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Riefenstahl. Eine deutsche Karriere.Biographie
 
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Riefenstahl. Eine deutsche Karriere.Biographie [Gebundene Ausgabe]

Jürgen Trimborn
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de


Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.07.2002
Andreas Platthaus räumt mit einer Legende auf, die sich um Deutschlands vermutlich bekannteste, aber auch geschmähteste Filmemacherin, Leni Riefenstahl, die bald hundert Jahre alt wird, rankt. So kann man sich sehr wohl ihre Filme ansehen, sogar kaufen, berichtet der Rezensent. "Triumph des Willens" und die beiden "Olympia-Filme" seien ohne weiteres über einen "namhaften" Internet-Anbieter erhältlich. So schlecht lässt sich also über die Riefenstahl, wie oft behauptet wird, gar nicht recherchieren, ist Platthaus überzeugt. Und so ist der Rezensent erstaunt, dass die Biografie von Jürgen Trimborn, Mitarbeiter am Institut für Theaterwissenschaften in Köln, über die frühen Jahre der Riefenstahl wenig Erhellendes präsentiert. Dafür aber, staunt der Rezensent, fördere Trimborn interessante Details über Riefenstahls Reise nach Polen im Jahr 1939 zutage. Die währte nämlich länger als von Riefenstahl behauptet, und vor allem traf sie dort Adolf Hitler, um ihn bei der Ehrenparade anlässlich der Eroberung Warschaus zu filmen. Für Platthaus ist das ein Beleg dafür, dass Riefenstahl nicht einfach ein williges Instrument Hitlers gewesen ist, sondern sogar dessen "Auge", außerdem habe sie offensichtlich in einer "arbeitsteiligen Symbiose" mit diesem gelebt. Schade, bedauert der Rezensent, dass Trimborn diese Reise nicht zum Schwerpunkt seines Buchs gemacht hat.

© Perlentaucher Medien GmbH

Kurzbeschreibung

Zum 100. Geburtstag am 22. August 2002 erscheint diese umfassende kritische Biographie der Regisseurin Leni Riefenstahl. Der Autor Jürgen Trimborn setzt sich intensiv mit Riefenstahls Sonderstellung im Dritten Reich auseinander, ihrem persönlichen Verhältnis zu Hitler und Göbbels und befasst sich mit der Entstehungsgeschichte ihrer wichtigsten Filme dieser Zeit. Anhand bislang zum Teil unbekannter Quellen widerlegt er eindeutig die Legende der "unpolitischen Künstlerin", die Riefenstahl nach Kriegsende über sich selbst verbreitete.

Über den Autor

Jürgen Trimborn, geboren 1971, Promotion 1997. 1995 - 2000 Lehrbeauftragter an der Universität Köln, Fachbereich Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft . Lebt als freier Autor in Köln und Ostbelgien.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"Leni Riefenstahl, mit verzücktem Gesichtsausdruck exaltierte Bewegungen ausführend - die Tänzerin. Leni Riefenstahl, barfuß und unerschrocken eine steile Gebirgswand hinaufkletternd - der Bergfilmstar. Leni Riefenstahl, die selbstbewußt einem Heer von Kameramännern Anweisungen gibt - die Regisseurin. Leni Riefenstahl bei Dreharbeiten, lachend neben Adolf Hitler - die Karrieristin. Leni Riefenstahl, wild gestikulierend bei einem Gerichtsprozeß in der Nachkriegszeit - die Angeklagte. Leni Riefenstahl mit einer Fotokamera an der Seite eines hochgewachsenen Nuba-Kriegers - die Fotografin. Leni Riefenstahl, die als älteste Tiefseetaucherin der Welt dem Indischen Ozean entsteigt - die Ikone. Leni Riefenstahl, hochbetagt, bei der Eröffnung einer ihr gewidmeten Retrospektive in Rom, Tokio oder Potsdam - der Mythos. Viele, sehr disparate Bilder drängen sich auf, wenn man sich das Leben Leni Riefenstahls vergegenwärtigt. Zu verschieden sind die Rollen, die sie in ihrem langen Leben gespielt hat. Zu widersprüchlich die Bilder, die entstanden sind, seit die Tänzerin, Schauspielerin, Regisseurin und Fotografin im Rampenlicht steht. Den einen gilt Leni Riefenstahl als geniale Filmschaffende, den anderen als Künstlerin, die sich durch ihre Arbeiten für Hitler auf einen Pakt mit dem Bösen eingelassen hat. In ihren letzten Lebensjahren wurde sie zunehmend als Ikone ihrer eigenen Altersvitalität wahrgenommen, der man schon aus Respekt vor ihrem hohen Alter die von ihr und ihren Apologeten lange geforderte Absolution erteilen müsse ..."

