Rainer Maria Rilke - ein wunderbarer Dichter, ein sonderliches Leben. Er hinterlässt viele Gedichte, Briefe, Erinnerungen. Und aus allem, was ich von Rilke bisher gelesen habe, konnte ich mir auch ein Bild von ihm machen. Um dieses aber zu festigen, besser zu umreißen, beschloss ich, doch auch einmal eine Biographie über ihn lesen zu wollen, und nahm diese hier zu Händen - um davon aber enttäuscht zu werden. Denn obgleich Reich-Ranicki das Buch lobt als "von ruhiger ausgeglichener Erzählweise", so fehlte mir doch der persönliche Zugang zum Dichter. Das Buch beinhaltet zu viele Details, zu viele Jahre und Stationen in langer Reihe, zu wenig Einsicht in das Wesen Rilkes. Sicherlich wäre diese Einsicht auch mit Spekulationen verbunden, aber gerade diese, und spekuliert von einem Literaturforscher, machen für mich persönlich Biographien lesenswert.
In diesem Fall also - eine sicherlich weitestgehend vollständige Biographie, aber keine, die ein Bild vermittelt oder dem Leser Rilke nahebringt. Rilke war nun mal nicht ruhig und ausgeglichen, irgendwie spürt man, dass der Verfasser jene melancholisch-zerbrechliche, verzweifelte Seele nicht nachempfinden kann. Daher meine Empfehlung: Vielleicht nur als Ergänzungswerk benutzen, aber ein anderes hauptsächlich lesen.