Die Möglichkeiten der Bildkomposition die der "28-200mm" Superzoom bietet sind einfach fantastisch. Mit dem 28mm Weitwinkel bekommt man einfach mehr aufs Bild und kann dann bei vollem Tele die Details einer Szene heranholen. Es gibt nur wenige Kompakt-Kameras, die so einen Brennweitenbereich bieten und keine ist so kompakt wie die R6. (Die einzige direkte Konkurrentin wäre die TZ3 von Panasonic, aber sie ist nicht nur größer sondern auch teurer).
Diese Vielseitigkeit erkauft man sich allerdings mit Abstrichen an der Bildqualität. Zum Glück fallen sie bei der R6 eher mäßig aus, vor allem eine Unschärfe in der rechten unteren Ecke und rosa Fransen an scharfen Kontrasten an den Bildrändern und allgemein eher schwache Kontraste (so mein subjektiver Eindruck). Ansonsten überzeugt die Bildqualität mit schönen Farben und guter Schärfe (ganz anders als z.B. bei der Exilim V7). Im Prinzip selbst bei Blitzeinsatz im Dunkeln, aber siehe unten.
Zu den Stärken der Kamera gehört auch die Bedienbarkeit, hier haben sich die Entwickler einiges einfallen lassen: Zwei frei programmierbare und schnell zugängliche "My Settings" Modi (neben ca. 10 anderen fest vorgegebenen Programmen), einen mit 5 Funktionen selbst belegbaren Funktionsknopf, die Möglichkeit, Maximalwerte für die ISO-Automatik (leider erst ab 400) und die Belichtungszeit vorzugeben, "Soft-Flash" Einstellung (reduzierte Blitzintensität), Anzeige von Blendenzahl und Belichtungszeit vor dem Auslösen, manueller Focus, Monitor auf Knopfdruck auf maximale Helligkeit stellen usw.
Was fehlt: manuelle Einstellung von Blende und Belichtungszeit. Besonders letzteres ist ärgerlich. Denn wenn man den Blitz benutzt, belichtet die Kamera stets mit 1/32s. Das bedeutet, dass der Hintergrund nur schwach beleuchtet ist und alles, was mehr als 3 Meter von der Kamera entfernt ist zwar nicht schwarz aber doch sehr dunkel ist. Hier würde ich mir wünschen, dass die Kamera mit 1/16s oder 1/8s belichtet, zumal man das dank Bildstabilisator problemlos aus der Hand fotografieren kann (mit sehr ruhiger Hand kann man noch 1/4s verwacklungsfrei aus der Hand fotografieren). Dann würde man die Atmosphäre der Szene viel besser einfangen und auch die Farben wären natürlicher. Und ohne Blitz lassen sich, dann bei Belichtungszeiten von 1s und mehr, nur statische Motive ablichten und auch nur mit Stativ oder auf einer festen Unterlage. Außerdem bekommt man doch schnell Probleme mit Rauschen in dunklen Bildbereichen.
Neben der daraus resultierenden mangelhaften "Party-tauglichkeit" ist noch der Videomodus ein Schwachpunkt. Man kann zwar 640x480 mit 30fps aufnehmen, aber das Bild wirkt total grieselig und verpixelt. Hier habe ich schon *viel* besseres gesehen. Wer Videos drehen will, wird mit der Kamera nicht glücklich, zumal eine Minute knapp 100MB veranschlagt.
Negativ sind auch die laut zirpend-knisternden Geräusche, die das Objektiv beim Einschalten, Zoomen und Scharfstellen macht.
Insgesamt hätte Ricoh hier mit einer etwas längeren Belichtungszeit bei Blitzeinsatz (bzw. manueller Belichtungswahl oder einem entsprechenden "Partymodus") und einem vernünftigen Videomodus mit modernem MPEG-4 Codec und brauchbarer Bildqualität die perfekte Kompaktkamera bauen können. Dafür hätte ich auch gerne 100 oder 150 EUR mehr ausgegeben! So bereue ich zwar den Kauf nicht, ärgere mich aber doch, weil die Schwächen der Kamera so leicht hätten vermieden werden können!