Auszug aus Riefenstahl von Jürgen Trimborn. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Leni Riefenstahl, mit verzücktem Gesichtsausdruck exaltierte Bewegungen
ausführend – die Tänzerin. Leni Riefenstahl, barfuß und unerschrocken eine steile
Gebirgswand hinaufkletternd – der Bergfilmstar. Leni Riefenstahl, die selbstbewußt einem
Heer von Kameramännern Anweisungen gibt – die Regisseurin. Leni Riefenstahl bei
Dreharbeiten, lachend neben Adolf Hitler – die Karrieristin. Leni Riefenstahl, wild
gestikulierend bei einem Gerichtsprozeß in der Nachkriegszeit – die Angeklagte. Leni
Riefenstahl mit einer Fotokamera an der Seite eines hochgewachsenen Nuba-Kriegers – die
Fotografin. Leni Riefenstahl, die als älteste Tiefseetaucherin der Welt dem Indischen Ozean
entsteigt – die Ikone. Leni Riefenstahl, hochbetagt, bei der Eröffnung einer ihr gewidmeten
Retrospektive in Rom, Tokio oder Potsdam – der Mythos. Viele, sehr disparate Bilder
drängen sich auf, wenn man sich das Leben Leni Riefenstahls vergegenwärtigt. Zu
verschieden sind die Rollen, die sie in ihrem langen Leben gespielt hat. Zu widersprüchlich
die Bilder, die entstanden sind, seit die Tänzerin, Schauspielerin, Regisseurin und Fotografin
im Rampenlicht steht. Den einen gilt Leni Riefenstahl als geniale Filmschaffende, den
anderen als Künstlerin, die sich durch ihre Arbeiten für Hitler auf einen Pakt mit dem Bösen
eingelassen hat. In ihren letzten Lebensjahren wurde sie zunehmend als Ikone ihrer eigenen
Altersvitalität wahrgenommen, der man schon aus Respekt vor ihrem hohen Alter die von ihr
und ihren Apologeten lange geforderte Absolution erteilen müsse. Als sie für ihren 100.
Geburtstag im August 2002 die Präsentation eines neuen Filmes ankündigte und damit die
längste Regiekarriere der Filmgeschichte vorweisen konnte, geriet sie erneut in die
Schlagzeilen. Keine andere Filmregisseurin hat jemals so viel Beachtung gefunden und
zugleich so viel Kritik auf sich gezogen wie diese Frau, deren Popularität international nach
wie vor ungebrochen ist. Wer war Leni Riefenstahl? Je länger ich mich mit dieser Frage
auseinandersetzte, desto stärker wurde mir bewußt, daß Riefenstahl selbst am wenigsten dazu
beitragen kann, das Rätsel um ihre Person zu lösen. Mit ihrer geschönten, korrigierten
Version der eigenen Lebensgeschichte, an der sie seit 1945 konsequent festhält, hat sie
vielmehr den Grundstein für dieses Rätsel gelegt. Mittels Schutzbehauptungen und
Unterlassungsklagen hat sie alles daran gesetzt, ihre Sicht der Dinge als die einzig gültige zu
zementieren. Auch wenn ihr dies nicht gänzlich gelungen ist, auch wenn immer wieder
Kritiker und Zweifler auf den Plan traten, die versuchten, Riefenstahl mit der Wahrheit zu
konfrontieren, auch wenn längst Dokumente vorgelegt wurden, die ihre Version widerlegen,
spielt das von der Künstlerin festgeschriebene Bild ihres Lebens und ihrer Karriere auch heute
noch eine nicht unwesentliche Rolle, wenn es darum geht, über Riefenstahls Platz in der
Geschichte zu diskutieren. Längst ist die selbstkonstruierte, von allen unangenehmen
Implikationen bereinigte Vergangenheit, die sie seit Jahrzehnten immer und immer wieder
erzählt, zu ihrer Realität geworden. Sogar Riefenstahl-Kritiker behandeln heute viele der von
ihr selbst geschaffenen Mythen und Legenden als Tatsachen. Aber nicht nur das Selbstbild
Riefenstahls, auch viele unabhängig von ihren Aussagen kursierende Gerüchte und
Spekulationen, die die emotionalisierte Diskussion um ihr Werk und ihr Leben prägen,
verstellen den Zugang zu ihr. Die Tatsache, daß nur die wenigsten ihre Arbeiten aus der Zeit
des Dritten Reichs aus eigener Anschauung kennen und sich so selbst ein Urteil darüber
bilden können, macht das Sprechen über Riefenstahl noch immer schwierig. Deshalb scheiden
sich an Riefenstahl, der letzten Überlebenden aus dem engen Umkreis Hitlers, bis heute die
Geister. Eine sachliche, vorurteilsfreie Auseinandersetzung mit ihr war bisher kaum möglich,
dominierten doch stets die stark vorurteilsbeladenen Argumente den Streit um die
»Filmemacherin des Führers« und die »Macht ihrer Bilder«. Einig ist man sich nur darüber,
daß sie als umstrittenste Regisseurin der Filmgeschichte anzusehen ist, aber auch eine der
wichtigsten Filmkünstlerinnen des 20. Jahrhunderts war. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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