Wer hat nicht schon einmal etwas vom Monster von Loch Ness, dem Yeti oder Bigfoot gehört? Seltsame, schwer auffindbare Geschöpfe bestimmen seit langem die Geschichten von Menschen, zahlreiche Zeugen wollen geheimnisvolle Kreaturen gesichtet haben, die sich unserer modernen Welt zum Trotz anscheinend erfolgreich dem Zugriff der Wissenschaft entzogen haben - bislang jedenfalls. Es hat sich sogar eine eigene Wissenschaft entwickelt: Die Kryptozoologie. Wie bei vielen Themen, die etwas Geheimnisvolles behandeln, gibt es neben ernsthaften Zeugen oder Forschern auch eine entsprechend große Zahl von Scharlatanen. Lothar Frenz gehört nicht dazu. Sein Buch "Riesenkraken und Tigerwölfe" ist wohl eines der besten kryptozoologischen Bücher auf dem deutschen Buchmarkt. Das Bild, das Frenz zeichnet, geht weit über das der klassischen "Monster" hinaus. Gewiß, wir erfahren etwas über den Bigfoot aus Nordamerika oder über Seeungeheuer, doch Frenz zeigt, das die Suche nach unbekannten Tieren auch im kleinen Maßstab interessant sein kann. So findet man jährlich zahlreiche neue Insektenarten, aber auch kleine bis mittelgroße Säugetiere gehen den Forschern ins Netz. Vietnam scheint sich hier in vielerlei Hinsicht als ein kryptozoologisches Paradies zu entpuppen, die Urwälder dieses Landes sind für manche Überraschung gut. Wir erfahren auch etwas über die Jagd nach dem Riesenkraken, einem über zehn Meter langen Geschöpf der Tiefsee, das Hauptbeute des Pottwals ist und das man bislang nicht lebend im Meer beobachten konnte. Oder die Suche der Australier nach letzten Überlebenden des Beutelwolfes, dessen letztes Exemplar 1936 im Zoo der tasmanischen Hauptstadt Hobart verstarb. Und natürlich fehlen nicht Geschichten über Hominiden, die möglicherweise bis heute in unzugänglichen Gegenden Asiens überlebt haben. Frenz gelingt es, die Jagd nach unbekannten Tieren spannend und unterhaltsam darzustellen, ohne dabei ins Sensationelle abzugleiten. Vielmehr ist es auch ein Anliegen des Autors, der u.a. für das Magazin GEO schreibt, auf die bedrohte Natur hinzuweisen: Je mehr wir Menschen uns in bislang unwegsamen Gebieten der Erde ausbreiten, desto mehr zerstören wir Lebensräume von Tieren und Pflanzen, auch von bislang unbekannten Arten. Wer seriöse Informationen über das Thema Kryptozoologie sucht, wird an diesem Buch nicht vorbeikommen.