Hut ab. Während dümmliche deutsche Veranstalter immer noch mit "lustigen" La Bamba Postern werben, wenn die Wölfe aus East L.A. im Land sind, legen die grossen, alten Männer des Latin Rock and Soul wieder ein Album hin, das sich hinter den Ohren gewaschen hat. Zwar darf man bei Platten mit so einer Menge Duetten für gewöhnlich skeptisch sein, allerdings nicht, wenn der last standing soul man Bobby Womack und Memphis Soul Übermutter Mavis Staples auf der Gästeliste stehen. Selbst Tom Waits macht sich angenehmerweise unkenntlich und stört den kaputten Groove von "Kitate" überhaupt nicht. Elvis Costello passt als einziger nicht rein, was aber am Material liegen mag.
Diese Band ist mir ein Rätsel. Die 90er Alben "Colossal Head" und "This Time" waren die besten ihrer 20jährigen Lebenszeit: saftig rockender, dämonisch rollender Low Rider Sound und eine Produktion (Tchad Blake/Mitchell Froom), die jedes ältliche Blues Rock Klischee vermied. Dass diese beiden, die auch beim experimentell-gespenstischen Side Projekt Latin Playboys mitmischen, nunmehr seit 2 Alben fehlen, ist schade, aber anlässlich neuer Grosstaten wie hier mit Dave Alvin verschmerzbar. Heutzutage klingen Los Lobos näher an ihrem Live Sound. Und genau da schaffen sie es immer noch, den Besucher in einen fiktiven Film zu ziehen, der einen glauben macht, man erlebe gerade ein Family Barbecue im Garten von Dave Hidalgo: Überall stehen tätowierte Kerle im Unterhemd rum, die aus der Ferne wie beleibte Totschläger wirken, und sich bei näherem Hinsehen als liebende Familienväter entpuppen, die wissen, wie man eine Mandoline so spielt, dass dem Gast aus Europa das Essen kalt und das Herz heiss wird. Ungefähr so.