ist dem Charlesviller gelungen!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Günter Nawe "Herodot" TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Schon "Das Leben der kleinen Toten" gehört zu den Büchern, die man einfach nicht hergeben möchte. Und jetzt kommt ein weiteres hnzu: "Rimbaud der Sohn". Ein Dichter schreibt über einen Dichter - Michon schreibt über Rimbaud. Michon schreibt über das Wesen der Poesie und über den, der es wie kaum ein anderer verinnerlicht, umgesetzt hat in Literatur. Dies aber war letztlich auch der Widerspruch, den sein Leben aushalten musste - und nicht ausgehalten hat.

Mit 37 Jahren starb starb Rimbaud. Vaterlos war er, die Mutter konnte ihn nicht halten. Das Leben in der Provinz ist ihm höchst zuwider. Bleibt die Flucht in die Poesie. Das Leben aber gerät ihm aus den Fugen. Er säuft, versucht seinen Freund Verlaine zu erschießen, er sucht das Abenteuer, verrät die Literatur und stirbt erbärmlich.

Es gehört in das Reich der Psychologie, dass Rimbaud unbewusst auf der Suche nach dem Vater war. Hier geht es um Literatur. Und Pierre Michon hat das so seltene Kunststück geschafft, in wunderbarer Prosa von Rimbaud dem Sohn zu erzählen. Auf unnachahmliche Weise erfahren wir Geschichte um Geschichte, sind fasziniert, begeistert und neugierig, am Werk Rimbauds den Michon zu prüfen. Eine Prüfung, die er glänzend besteht.
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