Dieses Buch ist eine faire Auseinandersetzung mit der Künstlerin Leni Riefenstahl. Mit geradezu akribischer Genauigkeit werden die Angaben, die Riefenstahl in ihren Memoiren gemacht hat, mit anderen Quellen verglichen. Häufig kommt der Autor den falschen oder geschönten Behauptungen der Künstlerin auf die Spur, ohne jedoch ungerecht zu werden.
Es wird dargestellt, auf welche Weise es ihr gelang, in die Männerdomäne des Bergfilms Einlass zu finden und zur ernsthaften Konkurrenz Luis Trenkers zu werden. Auch wird die Frage aufgeworfen, ob Bergfilme "präfaschistische Machwerke" waren.
Die Behauptung, Riefenstahl habe zu Hitler geradezu ein Hörigkeitsverhältnis gehabt, ist überzogen und wird vom Autor zunächst konstatiert, dann aber doch relativiert.
Es ist aber sicher problematisch, wenn man ein menschenverachtendes Regime unterstützt und ihm ein akzeptables Antlitz verleiht, was Riefenstahl durch ihr Verhalten und ihre Filme zweifellos tat, doch basierte dies weniger auf ihrer Faszination für das politische Programm als auf den sich ihr bietenden künstlerischen Möglichkeiten.
Ihr Film über die olympischen Spiele 1936 wurde im Gegensatz zur Nachkriegsrezeption zunächst international gefeiert.
Riefenstahls Behauptung, mit dem "Führer" stets nur "zufällig" zusammengetroffen zu sein, wird vom Autor widerlegt.
Nach dem Krieg empfand sie es zu Recht als heuchlerisch, dass dieselben Deutschen, die einst wie sie selbst an Hitler geglaubt hatten und stramme Nazis gewesen waren, sie nun angriffen und über Nacht zu Demokraten geworden sein wollten.
Riefenstahl wurde zum kollektiven Sündenbock der Nachkriegszeit, was die Rezeption ihres künstlerischen Werks in Deutschland erschwerte. Inzwischen ist sie auch hierzulande weitgehend rehabilitiert, und in ihren letzten Lebensjahren wurde sie allein schon wegen ihrer außergewöhnlichen Vitalität, die sie bis ins hohe Alter bewahrte, zu einer Art Pop-Ikone. Dennoch zeigte sie bis an ihr Lebensende keine Bereitschaft, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Es ist heute auch in Deutschland kein Tabu mehr, sich mit Riefenstahl auseinanderzusetzen. Wer jedoch erwägt, ihre Memoiren zu lesen oder sich ihre Filme anzusehen, der sollte zuerst dieses Buch lesen. Das gilt erst recht, wenn man sich die wunderschön gemachten, aber wenig kritischen Bücher ansieht, die von Angelika Taschen herausgegeben werden und mit dem Prachtband "Afrika", auch was den Preis betrifft, ihren (vorläufigen) Höhepunkt gefunden haben.